Produkt: Sonderheft UHREN-MAGAZIN Preisführer 2019/2020
Sonderheft UHREN-MAGAZIN Preisführer 2019/2020
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Blancpain Fifty Fathoms: Alles über die Taucheruhren-Ikone

Geburt der Taucheruhr

Mit der Fifty Fathoms hat Blancpain 1953 die Taucheruhr mit drehbarer Tauchzeitskala erfunden. Sie ist heute beliebter denn je.

Blancpain: Fifty Fathoms Titan
Die klassische Fifty Fathoms gibt es auch in Titan (14.550 Euro)

Inhalt:

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Die erste Taucheruhr mit drehbarem Skalenring

Fifty Fathoms ist heute das erfolgreichste Modell von Blancpain. Historische Bedeutung hat sie vor allem, weil sie die erste Taucheruhr mit einem drehbaren Skalenring war, der gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesichert war. Mit der Drehlünette misst der Taucher die Zeit, die er schon unter Wasser verbracht hat. Vor dem Abtauchen stellt er den Leuchtpunkt des Tauchdrehrings auf den Minutenzeiger und kann während des Tauchgangs ablesen, wie lange er bereits unter Wasser ist.

Blancpain: Fifty Fathoms 1953
Die erste Fifty Fathoms von 1953

Zusammen mit der später im Jahr 1953 lancierten Rolex Submariner schuf die Fifty Fathoms damit den Archetyp der Taucheruhr. Und während sich bei der Submariner der Drehring in beide Richtungen bewegen ließ, ohne zu arretieren, entwickelte Blancpain eine Lünette, die man nur drehen konnte, wenn man sie herunterdrückte. Mit einem solchen Schutz gegen unbeabsichtigtes Verstellen war Blancpain seiner Zeit weit voraus.

Ihre Entstehung verdankt die Fifty Fathoms vor allem der Initiative des französischen Militärs und des tauchbegeisterten Chefs von Blancpain: Hauptmann Robert „Bob“ Maloubier baut ab 1952 die französischen Kampfschwimmer auf. In die Eliteeinheit kommen nur Männer, die besonders geschickt, ausdauernd, durchsetzungsfähig und trainiert sind. Dem soll die Ausrüstung in nichts nachstehen: Die Taucher benötigen eine strapazierfähige, robuste Uhr, die auch unter Wasser nicht versagt. Mit diesen und vielen weiteren Ansprüchen sucht Maloubier eine Uhrenfirma, die einen entsprechenden Zeitmesser entwickeln würde. Mehrere Firmen winken ab, ein französischer Uhrenfabrikant aus Besançon gar mit der Begründung, eine solche Uhr habe „keine Zukunft“.

Blancpain: Hauptmann Robert Maloubier
Hauptmann Robert Maloubier legte für die französischen Kampfschwimmer die Vorgaben an die Fifty Fathoms fest

Schließlich tritt Maloubier in Kontakt zu Blancpain, und endlich ist er an der richtigen Adresse. Jean-Jacques Fiechter, von 1950 bis 1980 Generaldirektor der Uhrenmarke, ist selbst begeisterter Taucher und stellt sich der Herausforderung. Hauptmann Maloubier erinnert sich später: „Schließlich willigte eine kleine Uhrenfabrik, Blancpain, ein, unser Projekt zu entwickeln, das eine Uhr mit schwarzem Zifferblatt, großen, fetten Ziffern und klaren Markierungen vorsah: Dreiecke, Kreise, Quadrate, außerdem einen äußeren Drehring, auf dem sich die Markierungen des Zifferblatts wiederholten. Wir wollten vor dem Tauchgang diese Lünette so auf den großen Minutenzeiger ausrichten können, dass daran die Tauchzeit abgelesen werden konnte. Und wir wollten, dass sämtliche Markierungen deutlich leuchten.“

Jean-Jacques Fiechter: CEO von Blancpain 1950 - 1980
Jean-Jacques Fiechter war Taucher und leitete Blancpain von 1950 bis 1980

Blancpain erfüllt diese Wünsche und verleiht schon dem ersten Modell von 1953 die typischen Merkmale, die die spätere Kollektion Fifty Fathoms in die Moderne trägt: ein schwarzes Zifferblatt mit sich deutlich abhebenden, selbstleuchtenden Zahlen und Indexen sowie eine bessere Griffigkeit dank gerändelter Lünette. Die Lünette ist schwarz ausgelegt und ebenfalls mit selbstleuchtenden Zahlen und Indexen versehen.

Fifty Fathoms – 50 Faden

Das runde Gehäuse des Premierenmodells misst ganz gegen die damaligen Vorlieben für kleine Uhren stolze 42 Millimeter, ist schlicht und klassisch gehalten und trägt massive Bandanstöße. Die Uhr wird als wasserdichtes, zum Tauchen geeignetes Modell konstruiert. Sie darf bis zu einer Tiefe von 50 Faden abtauchen, was ihr den Namen „Fifty Fathoms“ beschert. Das britische Maß 50 Faden entspricht einer Tiefe von umgerechnet 91,45 Metern. Diese hohe Wasserdichtheit erreicht Blancpain durch einen verschraubten Boden und ein neu entwickeltes System mit doppelten O-Ring-Dichtungen für die Krone. Eine verschraubte Krone verbot das damals bestehende Patent von Rolex. Damit die Krone weniger oft herausgezogen werden muss, was die Dichtungen beansprucht, ist die Fifty Fathoms mit einem Automatikwerk ausgestattet, das antimagnetisch abgeschirmt wird. Blancpain patentiert seinerseits die gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesicherte Tauchlünette und zwingt damit andere Hersteller zu eigenen kreativen Lösungen.

Blancpain: Patent Taucherlünette
Patent über die Tauchlünette, die zum Verstellen heruntergedrückt werden musste

Die Fifty Fathoms erweist sich im Einsatz bei den französischen Kampfschwimmern als zuverlässig und robust, sodass auch andere Seestreitkräfte ihre Taucher mit dem Blancpain-Modell ausrüsten. Dazu gehören die israelische, die spanische, die US-amerikanische und die deutsche Marine.

Die Uhr begleitet sogar den berühmten Meeresforscher Jacques Cousteau und Regisseur Louis Malle, als sie 1957 ihren preisgekrönten Unterwasserfilm „Le Monde du Silence“ (Die Welt der Stille) drehen. Auch zivile Taucher nutzen die Blancpain als wichtiges Instrument. Sie kaufen die Uhr in Läden für Tauchsportutensilien, wo ein beträchtlicher Teil der historischen Fifty-Fathoms-Modelle von Blancpain unter dem Namen der jeweiligen Anbieter von Tauchsportausrüstung verkauft werden, zum Beispiel „Aqualung“.

Über die Jahre ändert sich die Optik der Fifty Fathoms immer wieder. Blancpain bringt die Uhr mal mit kissenförmigem Gehäuse, dann mit Stabmarkierungen, ein anderes Mal mit spitzeren Zeigern auf den Markt. Bis Mitte der 1970er Jahre entstehen immer wieder neue Varianten.

Nach einer Pause während der sogenannten Quarzkrise gibt es ab 1999 wieder neue Fifty Fathoms. Den Anfang machte eine Uhr mit Metalllünette, auf der Zahlen und Indexe reliefartig wiedergegeben sind. 2007 wird dann die aktuelle Fifty-Fathoms-Modellfamilie vorgestellt, die zum Klassiker der Neuzeit avanciert. Die Tauchskala der Drehlünette besteht nun aus bombiertem Saphirglas, das von unten bedruckt wird. So erreicht Blancpain eine ähnliche Optik wie bei der Bakelitskala des Urmodells, macht das Bauteil aber deutlich robuster. Auch die Wasserdichtheit erhöhte Blancpain auf zeitgemäße 300 Meter.

Manufakturkaliber und Komplikationen für die Fifty Fathoms

Ebenfalls neu ist das Manufakturkaliber 1315, nach dem Debüt des Kalibers 13R0 von 2006 das zweite eigene Werk seit der Neugründung. Es ist als robustes, automatisches Sportuhrwerk konzipiert. Drei in Serie geschaltete Federhäuser gewähren eine Gangreserve von fünf Tagen. Die rückerfreie Feinregulierung über Justierschrauben auf dem Unruhreif kann sich bei Stößen nicht verstellen. Ganz in der Tradition der historischen Fifty Fathoms schirmt ein Weicheisenmantel das Kaliber 1315 vor Magnetfeldern ab.

Nach und nach stellte Blancpain der Drei-Zeiger-Uhr verschiedene Komplikationen zur Seite, die in der aktuellen Kollektion verblieben. Zuerst erschien ein Flyback-Chronograph, dessen mit Spezialdichtungen ausgestattete Drücker auch unter Wasser bedient werden dürfen. Bei dieser Komplikation kann der Träger eine neue Messung starten, ohne den Chronographen vorher zu stoppen und zurückzustellen.

Überraschender ist die Kombination der Toolwatch mit einem fliegenden Tourbillon mit acht Tagen Gangreserve. Und auch der Vollkalender mit Mondphase, der Flyback-Chronograph mit Vollkalender und der erst 2018 vorgestellte Jahreskalender stellen in einer Taucheruhr eine Besonderheit dar. Daneben gibt es noch Modelle mit Großdatum, Wochentag und einer zweiten Zeitzone.

Blancpain: Fifty Fathoms Tourbillon
Ungewöhnliche Kombination: Fifty Fathoms Tourbillon 8 Jours mit Drehgang in Rotgold

Die größte Sensation stellte Blancpain 2011 vor: die X Fathoms mit mechanischem Tiefenmesser. Hier kommt die Zusatzfunktion ebenso komplex wie nützlich für Taucher daher – vor allem, wenn es wie hier einen Schleppzeiger zur Anzeige der maximalen Tiefe, einen Zeiger mit Skala für Tiefen bis 100 Meter und einen dritten Zeiger mit einer feiner auflösenden Skala bis 15 Meter gibt. Daneben können Taucher Deko- und Sicherheitsstopps mit einer retrograden Anzeige zwischen zehn und elf Uhr timen. Der Drücker bei der zehn startet die Messung. Mit dem Heliumventil fürs Sättigungstauchen, einer Druckfestigkeit bis 300 Meter und dem salzwasserbeständigen Titangehäuse wappnet sich die X Fathoms für alle erdenklichen Taucheinsätze. Vater der Uhr: der genau wie der damalige Blancpain-Chef tauchbegeisterte aktuelle Präsident Marc A. Hayek.

Blancpain: X Fathoms mit mechanischem Tiefenmesser
X Fathoms mit mechanischem Tiefenmesser (37.610 Euro)

In noch viele größere Tiefen dringt die bis 1.000 Meter wasserdichte 500 Fathoms vor. Im Urlaub kann auch die 500 Fathoms GMT mit zweiter Zeitzone hilfreich sein. Zudem gibt es in der Fifty-Fathoms-Kollektion weitere kleine Komplikationen wie ein Großdatum und einen Wochentag. Daneben lässt Blancpain immer wieder besondere Modelle aus der Geschichte aufleben. Dazu gehört die limitierte Tribute to Fifty Fathoms MIL-SPEC, die 2017 erschien und sich an der militärischen Version MIL-SPEC I von 1957 orientiert. Diese besaß damals als Wasserdichtheitsanzeige auf dem Zifferblatt einen Kreis, dessen weißer Teil sich rot verfärbte, wenn er feucht wurde. Dieses Feature hat Blancpain wieder integriert.

Die Vielfalt der Fifty Fathoms: Von No-Radiaton bis Bathyscaphe

Auch ein weiteres beliebtes Modell legte die Manufaktur wieder auf: Die Tribute To Fifty Fathoms No Radiation zeigt wie ihr Vorbild ein durchgestrichenes Strahlenwarnzeichen auf dem Zifferblatt. Das sollte damals signalisieren, dass kein radioaktives Radium als Leuchtmasse zum Einsatz kam.

Blancpain: Tribute to Fifty Fathoms MIL-SPEC
Tribute to Fifty Fathoms MIL-SPEC von 2017 (ausverkauft)

Auch bei den Farben und Materialien gibt es eine große Vielfalt: Zählt man die Bandvarianten mit, listet die Blancpain-Homepage zurzeit 73 Fifty-Fathoms-Modelle auf. Neben dem traditionellen Schwarz finden sich auch Zifferblätter in Grau, Blau und Braun. Für Damen gab es die Fifty Fathoms mit hellem Perlmuttzifferblatt oder mit weißem Blatt. Beim Gehäuse kommt neben Stahl, Titan und Gold auch Keramik in Schwarz, Grau und Blau zum Einsatz. Blancpain bündelt seine Aktivitäten zum Schutz der Meere im Blancpain Ocean Commitment. Dieser Vereinigung widmet die Marke immer wieder limitierte Modelle, die meist die Farbe Blau zum Thema haben.

Blancpain: Fifty Fathoms Bathyscaphe Day Date 70s
Fifty Fathoms Bathyscaphe Day Date 70s (500 Exemplare, 11.780 Euro)

Eine Erweiterung des Designs stellen auch die Fifty-Fathoms-Bathyscaphe-Modelle dar. Sie besitzen nicht die gewölbte Saphirglaslünette der ersten Fifty Fathoms, sondern gehen auf Modelle der 1960er-Jahre zurück. Die flache Skala des Drehrings besteht heute aus Keramik. Ziffern und Zeiger unterscheiden sich ebenfalls von den normalen Fifty Fathoms. Es bleibt also auch in Zukunft spannend.

Blancpain: Fifty Fathoms Barakuda
Neuestes Modell: Fifty Fathoms Barakuda (500 Exemplare, 13.070 Euro)

Im Juni 2020 stellte Blancpain die Fifty Fathoms Automatique und Fifty Fathoms Grande Date mit Titanband vor. Bisher wurden die Modelle ausschließlich am Segeltuch- oder NATO-Band getragen. Die Glieder des neuen Titanbands werden von Hand satiniert und mit durchgehenden Querstiften verbunden, so sitzt das Band flexibel am Handgelenk. Die Schrauben befinden sich auf der Rückseite der Bandglieder und sind seitlich somit nicht sichtbar.

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Produkt: Download: Oris Aquis GMT Date im Test
Download: Oris Aquis GMT Date im Test
Oris bringt erstmals eine Zeitzonenfunktion in die Taucheruhren-Linie Aquis. Ob die Aquis GMT Date damit immer noch alle Anforderungen an eine professionelle Taucheruhr erfüllt, klärt der UHREN-MAGAZIN-Test.

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