Swatch Group: Geschäftsbericht 2012

„Inveschtitionä“ und „Finanzzahlä“

Gisbert L. Brunner
von Gisbert L. Brunner
am 8. März 2013

Dass der Swatch-Group-CEO allen Grund zu guter Laune hat, merkte man Nick Hayek auf den ersten Blick an. Entspannt und fast schon genüsslich begrüßte er die Teilnehmer der diesjährigen Bilanzpressekonferenz am 6. März in Grenchen. Der Schalk saß ihm im Nacken, als er das schöne Wetter bedauerte, denn die Einladenden hatten im Foyer eine ganze Armada italienischer Gummistiefel bereitgestellt. Mit denen hätten die Gäste im Fall von Regen das unfertige Gelände rund um die brandneue Zifferblattfabrik trockenen Fußes besichtigen können. „Typisch Nick Hayek“ möchte man auch zur Vorlage des „Gschäftsbrichts 2012 uf Schwizerdütsch“ sagen.

Nick Hayek und Marc A. Hayek bei der Pressekonferenz zum Geschäftsbericht 2012
Nick Hayek und Marc A. Hayek bei der Pressekonferenz zum Geschäftsbericht 2012

Im opulenten Schriftwerk findet sich nicht nur ein Dialekt. Vertreten sind alle Kantone, die nicht Französisch oder Italienisch sprechen. Und die Sprache der Swatch Group findet sich natürlich auch, denn der erfolgreiche Uhren- und Zeitmessmulti, welcher einmal mehr glänzende Umsätze und Gewinne für das abgelaufene Geschäftsjahr erwirtschaftete, versteht sich schlichtweg als 27. Kanton der Eidgenossenschaft. Und Swissness wird dort groß geschrieben, wie Nick Hayek nicht nur einmal betonte.

Swiss Made

Er und seine Mitstreiter möchten, dass der Schriftzug „Swiss Made“ künftig mindestens 60 Prozent eidgenössische Wertschöpfung bedingt.

Dagegen opponieren andere, darunter der eidgenössische Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, den die Swatch Group wegen dessen Industriepolitik ebenso wie die Fédération Horlogère (FH) verlassen hat.

Entscheiden wird demnächst das Parlament. Aber der Firmenchef hat natürlich vollkommen recht, wenn er darauf verweist, dass Swatch, die Einsteiger-Uhr des Konzerns, zu 100 Prozent in der Uhr-Schweiz entsteht. Natürlich unter Einsatz eines ganzen Parks hochmoderner Maschinerie, welche die Produktion von Platinen und anderen Werkekomponenten ebenso erfasst, wie jene Zifferblätter, welche alsbald blitzschnell in der neuen Grenchener Fabrik vom Band laufen werden. Fünfzehn pro Minute sollen es eines Tages sein. Computer gestatten sehr flexibles Bedrucken.

Nicht abwegig scheint die Vision, dass sich Swatch-Liebhaber ihr gutes neues Stück irgendwann – vielleicht in gewissen Grenzen – am Computer zusammenstellen und bestellen. Argumente, die vielen automatisierten Technologien, welche auch die gesamte Werkefertigung betreffen, vernichteten Arbeitsplätze, ließ Nick Hayek nicht gelten. Er verwies darauf, dass die Umstellungs- und Innovationsprozesse viele kreative Jobs mit sich brächten. Es werde anders gearbeitet, aber engagiert arbeitende Menschen seien und blieben für die Swatch Group mit Abstand das wichtigste Kapital. Lehrlingsausbildung auf unterschiedlichsten Gebieten sei deswegen ebenso bedeutsam wie die Weiterqualifizierung der angestammten Belegschaft.

„Inveschtitionä“, wie es im Geschäftsbericht heißt, tätigt die Swatch Group derzeit und künftig in Millionenhöhe. Nick Hayek ist ganz klar ein Präzisions- und Qualitätsfetischist. Ihm, der immer wieder genießerisch an seiner Havanna zog, liegen aber auch die preiswerten Uhren sehr am Herzen.

Uhren im unteren und mittleren Preissegment

„Im unteren und mittleren Preissegment, das viele Mitbewerber längst verlassen haben, sehe ich das größte Wachstumspotenzial.“ Deshalb hat beispielsweise Walter von Kaenel, der „ungekrönte König von Saint Imier“ auch weitgehend freie Hand, die Uhrenmarke Longines weiter zu entwickeln.

Certina, Hamilton, Tissot oder Mido sollen und dürfen da nicht abseits stehen. Ausdrucksstarkes Zeichen der Inveschtitonä in preiswerte Mechanik als Grundlage bezahlbarer Uhren ist das nagelneue Automatikkaliber Eta C07.111, entwickelt von Asulab, Eta und Nivarox. Es zeichnet sich unter anderem durch ein neuartiges Assortiment aus, bei dem die Regulierung des Schwingsystems vollkommen automatisch erfolgt.

Rado zeigte eine neuartige, ganz trendgemäß sehr feminine und natürlich absolut kratzfeste Keramik-Quarzuhr ohne Krone. Das Ein- und Verstellen der Zeiger erfolgt durch zartes Streichen mit dem Finger über den linken oder rechten Gehäuserand.

Baselworld 2013

Den Clou will die Swatch in Basel landen. Präsentiert werden soll ein revolutionäres mechanisches Uhrwerk. Hiermit möchte die Swatch Group demonstrieren, dass sie durch intensive Forschung und Entwicklung zustande bringt, woran sich andere nicht wagen. Für Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Es könnte sein, dass es Ende April ein Werk zu sehen gibt, welches sich zum Selbstaufzug um die eigene Achse dreht. Aber das sind reine Vermutungen, mehr nicht.

Fakt hingegen ist, dass Nick Hayek seiner Industrie für 2013 ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent prophezeit, selbst jedoch gern deutlich besser abschneiden möchte. Fest steht aber auch, dass die Swatch Group im zurückliegenden Jahr 8,143 Milliarden Franken umsetzte und dabei operativ einen Gewinn von 1,984 Milliarden Franken erzielte.

Bei diesen Summen scheint der Erwerb von Harry Winston wie aus der Portokasse getätigt. Wie es um die Integration des Nobeljuweliers in die Swatch Group bestellt ist, mochte Nick Hayek wegen der noch laufenden Kartellverfahren nicht sagen. Auch in Sachen Werke- und Spiralenlieferung an Dritte sind die letzten Worte seitens der Behörden noch nicht gesprochen. Daher gibt es hierzu aus Grenchen nichts zu berichten. glb

 

Bestellen Sie unseren Newsletter

Was gibt's Neues auf Watchtime.net?

Damit Sie stets rund um das Thema mechanische Uhr informiert sind, gibt Ihnen der Watchtime.net-Newsletter mehrmals wöchentlich den Überblick.

Zusätzlich und nur für kurze Zeit:
Ihr 5-EUR-Gutschein!*

Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiert.**
*Mindestbestellwert 20 Euro
**Pflichtfeld
Schweizer Geheimtipps Feature-Box 2018

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 33793 Modelle von 802 Herstellern.

Datenbank-Suche