Interview: Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin über neue Kundenbedürfnisse

"Die Menschen kaufen weniger, aber teurer"

Wir sprachen mit dem Bulgari-Chef über Luxuskäufe nach Corona, neue Kundenbedürfnisse und Mickymaus.

Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin
Bulgari-Chef: Jean-Christophe Babin

Wir haben zwei Jahre COVID hinter uns. Welche Veränderungen hat diese Krise für die Luxus- und Uhrenindustrie mit sich gebracht?
Erfreulich ist, dass sich die Uhrenindustrie schnell wieder erholt hat: Die Schweizer Uhrenexporte lagen im Juli 2021 ungefähr auf dem Niveau von Juli 2019. Das ist bemerkenswert, weil ja der Umsatz mit Touristen nach wie vor fehlt. Durch die Pandemie hat sich der E-Commerce viel schneller entwickelt als geplant, und die Marken konzentrieren sich stärker auf die lokalen Kunden. Es gibt heute weniger Menschen, die Luxusuhren kaufen, aber wenn, kaufen sie teurere Produkte.

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Können Sie ein Beispiel geben?
Jemand, der sich vorher eine Bicolor-Uhr gekauft hätte, gönnt sich jetzt eher eine Massivgolduhr.

Inwieweit hat das mit COVID zu tun?
Durch die Pandemie haben viele Menschen ihre Einstellung zum Leben und zum Genuss verändert. Außerdem interessieren sich immer mehr Menschen dafür, ob ein Unternehmen seine Mitarbeiter fair behandelt und ob es beim Einkauf von Gold und Diamanten auf Nachhaltigkeit achtet.

Betrifft das vor allem jüngere Käufer?
Es begann mit den Millennials. Aber mittlerweile geht es über diese hinaus. Die Verkäuferinnen und Verkäufer in unseren Boutiquen hören immer häufiger Fragen wie: Warum habt ihr so viel Licht in euren Stores? Darauf antworten sie: Wir brauchen viel Licht, damit die Diamanten richtig zur Geltung kommen, aber wir sparen im Vergleich zu vor fünf Jahren 80 Prozent an Energie ein, weil wir die gesamte Lichttechnologie verändert haben.

2020 haben Sie die Bulgari Aluminium wieder eingeführt. Wie wichtig ist diese Kollektion für die Marke?
Ich denke, es war ein Fehler, die Kollektion vor zwölf Jahren zu stoppen. Als ich mit Händlern und Endkunden sprach, fanden es alle schade, dass es die Aluminium nicht mehr gab. 2020 haben wir die Linie wieder eingeführt: mit 41 Millimetern Durchmesser größer als zuvor, nur mit Automatikwerken, dazu mit einem Aluminium in höherer Qualität und Bändern aus besserem Kautschuk. Nach einem Chronographen und zwei Dreizeigeruhren folgt in diesem Jahr die GMT.

Bulgari: Aluminium GMT
Bulgari: Aluminium GMT

Inwiefern sind Aluminium und Kautschuk besser?
Kautschukarten höherer Qualität sind weicher und behalten ihre Geschmeidigkeit länger als andere. Das Aluminium haben wir gehärtet, sodass es jetzt resistenter gegen Kratzer ist.

Seit drei Jahren gibt es wieder Uhren unter dem Label Gerald Genta, integriert in Bulgari. Im September 2021 haben Sie eine neue Mickymaus-Uhr vorgestellt.
Gerald Genta hat mit dem Arena-Gehäuse ein einzigartiges Gehäuse und mit der retrograden Anzeige ein einzigartiges Werk. Dieses werden wir deswegen auch nicht mehr bei Bulgari einsetzen. Ich sehe für Gerald Genta zwei Möglichkeiten: Wir können in die klassische Richtung gehen wiebeim Titanmodell von 2020 oder etwas spielerischer und cooler sein, indem wir Walt Disney-Charaktere einsetzen.

Bulgari: Gerald Genta Arena retrograde Mickey Mouse
Bulgari: Gerald Genta Arena retrograde Mickey Mouse

Wie geht es mit der Octo Finissimo nach den sieben ultraflachen Weltrekorduhren weiter?
Wir wollen sie mainstreamiger machen, indem wir klassischere Materialien wie Stahl, Gold und Bicolor verwenden. Dazu werden wir versuchen, die Uhr nochmals dünner zu gestalten, soweit das technisch und ästhetisch möglich ist. Ob das nächste Produkt schon 2022 auf den Markt kommt, kann ich aber noch nicht sagen.

Interview: Rüdiger Bucher

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