Produkt: Download Einzeltest: Roger Dubuis Hommage Fliegendes Doppeltourbillon mit Handguillochierung
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Im Test: Ein außergewöhnliches Modell von Roger Dubuis – ohne Zifferblatt.

Junghans Max Bill: Alles über die legendäre Bauhaus-Uhr

Von der Küchenuhr zur deutschen Uhrenikone

Mit der Reduktion auf das Wesentliche schuf Max Bill ein Uhrendesign, das absolut zeitlos ist. Die Vorlage zur Junghans-Armbanduhr lieferte in den 1950er-Jahren eine Küchenuhr. Heute repräsentiert die Max Bill wie keine zweite Uhr die Kollektion von Junghans.

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Sie interessieren sich für Junghans? Hier sind die 5 wichtigsten Fakten zu der Marke.

Eine aktuelle Version der Max Bill von Junghans mit Handaufzugskaliber Eta 2801-2 für 625 Euro.
Eine aktuelle Version der Max Bill von Junghans mit Handaufzugskaliber Eta 2801 für 625 Euro

Wie Junghans zur Max Bill kam 

Der Architekt und Künstler Max Bill (1908–1994) erhielt Mitte der 1950er-Jahre den Auftrag von der Schramberger Uhrenfirma Junghans, eine Uhr zu gestalten. Genauer gesagt eine Küchenuhr mit Kurzzeitmesser. Junghans wollte einen alltäglichen Gebrauchsgegenstand aus der Hand eines Mannes, der nicht nur Produktdesigner war, sondern ebenso Maler, Bildhauer, Grafiker und Architekt.

Der Architekt, Designer und ehemalige Bauhaus-Schüler Max Bill im Jahr 1967
Der Architekt, Designer und ehemalige Bauhaus-Schüler Max Bill im Jahr 1967

Max Bill entwickelte die Junghans-Küchenuhr, die 1956 herauskam, zusammen mit seinen Studenten an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Als Antrieb für die neue Uhr gab Junghans Max Bill das mechanische Acht-Tage-Werk Exakta an die Hand; außerdem entschied der Auftraggeber, dass die Uhr aus Keramik sein solle und über einen Kurzzeitmesser zu verfügen habe. Alles Weitere war Max Bill und seinem Team überlassen. Die Junghans-Küchenuhr setzte die gestalterischen Tugenden, die das funktionalistische Design seit dem Bauhaus forderte, exemplarisch um: Ein Gegenstand sollte so gestaltet sein, dass er seine Funktion optimal erfüllte.

Max Bills erste Uhr: Die Junghans Küchenuhr mit Kurzzeitmesser von 1956 hat Design-Geschichte geschrieben.
Max Bills erste Uhr: Die Junghans Küchenuhr mit Kurzzeitmesser von 1956 hat Design-Geschichte geschrieben

Voraussetzung für Max Bill: Die perfekte Ablesbarkeit der Uhr

Bei einer Uhr musste es daher in erster Linie um die perfekte Ablesbarkeit gehen. Also reduzierte Max Bill das Zifferblatt auf die Elemente, die hierfür essenziell sind: Eine Minutenskala, deren Balken gut sichtbar voneinander getrennt sind, wird durch etwas längere Striche für die Stunden, die außerdem durch arabische Ziffern gekennzeichnet sind, gegliedert. Drei gut voneinander zu unterscheidende Zeiger laufen über das Zifferblatt. Die arabischen Ziffern selbst lehnen sich an Typen der modernen Druckgrafik an und geben bei aller Nüchternheit ein unverwechselbares Bild, bei dem besonders die eigenwillige »4« von der kreativen Hand spricht, die hinter diesen Zahlen steht. Das Zifferblatt der Küchenuhr besitzt die logischste, am deutlichsten auf die Funktion bezogene aller Uhrenformen: Sie ist kreisrund und entspricht damit der Form, die die sich drehenden Zeiger beschreiben.

Dieses Küchenuhrenzifferblatt sollte der Ausgangspunkt für alle weiteren Max-Bill-Uhren sein. Die Skala des Kurzzeitmessers lehnt sich an das Zifferblatt an und ist ebenso übersichtlich. Als kleinerer Kreis ist der Kurzzeitmesser unter dem Kreis des Hauptzifferblatts angeordnet. Die äußere Form der Küchenuhr scheint sich direkt aus dieser Anordnung zu ergeben; sie umfasst ganz einfach die beiden Kreise – was mit einleuchtender Logik zu einer Tropfenform führt. Gleichzeitig fügt sich diese Tropfenform nahtlos ins Formenspektrum der fünfziger Jahre mit ihren Nierentischen und stromlinienförmigen Haushaltsgeräten. Auch das Himmelblau des Uhrengehäuses passt in ein Jahrzehnt, das nach der Tristesse des Krieges in Pastellfarben schwelgte.

Modernes Innenleben für ein modernes Design: Das Elektora-Batteriewerk trieb Bills Küchenuhr an
Modernes Innenleben für ein modernes Design: Das Elektora-Batteriewerk trieb Bills Küchenuhr an

Ein zweites rundes Modell erschien im gleichen Farbton. In den Folgejahren sorgte Junghans dafür, dass die äußerlich so moderne Küchenuhr auch in ihrem Inneren auf dem neuesten Stand blieb: Junghans hatte sich schon früh mit der Entwicklung elektronischer Uhren befasst und baute für die Küchenuhr das kleine, über eine Laufzeit von einem Jahr verfügende Batteriewerk Elektora. In den Sechzigern schließlich erhielt die Küchenuhr das transistorgesteuerte ATO-Mat-Werk.

In den Sechzigern verwendete Junghans das transistorgesteuerte ATO-Mat-Werk für die legendäre Küchenuhr
In den Sechzigern verwendete Junghans das transistorgesteuerte ATO-Mat-Werk für die legendäre Küchenuhr

Die ersten Junghans-Armbanduhren von Max Bill

Das Küchenuhrenzifferblatt war der Ausgangspunkt für alle weiteren Max-Bill-Uhren. Mit der Küchenuhr und der Wanduhr, die 1959 erschien, war der gestalterische Grundstein für das gelegt, was zu der zukunftsträchtigsten Kooperation zwischen Junghans und Max Bill werden sollte. Ab 1961 brachte Junghans Armbanduhren von Max Bill heraus. Ihre Zifferblätter sind Varianten der Küchenuhr: Ein Modell weist innerhalb der Strichminuterie Stundenziffern in der Bill’schen Typografie auf, die sich vor allem an der Ziffer 4 von anderen Schriftarten unterscheidet. Außerhalb befindet sich eine weitere Minutenskala.

Junghans: Max Bill Automatic mit Stunden- und Minutenzahlen
Junghans: Max Bill Automatic mit Stunden- und Minutenzahlen (875 Euro)

Die zweite Uhr verzichtet auf Ziffern und zeigt stattdessen eine Strichskala. Leuchtpunkte bei Drei, Sechs und Neun sowie ein Doppelpunkt bei der Zwölf ermöglichen das Ablesen auch nachts.

Junghans: Max Bill Automatic mit Strichindexen
Junghans: Max Bill Automatic mit Strichindexen (875 Euro)

Junghans stattete die Armbanduhren von Max Bill mit dem Handaufzugskaliber J84 aus. In diese Uhren floss das ganze Know-how des Schramberger Unternehmens, das sich damals noch intensiv mit der Werkeherstellung befasste und sogar Kaliber in Chronometerqualität produzierte. 1956 war Junghans nach Stückzahlen der weltweit drittgrößte Chronometerhersteller nach Rolex und Omega!

Geschmacksmuster für eine der frühen Armbanduhren von Max Bill
Geschmacksmuster für eine der frühen Armbanduhren von Max Bill

Mit den puristischen Max-Bill-Armbanduhren setzte Junghans ein Zeichen. Sie waren meilenweit entfernt vom manchmal recht prätentiösen Uhrendesign der Epoche und wiesen in eine Zukunft, in der das Thema Design einen großen Aufschwung erlebte. Im Möbeldesign brach diese Phase in den Achtzigern an; in der Uhrenwelt mussten in der Dekade erst einmal die gravierenden Veränderungen bewältigt werden, die die rasante Entwicklung der Quarztechnologie mit sich brachte.

Als sich die hochwertige mechanische Armbanduhr als international gefragtes Luxusprodukt etabliert hatte, erlebten die Max-Bill-Uhren von Junghans eine neue Blüte. 1997 begann das Schramberger Unternehmen mit einer Neuauflage unter dem Titel Max Bill by Junghans. Die Modelle der Max-Bill-Kollektion sind seither zu Ikonen eines puristischen Uhrendesigns geworden und werden als solche von Uhrenliebhabern ebenso geschätzt wie von Design-Interessierten. Sogar ins Programm des MoMA-Store, des renommierten Design-Geschäfts des Museum of Modern Art in New York, haben die Max-Bill-Uhren Aufnahme gefunden.

Das Erbe von Max Bill: die aktuelle Uhrenkollektion

Junghans fertigt die Max-Bill-Uhren heute in vielen Varianten. Mit Handaufzugswerk oder automatisch gesteuert, mit farbigem Zifferblatt oder schlicht weiß. Es stehen diverse Bänder zur Auswahl, und es gibt Chronographen, bei Junghans Chronoscope genannt. Hier wurde das unverwechselbare Bill’sche Uhrendesign um eine Stoppfunktion erweitert, deren Gestaltung sich exakt an die formalen Vorgaben von Bills Dreizeigeruhren anlehnt.

Junghans: Max Bill Chronoscope mit Chronographenkaliber Eta/Valjoux 7750, Edelstahl, 40 mm, 1.695 Euro
Junghans: Max Bill Chronoscope mit Eta-Chronographenkaliber Valjoux 7750 oder Sellita-Kaliber SW 500 (Edelstahl, 40 mm, 1.695 Euro)

Und natürlich gibt es auch Max-Bill-Uhren für Damen. Dem Original am nächsten ist die Handaufzugsversion im 34 Millimeter messenden Edelstahlgehäuse, mit oder ohne Ziffern, für 625 Euro. Es gibt sie mittlerweile auch in modernen Zifferblattfarben wie Anthrazit.

Junghans: Max Bill Handaufzug mit Filzstruktur-Lederband
Perfekt für Damen geeignet: eine noch junge Version der Max Bill Handaufzug (625 Euro)

Quarzversionen der Max Bill sind mittlerweile ebenfalls erhältlich. Das gewölbte Hart-Plexiglas aller Modelle wird mit dem Schutzlack Sicralan beschichtet. Dadurch werden die Kunststoffgläser kratzfest, UV- und chemikalienbeständig und erhalten einen tieferen Glanz. Auch Wand- und Tischuhren im Design Max Bills stellt Junghans heute wieder her – mit Ziffern oder ohne und entweder mit Quarzwerk oder der Funktechnologie, für die Junghans berühmt ist. Seit mehr als einem halben Jahrhundert bewähren sich die Entwürfe Max Bills für Junghans durch ihr konsequent durchdachtes, funktional und ästhetisch kompromissloses Design. Bis heute erscheinen sie wie der Inbegriff einer Uhr: Zeitmesser, wie ein Kind sie zeichnen würde. Sie haben sich als „so zeitlos, wie das eben gehen würde, ohne die zeit zu vergessen“ erwiesen – ganz wie Max Bill es wollte.

2018 hat Junghans die Max Bill Mega vorgestellt, die von einem komplett im eigenen Haus entwickelten Funkwerk angetrieben wird. Damit bieten die Schramberger in ihrer beliebten Kollektion alle denkbaren Kaliberarten – von Handaufzug und Automatik über Quarz bis hin zu Funk. Die Max Bill Mega ist in zahlreichen Gestaltungsvarianten erhältlich und kostet zwischen 795 und 845 Euro. Weitere Informationen finden Sie hier.

Junghans: Max Bill Mega 058/4820.00 mit Stundenzahlen und Lederband
Junghans Max Bill Mega 058/4821.44 mit Strichindexen und Milanaiseband

Dem Designer Max Bill und den Junghans-Uhren der gleichnamigen Linie ist auch ein Abschnitt im 2018 eröffneten Terrassenbau-Museum gewidmet. Das Museum ist in dem legendären Gebäude untergebracht, das von 1918 bis 1982 die Junghans-Uhrenfertigung beherbergte. Die neun Terrassen lehnen sich zueinander versetzt an den Hang, sodass in jeden einzelnen Raum Tageslicht fällt – was ehemals den Uhrmachern und heute den Museumsbesuchern zugute kommt.

Eine der Max-Bill-Vitrinen im neu eröffneten Terrassenbau-Museum-Max-Bill
Eine der Max-Bill-Vitrinen im neu eröffneten Terrassenbau-Museum

Sondereditionen: 100 Jahre Bauhaus

Im Jahr 2019 feiert Junghans das Jubiläum ‘100 Jahre Bauhaus’ mit Sondermodellen der Max Bill: Die 38 Millimeter große Max Bill Automatic 100 Jahre Bauhaus erinnert mit ihrem anthrazitfarben PVD-beschichteten Edelstahlgehäuse (mit Eta 2824), dem betongrauem Armband und einem roten Datum an das Dessauer Bauhaus-Gebäude mit seiner roten Eingangstür. Die 1.000 Exemplare kosten je 1.225 Euro.

Junghans: Max Bill Automatic 100 Jahre Bauhaus
Junghans: Max Bill Automatic 100 Jahre Bauhaus

Der Chronograph Max Bill Chronoscope 100 Jahre Bauhaus greift das Thema dezenter auf und zeigt lediglich rote Datumszahlen und den roten Schriftzug “100 Jahre Bauhaus”. Allerdings bestehen die 100 produzierten Exemplare aus Weißgold und kosten deshalb für Junghans ungewohnte 7.950 Euro.
Daneben gibt es noch eine auf 1.000 Stück limitierte Chronoscope-Version (mit Eta-Valjoux 7750) aus Edelstahl, die wie das Automatik-Modell eine anthrazitfarben PVD-Beschichtung besitzt. Auch das rote Datum und die roten Zeiger haben die beiden Modelle gemeinsam. Der Preis liegt bei 1.995 Euro. Allen Sondermodellen gemeinsam ist der Aufdruck des Dessauer Bauhauses auf ihrem Glasboden, dessen Fensterfront (eingeschränkten) Einblick in die mechanischen Eta-Werke gewährt.

Junghans: Max Bill Chronoscope 100 Jahre Bauhaus in Weißgold
Junghans: Max Bill Chronoscope 100 Jahre Bauhaus, Gehäuseboden
Junghans: Max Bill Chronoscope 100 Jahre Bauhaus in Edelstahl

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Produkt: Download: Die Große Lange 1 Mondphase Lumen im Chronos-Test
Download: Die Große Lange 1 Mondphase Lumen im Chronos-Test
Die Große Lange 1 Mondphase Lumen leuchtet und erlaubt tiefe Einblicke in die Mechanik. Ihr semitransparentes Zifferblatt macht sie zur urbansten Uhr der Luxusmarke aus Glashütte. Wie sie sich im Test bewährt, erfahren Sie im Download.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. J 84 ist ein Handaufzugkaliber!!!
    Meines Wissens war damals J 83E das Automatikkaliber für die Max Bill-Variante.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Junghans J 84 war ein gutes Handaufzugkalber!!!
    Als Automatikkaliber wurde damals J 83E genutzt.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Vielen Dank für Ihren Hinweis! Sie haben Recht, da ist uns leider ein Fehler unterlaufen, den wir nun korrigiert haben. Viele Grüße, Ihr Watchtime.net-Team

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  4. Hier in Australien wo ich lebe gefielen mir Keramik Küchenuhren seit 30 Jahren und ich sammelte wie wild ohne etwas darüber zu wissen. Meine Wände sind dicht mit Uhren behängt. Seit ich den wertvollen Atikel las ist meine Ignoranz weggefegt. Ich habe auch eine Max Bill Uhr. Ich sense gerne ein Bild von unseren verrückten Wänden per Whattsapp

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