Die 7 Ikonen unter den deutschen Armbanduhren

A. Lange & Söhne Lange 1, Nomos Tangente, Junghans Max Bill & Co.

Alexander Krupp
von Alexander Krupp
am 3. September 2018

Diese Zeitmesser aus Deutschland haben Geschichte geschrieben. Ihre Gestaltung, die über Jahrzehnte hinweg aktuell bleibt, macht sie zu Ikonen des Uhrendesigns. Hier finden Sie die schönsten und begehrtesten Uhrenmodelle aus Deutschland.

Deutsche Uhren-Ikone #1: A. Lange & Söhne Lange 1

Die A. Lange & Söhne Lange 1 mit blauem Zifferblatt und Weißgoldgehäuse mit 38,5 Millimeter Durchmesser
Die A. Lange & Söhne Lange 1 mit blauem Zifferblatt und Weißgoldgehäuse mit 38,5 Millimeter Durchmesser

Nach der Neugründung von A. Lange & Söhne im sächsischen Uhrmacherstädtchen Glashütte wurde die Lange 1 im Jahr 1994 mit einem Paukenschlag vorgestellt: eine Uhr mit dezentralen Anzeigen, die nicht das volle Zifferblatt zur Darstellung der Uhrzeit benötigte! Ein solcher Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Raum war revolutionär. Dabei blieb bei diesem Design die Fläche außerhalb des Hauptzifferblatts keineswegs ungenutzt. Hier fanden ein Großdatum, eine Gangreserveanzeige und eine kleine Sekunde reichlich Platz. Über die Jahre ließen sich auch andere Glashütter Marken zu dezentralen Anzeigen inspirieren. In der Zwischenzeit kamen zahlreiche Derivate der Lange 1 auf den Markt, aber das Basismodell wurde 2015 – nach 21 Jahren – zum ersten Mal grundlegend überarbeitet, und zwar vor allem im Innern: Es erhielt ein komplett neues Werk, das Manufakturkaliber L121.1 mit Handaufzug. Es besitzt eine durchgehende Dreiviertelplatine und Exzentergewichte statt Schrauben auf der Unruh. Wahlweise umgibt ein 38,5 Millimeter großes Rotgold-, Gelbgold- , Weipgold oder Platingehäuse das Kaliber. Die abgebildete Version mit blauem Zifferblatt und Weißgoldgehäuse kostet 31.700 Euro.

Deutsche Uhren-Ikone #2: Nomos Tangente

Nomos Glashütte: Tangente
Nomos Glashütte: Tangente

Die Nomos Tangente erschien 1992 als eines von vier Premierenmodellen der zwei Jahre zuvor gegründeten Marke Nomos Glashütte. Schnell wurde sie zur wichtigsten Säule der Kollektion. Das Design entspringt dem Deutschen Werkbund, einer 1907 in München gegründeten Vorläuferbewegung der Designschule Bauhaus, und wurde vor dem zweiten Weltkrieg von verschiedenen Uhrenherstellern verwendet. Der Werkbund setzt sich bis heute dafür ein, dass Handwerk und Maschinenarbeit kombiniert werden, was gute Produkte für ein breites Publikum erreichbar machen soll. Das gilt auch für die Tangente in Originalgröße, die trotz Saphirglasboden und hauseigenem Handaufzugskaliber Nomos-Kaliber Alpha erschwinglich bleibt. Für die 35-Millimeter-Edelstahluhr sind 1.660 Euro zu bezahlen.

Deutsche Uhren-Ikone #3: Junghans Max Bill

Junghans: Max Bill Automatic
Junghans: Max Bill Automatic

Der Architekt, Designer und ehemalige Bauhaus-Schüler Max Bill entwarf 1961 eine Armbanduhr, die die Junghans-Kollektion bis heute prägt wie keine andere. Eigentlich sind es sogar zwei: eine mit Stunden- und Minutenzahlen und eine mit bloßen Strichindexen. Obwohl sich die beiden Designs der Junghans Max Bill unterscheiden, stehen beide Entwürfe für Reduktion, Klarheit und Funktionalität.

Die Max Bill Automatik von Junghans mit Stundenzifferblatt und sandgoldfarbener PVD-Beschichtung.
Die Max Bill Automatik von Junghans mit Stundenzifferblatt und sandgoldfarbener PVD-Beschichtung kostet 955 Euro.

Die Form folgt der Funktion. Ganz nebenbei gehört die Max Bill von Junghans zu den günstigsten Ikonen überhaupt – egal ob man sich für die Handaufzugsversionen in der Originalgröße von 34 Millimetern zum Preis von 625 Euro entscheidet oder lieber auf die hier abgebildeten, größeren und teureren Automatikvarianten zurückgreift. Die 38-Millimeter-Edelstahluhren mit dem Automatikkaliber Eta 2824 sind ab 875 Euro erhältlich.

Deutsche Uhren-Ikone #4: Glashütte Original Sixties

Glashütte Original: Sixties Zifferblatt
Glashütte Original: Sixties

Designs aus der eigenen Firmenvergangenheit zu zitieren, liegt in der Uhrenbranche heute voll im Trend. Bei Glashütte Original heißt die Vergangenheit VEB GUB (Volkseigener Betrieb Glashütter Uhrenbetriebe). Zu diesem Konglomerat war die ortsansässige Uhrenindustrie zur DDR-Zeit zusammengefasst. Der direkte Vorgänger der Glashütte Original Sixties ist ein Modell der legendären Spezimatic-Linie, die ab 1964 produziert wurde. Originalgetreue Designelemente, die die Herzen von Retrofans höher schlagen lassen, sind ein am Rand gewölbtes Zifferblatt, eingefräste Stundenmarkierungen und die verspielte Zifferntypografie. Deck- und Bodenglas ragen weit aus dem schmalen Gehäusemittelteil – ein zusätzliches attraktives Designmerkmal der sechziger Jahre, das die Uhr besonders flach wirken lässt und den Tragekomfort erhöht. In ihrer neuesten Version gibt es die 39 Millimeter große Glashütte Original Sixties in Edelstahl mit grünem Dégradé-Zifferblatt (Preis 6.300 Euro). In allen Modellen – ob Edelstahl- oder Goldgehäuse – tickt dasselbe Manufakturkaliber. Es ist das Automatikwerk 39-52.

Deutsche Uhren-Ikone #5: Meistersinger Einzeigeruhren

Meistersinger: No.3
Meistersinger: No.3

Für Leute, die im Zweifelsfall mal eine Minute mehr Zeit haben oder sich diese gerne nehmen, stellt Meistersinger seit 2001 Einzeigeruhren her. Die Idee stammt ursprünglich vom Produktgestalter Klaus Botta (Botta-Design), einem früheren Geschäftspartner des Meistersinger-Gründers Manfred Brassler. Meistersinger jedoch hat das Konzept von Anfang an besonders erfolgreich vermarktet und wird am stärksten damit identifiziert. Das liegt auch an den übrigen attraktiven Gestaltungselementen: Die Uhren besitzen ausschließlich schlichte Balkenindexe und zweistellige Stundenzahlen, auf die ein spitz zulaufender Zeiger weist, wie man ihn von klassischen Messuhren kennt. Auf diese Weise lassen sich die Fünf-Minuten-Intervalle relativ komfortabel ablesen; die verbleibende Ungenauigkeit ist beabsichtigt und dient der persönlichen Entschleunigung. Die abgebildete No. 03 bietet mit dem Eta 2824-2 oder Sellita SW 200-1 einen Automatikaufzug. Wie bei den Handaufzugsuhren No. 01 und 02 ist auch hier die Version mit elfenbeinfarbenem Zifferblatt am bekanntesten. Die Edelstahluhr mit einem Durchmesser von 43 Millimetern kostet 1.590 Euro.

Deutsche Uhren-Ikone #6: Laco Fliegeruhr Original Replika 55

Laco: Fliegeruhr Original Replika 55
Laco: Fliegeruhr Original Replika 55

Ein Stück Militärgeschichte ist die 55 Millimeter große Flieger-Beobachtungsuhr, die mehrere deutsche Marken sowie IWC Schaffhausen in den 1940er Jahren für die deutsche Luftwaffe nach deren Spezifikationen hergestellt haben. Anders als A. Lange & Söhne, Wempe und Stowa hat Laco die Uhr im Originalformat heute wieder im Portfolio. Das Zifferblatt der 55 Millimeter großen Laco Fliegeruhr Original Fliegeruhr 55 ist nach den Baumustern A und B erhältlich, das heißt mit außen liegenden Stundenzahlen oder, wie hier abgebildet, mit kleinem Stundenkreis nahe dem Zentrum. Der Boden des sandgestrahlten Edelstahlgehäuses trägt wie damals außen die Seriennummer und innen Kenndaten wie Gerät- und Werknummer. Das Werk stammt nicht mehr aus eigener Fertigung, aber Laco baut das von der Eta zugelieferte Handaufzugskaliber Eta Unitas 6497 auf eine Zentralsekunde um und ergänzt eine Schwanenhals-Feinregulierung. Preis: 3.450 Euro.

Deutsche Uhren-Ikone #7: Hanhart Pioneer MK II

Hanhart: Pioneer MK II
Hanhart: Pioneer MK II

Die ersten Armbandchronographen von Hanhart – allesamt mit hauseigenen Handaufzugswerken – erschienen 1938, wobei die Version mit Kaliber 41 durch ihren asymmetrisch nach oben verlagerten Start-Stopp-Drücker auffiel. Während des Zweiten Weltkriegs kam schließlich der heute berühmte rote Nullstelldrücker hinzu. Die Legende besagt, dass die besorgte Frau eines Kampfpiloten den unteren Drücker seines Hanhart-Stoppers, der nicht vorzeitig betätigt werden sollte, zur Warnung mit rotem Nagellack bemalte. Ein weiteres typisches Merkmal war die Drehlünette mit roter Markierung; sie diente dazu, Intervalle über 30 Minuten, für die der Chronograph nicht ausreichte, zu messen. Heute liefert Hanhart den Fliegerchronographen unter dem Namen Pioneer MK II mit dem zugekauften Automatikkaliber Eta-Valjoux 7753. Alle Gestaltungselemente bis hin zum genieteten Kalbslederband sind jedoch erhalten geblieben, sodass dieses Modell zu Recht einen Platz unter den deutschen Uhren-Ikonen einnimmt. Die 40-Millimeter-Edelstahluhr kostet 1.940 Euro.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Oktober 2016.

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