Habring²: Die Uhrenmarke aus Österreich im Porträt

Habring²-Uhren basieren auf eigenem Uhrwerk A11

Martina Richter
von Martina Richter
am 11. Dezember 2017

Maria und Richard Habring haben sich mit dem Kaliber A11 ihren Traum von Unabhängigkeit erfüllt. Die Herstellung von Uhren ist heute ein weitgehend industrieller Prozess. Niemand fertigt mehr Teile wie Räder oder Triebe von Hand. Deshalb ist die Bezeichnung Manufaktur, die ja eigentlich das Handwerkliche betonen soll, heute sehr weit gefasst. Nach Ansicht vieler kleinerer Uhrenhersteller zu weit, denn Manufaktur nennen sich auch Hersteller, die fertige Uhrwerke – die es ja bereits in guter Qualität für unter 100 Euro gibt – einkaufen und weiterverarbeiten.

Habring²: Maria und Richard
Habring²: Maria und Richard

Das eigene Uhrwerk A11: Uhrenfertigung mit Partnern

Auch Maria und Richard Habring, die ihre Uhren unter der Marke Habring² in der kleinen Stadt Völkermarkt im österreichischen Kärnten produzieren, haben mittlerweile Schwierigkeiten mit dem Begriff Manufaktur: »Damit wird viel Schindluder getrieben.« Die beiden haben ihr eigenes Kaliber namens A11 entwickelt, eine Sensation für eine Uhrenmarke, die nur rund 200 Uhren im Jahr herstellt. Als sie sich 2011 dazu entschlossen, gingen sie damit ein großes Risiko ein. »Als ich noch für IWC Werke entwickelt habe, hieß es, für ein neues Kaliber braucht man etwa eine Million Schweizer Franken«, erinnert sich Richard Habring, »aber wir haben bewiesen, dass es deutlich günstiger geht.« Trotzdem steckt sehr viel Geld in der Entwicklung, das die beiden selbst aufbringen. »Meine Frau ist wohl die einzige Inhaberin einer Uhrenmarke, die weder Villa, Yacht noch Brillanten besitzt«, scherzt Richard Habring. »Dafür habe ich ein eigenes Kaliber«, kontert Maria Habring. Die beiden verstehen sich blind, und genau das ist auch das Geheimnis ihres Erfolgs.

Habring² beherrscht Uhrwerkentwicklung und Bereiche der Fertigung

So sind sie sich völlig über die Geschäftsphilosophie einig. Die lautet Unabhängigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortung gegenüber der Umwelt. Das behaupten zwar viele, doch bei den Habrings sprechen die Fakten für sich. Das mit der Unabhängigkeit haben sie mit dem eigenen Werk endgültig in trockene Tücher gebracht. Als die Swatch Group vor einigen Jahren ankündigte, nicht zum Konzern gehörende Unternehmen nicht mehr mit Eta-Werken und Teilen zu beliefern, war das für die Habrings nur noch der letzte Anstoß, sich von der Industrie völlig zu lösen.
Richard Habring, ein international sehr geschätzter Uhrenkonstrukteur, begann mit der Entwicklung von A11, Geschäftsführerin Maria Habring machte sich auf die Suche nach Herstellern, die Komponenten in Österreich herstellen können. Denn auch mit der Verantwortung gegenüber der Umwelt ist es den beiden ernst. »Je weniger Kilometer für die Herstellung einer Uhr zurückgelegt werden, desto umweltfreundlicher ist das Endprodukt.«, sagt Maria Habring. Da es keine Uhrenindustrie in Österreich gibt, kommen die Zulieferer aus ganz anderen Bereichen, wie der Automobilindustrie. »Wichtig ist für uns, dass sie in den Toleranzen fertigen können, die wir für das Uhrwerk brauchen und dass Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise erhalten werden«, erklärt Maria Habring. Die Zulieferer wiederum nutzen gern die Chance, ein weiteres Standbein aufzubauen. Selbst die Holzkisten, in denen die Uhren ausgeliefert werden, sind aus schnellwachsenden Rohstoffen in Kärnten gefertigt.

Die mechanischen Uhren von Habring² sind international bekannt

Dafür spart sich Habring² Kosten, wo es für die Marke am leichtesten zu verschmerzen ist: im Marketing. Teure Events oder Werbeauftritte von Testimonials gibt es nicht. »Wir haben auch prominente Kunden«, sagt Maria Habring, »doch die zahlen für ihre Uhr das gleiche wie alle anderen.« Für millionenschwere Werbeverträge kommen letztlich immer die Kunden auf, und Habrings sind überzeugt davon, dass dieses Konzept an seine Grenzen gelangt. Was branchenübergreifende Marktanalysen zeigen, stimmt sie zuversichtlich: Am stärksten wachsen Marken mit regionalem Bezug. Die Kundschaft ist bei Habring² allerdings international, denn der Markt für hochwertige mechanische Uhren ist in einem Land mit neun Millionen Einwohnern natürlich recht überschaubar.

Habring²-Modelle heißen Felix und Erwin

Anonym ist die Beziehung der Käufer zu Habring²-Uhren trotzdem nicht. Das liegt alleine schon daran, dass man eine Felix oder eine Erwin – so heißen zwei der Modelle – nicht im Vorübergehen kaufen kann.

»Wir haben etwa fünf Monate Lieferfrist«, erklärt Maria Habring. Die Uhren werden nur auf Bestellung gefertigt, bis auf die Exemplare, die die Händler in den USA, Japan, der Schweiz, Hongkong, Australien oder Großbritannien für die Kunden im Geschäft am Lager haben. »Dafür ist unser After-Sales-Service etwas ganz anderes als bei den großen Marken«, sagt Maria Habring nicht ohne Stolz.

Habring²: Qualitätskontrolle
Habring²: Qualitätskontrolle

Gerne würden die Habrings die Lieferfristen verkürzen oder mehr eigene Uhren bauen, aber das würde das sorgfältig austarierte und mit den Jahren erprobte Konzept infrage stellen. Das Unternehmen stellt eine kleinere Anzahl von Werken für andere Uhrenmarken her und es gibt Kooperationen in der Entwicklung von Werken und Komplikationen: »Das sind langjährige Partnerschaften, die wir gern weiter pflegen.« Um die eigene Marke stärker auszubauen, müssten die Habrings expandieren, und genau das wollen sie nicht: »Wir sind bodenständig und wollen es bleiben. Und jede Uhr muss durch unsere Hände gehen.« Sie bräuchten außerdem Investoren und auch das widerspricht ihrer Firmenphilosophie. »Wir sind einfach glücklich, wie es jetzt läuft«, sagen die beiden, die für ihr privates Leben keinen Luxus brauchen.

Drei »Uhren-Oskars« beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève

Pilze sammeln in der intakten Natur Kärntens, mit Freunden kochen, rudern auf der Drau, die knappe Zeit miteinander genießen – das ist ihr Glück. Wobei die in Sachsen geborene Maria Habring eine echte Social-Media-Begabung hat und auch nicht davor scheut, private Momente für das Marketing ihrer Marke zu benutzen. Warum auch nicht? Wenn man so im Reinen mit sich ist. Maßgeblich zum internationalen Bekanntheitsgrad der Marke hat beigetragen, dass Habring²-Modelle dreimal in Folge mit dem Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnet wurden: Felix mit dem A11, die Springende Sekunde Pilot und der Schleppzeiger-Chronograph Doppel 2.0. Bei den »Uhren-Oskars« auf der Bühne zu stehen, vor einem Saal voller Uhrenjournalisten und Experten, das ist etwas Besonderes. Mit dem Modell Erwin mit springender Sekunde, will Habring² erneut international auf sich aufmerksam machen. Es ist also nicht so, dass sich die beiden in Kärnten verkriechen. Aber dort haben sie zur Ruhe gefunden. »Es ist ja eigentlich Irrsinn, was wir hier machen«, sagt Richard Habring lachend. Aber ein Irrsinn, der gut funktioniert. Katrin Nikolaus/MaRi 

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