Interview: Juwelier Mühlbacher aus Regensburg über Handaufzugsuhren

Angelegenheit des Herzens

Im Jahr 1905 gründete Markus Mühlbacher in der Ludwigstraße 1 in Regensburg ein Geschäft mit dem Ziel, Juwelierskunst nach eigenen Entwürfen zu fertigen und Uhren in handwerklicher Perfektion zu reparieren. Das war der Grundstein des Hauses Mühlbacher, das heute in vierter Generation von den Urenkeln Markus und Andreas Mühlbacher mit der gleichen Leidenschaft und Expertise geführt wird. Heute wie damals ist man stolz, viele weltweit renommierte Uhrenmarken und erlesenen Schmuck anbieten zu können.

Markus Mühlbacher
Markus Mühlbacher leitet gemeinsam mit Andreas Mühlbacher das Regensburger Traditionshaus.

Handaufzug versus Automatik – worin liegen aus Ihrer Sicht die Vorzüge und was sind jeweils die Nachteile?
Aus technischer Sicht gewinnt das Duell sicher die Automatik. Die Tatsache, dass eine Uhr vermag, sich selbst aufzuziehen, macht beispielsweise den Umgang mit Komplikationen für den Uhrenliebhaber sehr unkompliziert. Der Träger von Automatikuhren darf sich außerdem über ein breites Angebot an Bewegern freuen. Wenn das Herz entscheiden darf, sehe ich den Vergleich etwas anders. Am einfachsten lässt sich dies wie folgt durch eine klassische Beratungssituation erklären: Ein technikaffiner Uhrenkunde mag alles über seine Traum-Uhr gelesen haben. Er kennt deren Geschichte, weiß genauestens über das Werk und dessen Funktionen Bescheid. Wenn er aber das erste Mal an der Krone dreht, wird die Beratung emotional, immer. Die Frage nach den Vorzügen und Nachteilen ist wie so oft auch eine Frage des Blickwinkels. Aus meinem Blickwinkel ein klares Remis.

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Welches sind die beliebtesten Modelle mit Handaufzug in Ihrem Sortiment?
Die IWC hat mit der Portofino Referenz 5101 ein sehr beliebtes Modell im Programm. Die Portofino weiß mit ihrem aufregend schlichten Design, dem Acht-Tage-Handaufzugwerk aus eigener Produktion sowie einer praktischen Gangreservenanzeige zu überzeugen. Panerai liefert eine ganze Reihe solider Manufakturkostbarkeiten mit haptischem Erlebnispotential und ungebrochen großem Anklang. Gern angesehen, aber seltener mitgenommen werden dagegen die filigranen Stabwerk-Modelle von Corum. Die Golden Bridge begeistert technisch genauso wie ästhetisch, bleibt aber ein »Sonderling«.

Welches ist die technisch komplexeste Uhr mit Handaufzug in Ihrem Angebot?
Bei Patek Philippe wird jeder, der die Grenzen des Machbaren sucht, fündig. Einmal mehr und besonders eindrucksvoll zeugt davon die Referenz 5316P. Eine Grande Complication mit Minutenrepetition, Tourbillon, Ewigem Kalender und retrogeradem Datum. Beeindruckend ist nicht »nur« das, was sie kann – atemberaubend ist, wie all das umgesetzt wurde.

Gibt es Kunden, die gezielt nach Uhren mit Handaufzug fragen?
Selbstverständlich. Meistens allerdings handelt es sich hierbei nicht um Erstkäufer. Die meisten sind erfahren und haben bereits ein bestimmtes Modell für sich entdeckt.

Haben Sie eine persönliche Lieblingsuhr mit Handaufzug?
Alle meine Uhren sind Lieblingsuhren. Meine Patek Philippe Referenz 2406 von 1950 ist für mich mehr als das. Sie ist ein Stück Geschichte meiner Familie und damit auch irgendwie ein Stück von mir. Auch wenn sie viel zu selten getragen wird. Wenn ich sie aufziehe und die Zeiger in Stellung bringe, hat das etwas Entschleunigendes und Feierliches – und ich nehme mir gerne dafür Zeit. sz

Produkt: Sonderheft Chronos Special Design 2020/2021
Sonderheft Chronos Special Design 2020/2021
FORTIS +++ IWC PORTUGIESER +++ FLANKENGÖTTER +++ ROLEX SUBMARINER +++ RETRO-DESIGN

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