Interview: CEO Gautier Massonneau über das Uhren-Design von Trilobe

Die Uhr als Kunstobjekt

Er suchte eine Uhr für sich und fand nicht das, was ihm vorschwebte. Also beschloss der 1990 geborene Gautier Massonneau, diese Uhr selbst zu entwickeln. Aus diesem Plan ist die Uhrenmarke Trilobe geworden.

Gautier Massonneau: CEO Trilobe
Gautier Massonneau: CEO Trilobe

Der Weg zur Uhr

Ich habe keine uhrmacherische, sondern eine mathematische Ausbildung. Zur Uhrmacherei bin ich über die Architektur gekommen. Meine Eltern sind Architekten und Designer, daher ist mir dieses Milieu vertraut. Von dort aus habe ich die Uhrenwelt entdeckt. Ich suchte eine Uhr, die anders und einzigartig ist und einen vertretbaren Preis hat; die habe ich nicht gefunden. Also habe ich mir gesagt: Ich werde versuchen, diese Uhr selbst herzustellen.

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Am Anfang wollte ich alles allein machen, aber das war komplizierter als erwartet. Ich habe mich an Spezialisten in der Schweiz gewandt, um mit ihnen meine Idee zu realisieren. Ich wollte, dass man die Zeit anders liest, als man es seit Jahrhunderten tut – mit den Zeigern, die sich drehen, und der Stunde, die feststeht. Bei Trilobe ist es genau andersherum: Wir fixieren den Zeiger, in unserem Fall den Dreipass (auf Französisch Trilobe; Anm. d. Red.), ein architektonisches Motiv, das man durch verschiedene Epochen hindurch findet. Der steht fest, während sich die Zeit in Form von Skalenringen in ständiger Bewegung befindet.

Die befreite Zeit

Unsere Philosophie lautet “die befreite Zeit”, denn im physikalischen Sinne ist die Zeit befreit: Sie ist dauernd in Bewegung. Gleichzeitig verlangen wir von den Trägern unserer Uhren, dass sie ein bisschen von ihrer Zeit freimachen. Sie brauchen vielleicht eine Viertelsekunde länger, um die Zeit von unseren Modellen abzulesen. Für mich besteht der wahre Luxus heute genau darin: sich Zeit zu nehmen. Unsere Uhren sind eine kleine Einladung dazu.

Jung und kreativ

Trilobe wurde im Dezember 2018 nach drei Jahren Forschung und Entwicklung gegründet. Der Firmensitz ist in Paris, die Uhrenfabrikation allerdings im Kanton Neuchâtel. Wir sind eine junge Marke mit einem kleinen und kreativen Team von acht Leuten. Unser Anliegen ist es, an der DNA unserer Marke zu arbeiten, die aus der Begeisterung für Kunst und Architektur besteht.

Trilobe: Les Matinaux
Trilobe: Les Matinaux

Drei Kollektionen von Trilobe

Wir sind stolz auf das, was wir bisher erreicht haben. Wir haben unsere erste Kollektion herausgebracht: “Les Matinaux” mit drei exzentrischen Ringen – denn wir haben eine exzentrische Vision der Dinge, wir sind keine Utilitaristen. Wir haben eine besondere Herangehensweise ans Design.

Bei der digitalen Uhrenmesse Watches & Wonders konnten wir unsere zweite Kollektion “Nuit fantastique” vorstellen. Sie ist ganz anders als die erste. Auch hier gibt es die Idee der Zeit, die sich bewegt, mit den sich drehenden Ringen für Stunde, Minute und Sekunde. Sie laufen in einem Fenster auf dem Zifferblatt, das sich in seiner uhrmacherischen Anmutung sehr stark unterscheidet von der puristischen Fläche, die den Rest des Zifferblatts bildet. Ich habe einige Zeit in Japan verbracht, die mich geprägt hat. Ich glaube, wenn man leeren, freien Raum schafft, schafft man Schönheit.

Außerdem haben wir seit einigen Monaten die Kollektion “Secret” im Programm. Die Idee dabei ist, dass uns jeder Kunde ein Datum mit Uhrzeit und Ort aus seinem Leben nennt, das sehr wichtig für ihn war. Auf dem Zifferblatt zeigen wir die Himmelskonstellation genau dieses Moments. Auf diese Weise wird jedes Stück zum Einzelstück. Meiner Vorstellung nach soll Luxus sich um den Kunden drehen, er soll für einen selbst sein und nicht für irgendwen.

Trilobe: Nuit fantastique
Schönheit durch freien Raum: die 2021 lancierte “Nuit fantastique”

Ein Design-Kaliber

Die Uhrendesigns stammen von mir. Ich arbeite meine Ideen mit Papier und Bleistift aus, mache sehr viele Zeichnungen. Dann beginnen wir, daraus Modelle zu entwickeln, und wenden uns an unsere Partnermanufakturen. Zwischen der kreativen und der technischen Seite gibt es von da ab ein langes Hin und Her. Auch für das Design unserer Werke bin ich zuständig. Wir haben nur eigene Kaliber, die unsere Partnermanufaktur Le Cercle du Horloger für uns fertigt. Unser Kaliber “X-Centric” hat eine architektonische Ausrichtung; ich denke da an die geraden Linien brutalistischer Bauwerke. Normalerweise sind die Elemente eines Uhrwerks ein wenig über den Raum verteilt; unseres ist sehr streng gegliedert. Die Finissage erfolgt dabei nach uhrmacherischen Gesichtspunkten.

Architektonische Ausrichtung: das Kaliber X-Centric
Architektonische Ausrichtung: das Kaliber X-Centric

Die Uhr als Kunstobjekt

Es sind unzählige wunderbare Uhren mit Zeigern gemacht worden, aber ich fand es interessanter, ein neues Feld zu erforschen. Man kauft keine Uhr, um die Zeit davon abzulesen. Für mich ist die Uhr vor allem ein Kunstwerk, ein Objekt, das man gern trägt. Natürlich muss sie die Zeit anzeigen, und sie muss es sehr präzise tun, aber das ist fast sekundär. Deswegen ist es für mich wichtig, von den funktionalen, technischen Zeigern wegzukommen und etwas anderes auszuprobieren.

Zauber

Mit einer Trilobe-Uhr möchte man sich selbst eine Freude machen. Es ist eine Uhr, die gleichzeitig eine Geschichte erzählt und über die man eine Geschichte erzählen kann. Egal, um welche unserer Kollektionen es sich handelt: Sie haben ein ganz eigenes Gesicht. Das Design ist dabei der erste Gesichtspunkt, aber hinter dem entdeckt man eine hervorragende Technik mit eigenem Werk, 200 Komponenten, einem Mikrorotor. Für mich allerdings steht die Technik im Dienst der Kreativität. Die Idee von Trilobe ist es, die Zeit wieder zu verzaubern. mbe

Produkt: Download: Zenith Defy Extreme im Test
Download: Zenith Defy Extreme im Test
Die Defy Extreme von Zenith besticht durch einen Hundertstelsekunden-Chronographen und viele hochwertige Details. Chronos hat die Uhr ausführlich getestet.

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