Konsequent unkonventionell: Yvan Arpa über seine Uhrenmarke Artya

Die ausgefallenen Uhren von Artya und das Konzept der Marke

Maria-Bettina Eich
von Maria-Bettina Eich
am 22. Oktober 2017

Ursprünglich war Yvan Arpa Mathematiker; heute führt er mit Artya eine der unkonventionellsten ­Uhrenmarken der Schweiz. Doch auch, wenn seine Entwürfe für Artya oft sehr spektakulär ­daherkommen, sieht Arpa die Uhr von einer philosophischen Seite. In unserem Gespräch erzählt er, wie Papua-Neuguinea, Werwölfe und Russisches Roulette ihn und seine Uhren beeinflusst haben.

Multitalent: Uhrendesigner und Artya-Chef Yvan Arpa
Multitalent: Uhrendesigner und Artya-Chef Yvan Arpa

Von der Mathematik zur Uhr

„Die Mathematik ist von einer wunderbaren Universalität, denn auf jede präzise Frage existiert die exakte Antwort. Das gibt Sicherheit. All das ist nicht mehr der Fall, wenn man in die emotionale Welt der Uhrmacherei eintritt. Bei jedem Entwurf entstehen emotionale Herausforderungen. Für mich war es nach den exakten Wissenschaften fast ein Bedürfnis, mich diesen emotionalen Dingen zuzuwenden.”

Artya: Son of Earth Butterfly Pasionaria Tourbillon
Artya: Son of Earth Butterfly Pasionaria Tourbillon

Werdegang von Yvan Arpa

„Ich hatte meinen Abschluss in Mathematik, dann habe ich Papua-Neuguinea durchquert. Während dieser Reise konnte ich viel nachdenken und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich für ein schweizerisches Produkt arbeiten wollte. Ich bin schweizerisch-italienischer Herkunft. Die Uhren waren ein außergewöhnliches Universum, über das ich am ­Anfang wenig wusste. Zunächst habe ich für die Uhrenmarke Sector im Bereich des Marketing gearbeitet, der mit seinen Marktanalysen nicht allzu weit von der Mathematik entfernt war. Danach hatte ich das Glück, zu Richemont zu kommen und dort direkt an dem Produkt Uhr zu arbeiten. Später arbeitete ich für Hublot und Romain Jerome; schließlich gründete ich Artya.”

Das Markenkonzept von Artya

„Artya ist eine Geschichte von Leidenschaft und Liebe. Wir arbeiten langfristig; wir machen nicht einfach ein Produkt, um es zu verkaufen, sondern weil es für uns wichtig ist und uns Freude macht. Unsere Marke ist jetzt zehn Jahre alt, und wir waren die Ersten, die zeitgenössische Kunst mit der Uhrmacherei verbanden. Wir haben heute acht Kollektionen – von der Haute Horlogerie bis zu den provokanten Stücken, die zum Beispiel echte Gewehrkugeln enthalten. Ich bin stolz, sagen zu können: Man kann Artya nicht mehr übersehen, wenn man eine Uhr kaufen will, die klassisch, provokant, rockig und konzeptuell ist.”

Artya: Russian Roulette Desert Eagle Engraved
Artya: Russian Roulette Desert Eagle Engraved

Was ist die Leitidee von Artya?

„Unsere Leitidee ist sehr einfach; sie heißt: über das Alltägliche staunen. Die Strukturen des heutigen Lebens führen dazu, dass die Menschen immer ­weniger staunen. Wir versuchen, uns das Staunen zu erhalten – über alles. Ich freue mich, wenn ein Mitbewerber etwas Spannendes macht, ich freue mich über eine Blume, die aufblüht oder verwelkt, über Getreidefelder. All das sind Stimuli für die Kreation, es sind Akte der Positivität. Nicht alles ist rosig, aber wir versuchen, so zu tun als ob!”

Die Motivwelt der Uhrenmarke

„Manche Leute finden unsere Motive dunkel, aber ich habe dazu eine andere Einstellung. Das ist fast philosophisch: Die Uhr ist mit der Zeit verbunden – mit der Zeit, die uns auf Erden bleibt. Für mich ist das sehr wichtig. Man muss seine Zeit kennen! Darum geht es beispielsweise auch beim Russischen Roulette. Es ist wichtig, von dem Moment, den man hat, zu profitieren – im Sinne eines „carpe diem“. Jeder kann diese Message verstehen. Die Gothic-Welt der Drachen und Werwölfe ist natürlich auch attraktiv; es gibt weniger Konkurrenz; es ist ein spannender Kosmos mit interessanten Leuten.”

Artya: Son of a Gun Werewolf & Dragon
Artya: Son of a Gun Werewolf & Dragon

Design für andere Marken

„Ich arbeite viel für andere Marken. Die Anforderungen sind immer sehr unterschiedlich. Wenn man etwas entwirft, verhält man sich fast wie ein Schauspieler, versetzt sich in die Haut eines anderen und stellt sich selbst in Frage. So war es auch, als ich für Samsung die Smartwatch Gear S3 entworfen habe. Ich habe Vorschläge gemacht, und Samsung hat sie akzeptiert.”

Welche Geschichte will Artya erzählen?

„Für mich steht das Geschichtenerzählen im Vordergrund. Seit 20 Jahren brauchen wir keine Uhren mehr, um uns die Zeit anzuzeigen; die Uhr hat eine andere Aufgabe. Eine Marke wie Rolex erzählt eine großartige Geschichte, die lautet: Wenn ich so eine Uhr trage, habe ich es weit gebracht. Aber für mich ging es um andere Storys. Ich wollte Geschichten erzählen, wie mein italienischer Vater sie mir erzählt hat, als ich klein war. Wir alle haben Sehnsucht nach Geschichten mit ihren Emotionen, wir haben das Bedürfnis, die Welt der Zahlen zu verlassen.” mbe

“Über das Alltägliche staunen”: Von der Race Blue kann man die Zeit nur dann ablesen, wenn man sie schüttelt:

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