Monsieur Roger Dubuis und seine Uhren

Der Gründer der Marke Roger Dubuis setzte von Anfang an auf eigene Uhrwerke und das Genfer Siegel

 Redaktion
von Redaktion
am 6. Juli 2017

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite legt die Marke Roger Dubuis beim Genfer Uhrensalon regelmäßig einigermaßen auffallende Auftritte hin. Besonders eindrucksvoll war der Rittersaal 2013 mit überdimensionalem Goldadler an der Decke und einem echten Vogel am Eingang. Auf der anderen Seite steht die Erscheinung von Roger Dubuis persönlich: Ein feiner älterer Herr, der dezent gekleidet mit leiser Stimme völlig unaufgeregt aus seinem Leben erzählt.

Roger Dubuis: Markengründer mit Durchhaltevermögen
Roger Dubuis: Markengründer mit Durchhaltevermögen

In einem Alter, in dem andere bereits an die Pensionierung denken, wagt Roger Dubuis mit einem Finanzpartner den Neustart. Heute ist der Uhrmacher einer der wenigen lebenden Gründer einer bekannten Uhrenmarke.

Auch heute noch scheint Roger Dubuis selbst ein wenig verwundert zu sein, was ihm im Laufe seiner langen Karriere in der Uhrenbranche alles widerfahren ist. Wobei er, das sei vorweggenommen, uneingeschränkt dankbar ist: “Ich liebe meinen Beruf und hatte das große Privileg, ihn immer ausüben zu können.” Vor 79 Jahren in einem kleinen Ort nahe des Genfer Sees als Sohn eines Schreiners geboren, kann sich Dubuis noch genau an den Tag erinnern, an dem sich sein berufliches Schicksal entschied: “Ich durfte die Kirchturmglocken läuten. Auf dem Weg nach oben kam ich am Uhrwerk der Turmuhr vorbei. Das fand ich völlig faszinierend, und kurze Zeit darauf teilte ich meinem Vater mit, dass ich nicht in seine Fußstapfen treten würde, sondern Uhrmacher lernen wollte.” Im Alter von 15 Jahren ging er auf die Uhrmacherschule in Genf. Seine wichtigste berufliche Station als Angestellter waren die 14 Jahre bei Patek Philippe, wo er in der Abteilung für Komplikationen arbeitete. “Am Anfang durfte ich dort sozusagen eine zweite Ausbildung absolvieren, das war eine sehr intensive Zeit”, erinnert er sich. Patek Philippe war damals eines der wenigen Uhrenunternehmen, die eigene Werke herstellten.

Roger Dubuis wollte immer selbständig sein

Nach der langen Zeit als Angestellter sehnte sich Dubuis nach Freiheit. Seinen Traum, sich als Uhrenkonstrukteur selbstständig zu machen, konnte er aber nicht so schnell verwirklichen. Es waren die 1970er-Jahre, und die Quarzkrise erschütterte die Schweizer Uhrenindustrie schwer. Dubuis hatte insofern Glück, in einer Galerie für antike Uhren arbeiten zu können. In den 1980ern begann er dann, seine eigenen Uhren herzustellen, ein relativ mühsamer Start: “Das war eine schwierige Zeit, die Instrumente und Maschinen hatten längst nicht den Standard wie heute, alles dauerte viel länger.” Anfang der 1990er-Jahre lernte Roger Dubuis den Uhrensammler und Unternehmer Carlos Dias kennen. “Ich war auf der Suche nach einer neuen Perspektive, um den Lebensunterhalt meiner Familien zu sichern”, erzählt Dubuis. Gemeinsam mit Finanzier Dias gründete er 1995 ein Uhrenunternehmen namens Sogem, eine Abkürzung für Société Genevoise des Montres, das 1998 umbenannt wurde und seither den Namen des kreativen Kopfes trägt.

Modern: Das Manufakturgebäude von Roger Dubuis befindet sich im Genfer Industriegebiet
Modern: Das Manufakturgebäude von Roger Dubuis befindet sich im Genfer Industriegebiet

Die ersten Uhren stattete Dubuis mit zugekauften Werken aus, die er mit Komplikationen verfeinerte. “Ich war das höchste Niveau der Uhrmacherkunst gewohnt und wollte mit der eigenen Marke auch ganz oben einsteigen.” So war es für Dubuis von Anfang an selbstverständlich, dass seine Uhren das Genfer Siegel tragen. Bis heute ist Roger Dubuis das einzige Unternehmen, das ausschließlich Uhren mit diesem Qualitätsmerkmal herstellt. “Man warf mir vor, dass sie wie Patek-Philippe-Uhren aussähen”, erzählt er, was ein wenig zum Schmunzeln verleitet, denn bei den aktuellen Modellen beider Marken käme wohl kaum jemand auf die Idee, sie zu verwechseln.

Nach der Quarzkrise: Roger Dubuis ist eine von wenigen Manufakturen

Im Blitztempo zogen er und sein Geschäftspartner eine eigene Manufaktur im Genfer Industriegebiet hoch. Nicht nur, dass er mit vier eigenen Werken den Markt betrat – bis dahin gab es nur gut eine Handvoll Unternehmen, die Manufakturwerke konstruierten und herstellten, alle anderen ließen sich von den Schweizer Werkeherstellern beliefern –, mit dem beeindruckenden Maschinenpark kann das Unternehmen auch 70 Prozent aller Teile selbst fertigen. Für einen unabhängigen Uhrmacher ist dies eine beispiellose Erfolgsgeschichte: “Es war schon ein komisches Gefühl, meinem Namen plötzlich am Firmensitz zu sehen, und bald hatten wir eigene Boutiquen.”

Roger Dubuis: Excalibur Spider mit fliegendem Doppeltourbillon
Roger Dubuis: Excalibur Spider mit fliegendem Doppeltourbillon

Die Schweizer Uhrenindustrie veränderte sich in den 1990er-Jahren: Erstens begannen nun auch andere Marken, eigenen Werke zu konstruieren und sich damit das Recht zu erwerben, Manufaktur genannt zu werden. Und zweitens erschien nach langem Stillstand eine Vielzahl von neuen Unternehmen. Viele nutzten alte, bekannte Markennamen, um ihnen nach der Totenstarre der Quarzkrise neues Leben einzuhauchen. Andere, wie Frédérique Constant, bauten ganz neue Marken aus dem Nichts auf – und dies in Genf, einer Stadt und Gesellschaft, die den Ruf genießt, nicht gerade offen für Neuanfänge zu sein. “Viele haben gesehen, was wir geschafft hatten und waren ermutigt, selbst neue Wege zu gehen”, sagt Dubius auf seine freundliche, bescheidene Art. Die Konkurrenz störte ihn nicht im Mindesten. Als Uhrmacher aus Leidenschaft ist er sehr erfreut darüber zu sehen, wie der Berufsstand einen neuen Aufschwung erlebt.

Extravagant: Roger Dubuis beim Genfer Uhrensalon 2015 – der Stand der Marke in ein Spinnennetz gekleidet
Extravagant: Roger Dubuis beim Genfer Uhrensalon 2015 – der Stand der Marke in ein Spinnennetz gekleidet

Bald arbeiteten über 200 Menschen bei Roger Dubuis. Der Meister engagierte sich selbst sehr stark in der Ausbildung und Qualifikation der Uhrmacher. “Ich habe gerne mit den ganz Jungen gearbeitet, denn die hatten noch keine schlechten Gewohnheiten angenommen”, erzählt er lächelnd. Bis heute geht Dubuis, der ganz in der Nähe der Manufaktur wohnt, gerne durch die Ateliers und diskutiert mit den Mitarbeitern.

Roger Dubuis: Excalibur Quatuor Cobalt MicroMelt
Roger Dubuis: Excalibur Quatuor Cobalt MicroMelt, vorgestellt beim Genfer Uhrensalon 2017

Dabei hatte er sich mit Erreichen des Rentenalters eigentlich schon zurückgezogen. Das Unternehmen war 2008 an die Richemont-Gruppe verkauft worden und stand unter neuer Führung. Viele der Standards, die der Gründer eingebracht hatte, wurden freilich beibehalten. Und so fiel es Dubuis nicht schwer, der Bitte des Konzerns nachzukommen und wieder für das Unternehmen tätig zu werden. Im Gegenteil, er freut sich sichtlich, die Rolle des Botschafters seiner eigenen Marke wahrzunehmen. Seine Frau ist bereits vor einiger Zeit – nach 53 gemeinsam verbrachten Jahren – verstorben. Die beiden Töchter sind längst erwachsen und haben eigene Kinder. Selbst die häufigen Langstreckenreisen nach Asien oder in die USA steckt der rüstige Herr sehr gut weg.

Zurückhaltend, wie Roger Dubuis nun einmal ist, mag er nicht gerne Ratschläge an die junge Generation geben, außer diesen einen: “Übt Euren Beruf mit Leidenschaft aus.”

Text: Katrin Nikolaus

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