Interview: IWC-CEO Grainger-Herr über Boutiquen und neue Modelle

Was die neue Münchner IWC-Boutique besonders macht und wie es mit Ingenieur, Da Vinci und Aquatimer weitergeht

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 12. Juli 2017

Christoph Grainger-Herr ist seit dem 1. April 2017 neuer CEO von IWC. Rüdiger Bucher, Chefredakteur der Chronos, sprach mit ihm anlässlich der Eröffnung des Münchner Flagship-Stores über den besonderen Charme einer eigenen Boutique und über die aktuelle Modellpolitik.

IWC-Chef Christoph Grainger-Herr
IWC-Chef Christoph Grainger-Herr

Herr Grainger-Herr, Sie haben Ende Juni in München eine große, beeindruckende Boutique eröffnet. Welchen Stellenwert hat dieses Geschäft für Sie? Für uns ist es wichtig, in den 50 wichtigsten Luxuszentren der Welt an sehr guten Lagen vertreten zu sein. In den Boutiquen können unsere Kunden das Wertesystem, das wir als Marke abgeben, vor Ort physisch erleben. Das ist heute im Vergleich mit allen anderen Verkaufspunkten die wichtigste Aufgabe der Boutiquen.

Es ist die zweite IWC-Boutique in Deutschland nach Frankfurt. Wo sind die Unterschiede? Die Münchner Boutique ist größer und von der Kategorie her ein Flagship-Store. Ihre Einrichtung ist stärker individualisiert als jene in Frankfurt und nimmt auch mehr lokale Bezüge auf. Was das Interieur angeht, sollen unsere viel reisenden Kunden nicht in jeder Boutique das Gleiche sehen. Insofern gibt es immer auch Elemente, die auf die jeweilige Stadt eingehen, während das Grundmobiliar immer gleich ist. Hier in München sehen Sie deshalb Bezüge zu den typischen Münchner Herrenhäusern. Es gibt viel Weißputz, einen historischen Kachelofen und sogar eine Bar mit frisch gezapftem Bier. Wir haben Zitate integriert, welche die Boutique klar in München verorten.

Was erwartet ein Kunde von einer Boutique? Hier ist nichts auf den schnellen Verkauf ausgerichtet. Vielmehr wollen wir Erfahrungen bieten, einen unmittelbaren Kontakt zur Marke. Es ist sozusagen das Gegenteil einer Flughafen-Boutique wie beispielsweise in Hongkong. Dort gibt es Kunden, die sich bildlich gesprochen auf den letzten Metern ihrer Kaufentscheidung befinden. Die kommen in unsere Boutique mit wenig Zeit und einem klaren Bild davon, was sie kaufen wollen. In einer Boutique wie hier in München oder jener am Rodeo Drive in Los Angeles gehen wir vielmehr davon aus, dass wir zunächst einmal interessierte Blicke anziehen. Und dann dauert es vielleicht vier oder fünf Besuche, meist auch über mehrere Monate, bis der Kunde sich für eine bestimmte Uhr entscheidet.

Die IWC-Boutique in der Münchner Residenzstraße
Die IWC-Boutique in der Münchner Residenzstraße

Welche Gruppe Menschen sprechen Sie mit Ihren Boutique-Konzepten an? Wir sind eine Marke für ambitionierte Menschen, die auf dem Weg sind und die sich als Meilenstein in ihrer eigenen Erfolgsgeschichte eine IWC gönnen. Das betrifft stark die Altersgruppe zwischen Mitte 30 und Anfang 40, in manchen Teilen der Welt aber auch jüngere Menschen. Grundsätzlich ist die Gruppe aber sehr breit.

Wird der Vertriebskanal eigene Boutique wichtiger werden als der klassische Fachhandel? Wir sind auf beides angewiesen. In der Flächenabdeckung werden unsere eigenen Standorte auch in nächster Zeit nicht den Fachhandel übertreffen. Wir brauchen die richtige Balance. Der klassische Fachhandel ist enorm wichtig für IWC. Gleichzeitig müssen sich die Konzessionäre auf ihren digitalen Vertriebskanälen und mit ihren Marketingkonzepten weiterentwickeln, um ihren Kunden eine einzigartige Erfahrung zu bieten. Wir sehen momentan, dass viele unserer Partner mit Online-Angeboten ihre eigenen Wege gehen. Das unterstützen wir aktiv. Viele Ketten entwickeln sich international weiter. Auch das unterstützen wir.

Sie bringen für die Münchner Boutique eine Special Edition in Form des bekannten Schleppzeiger-Chronographen, bei IWC Doppelchronograph genannt. Diesen gibt es aber nicht in der regulären Kollektion. Warum nicht? Bei Uhren mit bestimmten Funktionen wie etwa einem Handaufzug oder Rattrapante-Mechanismus (die französische Bezeichnung für Schleppzeiger-Chronograph, Anmerkung der Redaktion) haben wir bemerkt, dass sie gut funktionieren, wenn sie limitiert sind. In der Standardkollektion haben sie jedoch weniger kommerzielle Relevanz. Mit einem Storytelling, einem Ortsbezug und einem besonderen Design werden diese Uhren deutlich attraktiver.

Wie geht es mit der Linie Ingenieur weiter? Sie haben im Laufe des letzten Jahres mehrere Limited Editions gebracht, angefangen von der Rudolf Caracciola bis hin zur 50 Jahre Mercedes-AMG. Alle haben nicht mehr das typische Gérald-Genta-Design mit den fünf Aussparungen auf der Lünette. Geht die Ingenieur jetzt komplett in diese neue Richtung? In dieser Designsprache, die aus der Mitte der 1950er-Jahre stammt, ist die Ingenieur weniger eine Toolwatch, sondern vielmehr sportlich-klassisch-elegant. Die neuen Uhren sind flacher und haben auch moderatere Durchmesser als die Ingenieur-Modelle davor.

Das neue Gesicht der IWC Ingenieur: Ingenieur Automatic in Stahl, 5.950 Euro
Das neue Gesicht der IWC Ingenieur: Ingenieur Automatic in Stahl, 5.950 Euro

Was ist der Grund für diese Veränderung? Wir wollen auch auf der Ingenieur-Linie ein Design anbieten, das einer Uhr entspricht, die man jeden Tag tragen kann. Wir haben bemerkt, dass unsere internationale Kundschaft dies immer stärker nachfragt, während die typische Toolwatch ein kleineres Segment auf dem Markt darstellt. Zweitens wollen wir die Konsistenz innerhalb unserer Kollektion erhöhen. Das heißt, dass alle IWC-Modelle zueinander passen und sich gut ergänzen sollen. Das muss aber nicht heißen, dass wir nie mehr eine Ingenieur im Genta-Design bringen. Auch bei der Ingenieur wollen wir neben der Standardkollektion weiterhin interessante Sondereditionen lancieren, die ein ähnliches Prinzip verfolgen wie etwa bei den Fliegeruhren, wo wir von Saint Exupérys “Le Petit Prince” bis zu den Top-Gun-Editionen einen großen Bogen von klassisch-poetischem bis zu dezidiert sportlichem Design schlagen.

Welche Erfahrung haben Sie mit der neuen Da Vinci seit ihrer Vorstellung Anfang des Jahres gemacht? Funktioniert sie besser als Damenuhr oder als Herrenuhr? Wenn man im Damensegment ein neues Design lanciert, dauert es immer etwa ein Jahr, bis sich die Formensprache voll etabliert hat. Das war auch bei der Portofino so. Wir sehen auf der Da Vinci zwei Schwerpunkte. Zum einen das etwas formalere Damensegment: Uhren mit einer Gehäusegröße von 36 Millimetern, mit und ohne Edelsteine, mit Mondphasenanzeige und mit verschiedenfarbigen Bändern. Hier wollen wir mit Designs von formal bis sportlich mittelfristig stark werden. Als zweiten Schwerpunkt in der Da-Vinci-Familie haben wir die Herrenkomplikationen, die direkt an die 1985er-Da-Vinci mit der runden Form und dem ewigen Kalender von Kurt Klaus anknüpfen. Sie fügen sich gut in die heutige Gesamtkollektion ein. Gerade der ewige Kalender und der Laureus-Chronograph haben ein sehr positives Feedback erfahren.

Die neue IWC Da Vinci Automatic im 40-mm-Gehäuse
Die neue IWC Da Vinci Automatic im 40-mm-Gehäuse

Wie wird es bei der Aquatimer weitergehen? Hier gilt ein ähnliches Prinzip wie bei der Ingenieur: Wir wollen eine Sportuhr im Portfolio haben, die alle sportlichen Ansprüche erfüllt, die aber zu jeder Situation tragbar ist – auch zum Anzug. Da kommt die Aquatimer ursprünglich auch her. Sie ist eine sportlich-funktionale Uhr, die man jeden Tag tragen kann.

Wo liegt die Einstiegspreislage von IWC? Im Moment bei 4.500 Franken. Das sind Automatik-Dreizeigeruhren ohne Datum in der Portofino-Linie oder Fliegeruhren wie die Pilot’s Watch Mark XVIII oder die Pilot’s Watch Automatic 36.

Einstiegspreislage bei IWC: Fliegeruhr Mark XVIII in Stahl, 4.490 Euro
Einstiegspreislage bei IWC: Fliegeruhr Mark XVIII in Stahl, 4.490 Euro

Halten Sie an diesen Einstiegspreislagen fest? Ja. Wir versuchen generell, ein Preisgefüge zu bieten, das konsistent und zuverlässig ist. So hat der Kunde Zugang zur Marke IWC und kann sich entwickeln.

Welches sind Ihre erfolgreichsten Linien? Wir nennen das “die drei P”: Piloten, Portugieser, Portofino. Welche von diesen drei am erfolgreichsten ist, ist regional jedoch sehr unterschiedlich. In Westeuropa ist die Portugieser traditionell die stärkste Linie. In Asien haben wir vielerorts große Erfolge mit der Portofino. Seit letztem Jahr sehen wir, dass die Pilot’s Watches sich auch sehr gut entwickeln, weil wir auch da wieder das Zusammenspiel haben von einem klassisch-zeitlosen Design, interessanter Modellpolitik und einem guten Preis. buc [1379]

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