Nicola Andreatta: „Tiffany & Co. interpretiert Luxus anders“

Über die Vergangenheit und Zukunft als Uhrenmarke

 Redaktion
von Redaktion
am 25. August 2017

Wer in die Welt der mechanischen Uhr eintauchen möchte, denkt nicht sofort an Tiffany & Co.. Vielmehr verbindet man die Marke mit Damenschmuck – vom Armband bis hin zum Mehrkaräter für den Ringfinger. Doch wussten Sie zum Beispiel, dass zwischen Tiffany & Co. und der Luxusmanufaktur Patek Philippe eine Partnerschaft bestand? Um mehr über die Uhren von Tiffany & Co. zu erfahren, sprach Melanie Feist, verantwortliche Online-Redakteurin von Watchtime.net mit Nicola Andreatta, Geschäftsführer der Uhrensparte von Tiffany & Co..

Nicola Andreatta: Vice President, General Manager, Tiffany & Co. Swiss Watches Sagl Foto: Martin Crook
Nicola Andreatta: Vice President, General Manager, Tiffany & Co. Swiss Watches Sagl Foto: Martin Crook

Watchtime.net: Tiffany & Co. ist bestens für ihren Schmuck bekannt, an Uhren denkt man nicht sofort. Wie kommt das?

Nicola Andreatta: Das ist ein europäisches Phänomen. Es liegt wohl daran, dass Tiffany & Co. ein amerikanisches Unternehmen ist, das in New York gegründet wurde. Amerikaner kennen die Geschichte von Tiffany & Co. und ihren Uhren. Neben Amerika waren jedoch auch Paris und London zwei bedeutende Standorte. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zum Beispiel im Pariser Geschäft die ersten manufakturgefertigten Taschen‐ und Broschenuhren verkauft.

Eine der ersten öffentlichen Uhren in New York: 1853 ließ Charles Lewis Tiffany eine Atlas-Figur über dem Eingang seines Geschäfts anbringen
Eine der ersten öffentlichen Uhren in New York: 1853 ließ Charles Lewis Tiffany eine Atlas-Figur über dem Eingang seines Geschäfts anbringen

Watchtime.net: Was zeichnete die frühen Uhren von Tiffany & Co. aus?

Nicola Andreatta: Tiffany & Co. schrieb auch in der Uhrenwelt Geschichte, obwohl Uhren lange Zeit nicht im Fokus der Marke standen. So stammte die erste Stoppuhr in den USA 1868 von Tiffany & Co.. 1854 ging man eine Partnerschaft mit Patek Philippe ein und wurde so zum einzigen Verkäufer von Patek‐Philippe‐Uhren in den USA. Rund 20 Jahre später eröffnete 1876 die erste Tiffany‐Werkstatt und zugleich eine der ersten Manufakturen im Zentrum von Genf. 1903 entwickelte der Tiffany‐Gemmologe George Kunz die Leuchtfarbe. Außerdem wurden zahlreiche Patente für Zeigereinstellungen, Ankerhemmungen sowie Regulatoranzeigen angemeldet.

Tiffany & Co.: Der Tiffany-Timer war 1868 die erste Stoppuhr Amerikas
Tiffany & Co.: Der Tiffany-Timer war 1868 die erste Stoppuhr Amerikas

Watchtime.net: Welche Uhrwerke setzt Tiffany & Co ein?

Nicola Andreatta: In den letzten Jahren wurde der Begriff „Manufaktur“ von vielen Marken oft nur zu Marketingzwecken verwendet. Noch vor 70 Jahren waren in der Schweiz viele kleine Firmen angesiedelt, die einzelne Komponenten für Uhren fertigten. Gewissermaßen ist das auch heute noch so. Jedes Unternehmen verfügt über spezielle Fähigkeiten und kann bestimmte Teile besonders gut fertigen. Wer selbst produziert, wird mit seiner Technik schnell an gewisse Grenzen stoßen. Wir wählen unsere Zulieferer abhängig davon aus, was genau wir benötigen. Einfache Uhrwerke, beispielsweise für Dreizeigeruhren, bezieht Tiffany & Co. von Sellita. Das Kaliber SW 200 verwenden zahlreiche Uhrenhersteller. Für dieses Werk kaufen wir auch spezielle Module von Dubois‐Dépraz, unsere Chronographenkaliber stammen La Joux‐Perret. Außerdem setzen wir Concepto‐Werke ein und Ronda liefert uns die Quarzkaliber. Für das neue Uhrenmodell, das wir Ende 2017 vorstellen, arbeitet Tiffany mit Soprod zusammen.

Tiffany & Co. CT60 Chronograph mit 42 Millimeter großem Edelstahlgehäuse für 7.350 Euro
Tiffany & Co.: CT60 Chronograph mit Chronographenkaliber von La Joux-Perret im 42 Millimeter großen Edelstahlgehäuse für 7.350 Euro

Watchtime.net: Wie viele Uhren produziert Tiffany & Co. pro Jahr?

Nicola Andreatta: Wir stellen zwischen 10.000 und 20.000 Uhren pro Jahr her und die Zahlen steigen stetig. Seit März 2016 assemblieren wir auch die Uhren selbst – an unserem Standort im südlichen Teil der Schweiz, im Kanton Tessin.

Watchtime.net: Wie viele Uhrmacher beschäftigen Sie?

Nicola Andreatta: Es ist ein kleines Team. Der Gedanke ist, zurück zur Manufakturuhr zu gelangen. Deshalb werden wir Ende dieses Jahres ein erstes hauseigenes Kaliber vorstellen.

Watchtime.net: Können Sie schon mehr darüber verraten?

Nicola Andreatta: Es handelt sich um ein sehr flaches Handaufzugskaliber, das in einer eleganten Uhr seinen ersten Auftritt haben wird. Wir werden anlässlich des 180‐jährigen Bestehens von Tiffany & Co. das Manufakturwerk in einer limitierten Sonderedition lancieren.

Tiffany & Co.: Automatikuhr East West im Edelstahlgehäuse (27,5 mal 46,5 Millimeter) für 5.200 Euro
Tiffany & Co.: Automatikuhr East West im Edelstahlgehäuse (27,5 mal 46,5 Millimeter) für 5.200 Euro

Watchtime.net: Wie teuer sind die Uhren von Tiffany & Co.?

Nicola Andreatta: In Europa liegt der Einstiegspreis bei 3.000 Euro. Die Ikone unseres Hauses ist die Atlas‐Kollektion. Diese Modelle sind auf sehr junge Kunden zugeschnitten, die bislang noch keine Berührungspunkte mit der Uhrenwelt von Tiffany hatten und sich finanziell für diese Investition noch Luft nach oben offen halten möchten.

Tiffany & Co.: Modell Atlas mit Quarzwerk im 37,5 Millimeter großen Edelstahlgehäuse für 2.450 Euro
Tiffany & Co.: Modell Atlas mit Quarzwerk im 37,5 Millimeter großen Edelstahlgehäuse für 2.450 Euro

Watchtime.net: Was hebt Tiffany & Co. von anderen Uhrenmarken ab?

Nicola Andreatta: Tiffany & Co. interpretiert Luxus anders. Wir nennen es demokratischen Luxus. Tiffany’s Kundenstamm setzt sich aus sehr jungen Menschen, aber auch aus Kunden mit immenser Lebenserfahrung zusammen. Dies ist typisch amerikanisch und fest in der Unternehmenskultur verankert. Wer ein Tiffany‐Geschäft betritt, fühlt sich sofort wertgeschätzt. Unsere Verbindung zur Schweiz und zu New York ist etwas Einzigartiges – beides ist auf den Zifferblättern vermerkt. Auch die Gestaltung ist besonders: Amerikanisches Design zeichnet sich durch klare Linien und den subtilen Einsatz von Materialien aus. Auch die Ablesbarkeit ist sehr wichtig. Im Hinblick auf die neuen Swiss‐Made‐Regeln geht Tiffany sogar noch einen Schritt weiter und bezieht 100 Prozent der Komponenten aus der Schweiz. Doch Tiffany‐Uhren werden nicht gekauft, weil alle sie kaufen. Jemand legt sich eine Uhr von Tiffany zu, weil er sie mag und weil er aus der Masse herausstechen will.

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