Analytisch durchdacht: Das Uhrendesign von Simon Husslein

Der Designer über seine Vorgehensweise und das neue Crowdfunding-Projekt Bólido

Maria-Bettina Eich
von Maria-Bettina Eich
am 19. November 2017

Seit er als junger Designer im Studio Hannes Wettstein arbeitete, beschäftigt sich Simon Husslein mit Uhren. Seine Entwürfe wurden von Marken wie Nomos, Ventura und Braun realisiert. Jetzt hat er mit Pierre Nobs die neue Marke Bólido gegründet.

Designer Simon Husslein
Designer Simon Husslein

Was ist so faszinierend an Uhren?

„Als Mann fasziniert mich, dass die Uhr eins der wenigen Dinge ist, die zusätzlich zur Kleidung etwas Besonderes sind. Mich fasziniert die Kraft, die so ein kleines Objekt am Arm entwickeln kann. Ich will das nicht auf Männer beschränken, aber bei ihnen ist der Fokus stärker als bei Frauen, die mehr Möglichkeiten haben. Es ist erstaunlich, wie eine tolle Uhr den Charakter oder Auftritt des Gegenübers verändern kann. Für ­jeden, der technikbegeistert ist, ist es Wahnsinn, was die ­Virtuosität der Uhrmacher in so eine Uhr hineinbekommen kann. Das Ganze hat viel Tiefe; das finde ich spannend.”

Wie entsteht Uhrendesign?

„Das Design geht bei mir immer von der Frage aus, wer der Absender des Projekts ist. Das ist eine sehr rationale Herangehensweise. Man startet im Normalfall ja mit einer bestehenden Marke, die einen Riesenrucksack an Geschichte mit sich trägt. Es ist ganz elementar, dass das, was ich als Gestalter mache, mit den Vorstellungen des Kunden oder mit der Idee der Marke als Ganzes einhergeht. Sonst ist es heiße Luft. Der zweite elementare Bestandteil sind das Werk und die Welt, die dieses Werk mit sich bringt – durch seine Komplikationen oder durch seine Einfachheit; auch durch seine Größe. Aus diesen Faktoren lässt sich ein Profil ableiten, das eine mögliche Käuferschaft und ein mögliches Umfeld beschreibt. In dieses Setup starte ich erst einmal mit ­einer Idee dazu, welche Uhrentypen in Frage kommen. Stehen bereits Ideen im Raum, die man anwenden kann, oder muss man etwas ganz Neues austüfteln?”

Für Nomos gestaltete Simon Husslein unter anderem die Lambda
Für Nomos gestaltete Simon Husslein unter anderem die Lambda

Emotion als Komponente von Design

„Mich interessiert sehr, wie meine Arbeit die Menschen emotional erreicht. Es bedeutet mir viel, wenn ich sehe, dass jemand Freude hat an einem Objekt. Es gibt da ein schönes Zitat: „People don’t remember what you told them but they will never forget how you made them feel.“ Es fasziniert mich in allen Bereichen als Gestalter, an das emotionale Erinnerungsvermögen der Menschen anzuknüpfen.”

Historie als Aspekt der gestalterischen Handschrift

„Dadurch, dass ich mich sehr stark an bestehenden Markenzusammenhängen zu orientieren versuche, ordne ich mich diesen unter. Das hätte im Grunde zur Folge, dass meine Entwürfe gar nicht unbedingt eine persönliche Note bekommen. Nun habe ich allerdings für Marken gearbeitet, die sich so grundsätzlich unähnlich nicht sind. Das sind Firmen, die sich im Design auf eine Historie beziehen, auf das Bauhaus und auf eine rational begründete Formensprache, die nicht langweilig sein soll, aber die Sinn macht und bei der es nicht ums Dekorieren und Verzieren geht, sondern bei der eine Wertschätzung für eine wirklich sinnvolle Idee vorhanden ist. Dadurch bekommen die Produkte eine Richtung. Es geht um die Welt von „form follows function“, von begründeter Klarheit. In diese Richtung tendieren dann auch meine Entwürfe.”

Neue Marke Bólido: Modell White mit Schweizer Automatikwerk (650 Euro)
Neue Marke Bólido: Modell White mit Schweizer Automatikwerk (650 Euro)

Pläne für die Zukunft: Neues Crowdfunding-Projekt Bólido

„Anfang des Jahres hat mich Pierre Nobs kontaktiert. Wir kennen uns seit 1999, als ich als Praktikant bei Hannes Wettstein begonnen habe. Er hatte die Idee, im Kontext der neuen Swiss-Made-Regelung etwas zu machen – und zwar mit dem Decolletage-Verfahren. Dieses Verfahren ist eigentlich ein alter Hut, aber in der Uhrenherstellung ist es etwas Neues. Es handelt sich dabei einfach um eine automatisierte Drehbank. Wir haben uns gefragt, wie wir die Idee nutzen, mit dieser Technik eine erschwingliche Swiss-Made-Uhr zu machen, und uns schien die Crowdfunding-Option Kickstarter am sinnvollsten. Seither arbeiten wir an der Bólido. Wir wollten eine Uhr entwickeln, die so eigenständig aussieht, wie sie auch gefertigt ist, um damit diesen Herstellungsvorteil zu spielen.”  mbe

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