TAG Heuer: CEO Frédéric Arnault erklärt die neuen Modelle 2022

Interview zu den Neuheiten bei Aquaracer und Autavia

Auf der LVMH Watch Week im Januar 2022 zeigte TAG Heuer neue Sportuhren in den Linien Aquaracer und Autavia – letztere feiert ihr 60-jähriges Bestehen als Armbanduhr. Rüdiger Bucher sprach mit TAG-Heuer-CEO Frédéric Arnault über die Neuheiten, Veränderungen gegenüber verwandten Modellen und Bezügen zur Markenhistorie.

TAG-Heuer-CEO Frédéric Arnault
TAG-Heuer-CEO Frédéric Arnault

Herr Arnault, vor einem Jahr haben Sie die Aquaracer Professional 300 lanciert: Sie zeigte einige typische Designmerkmale wie achteckige Stundenindexe, eine von innen aufgebrachte Datumslupe und eine zwölfeckige Drehlünette mit Keramikeinlage. Mit Ausnahme der Lünettenform fehlen diese Details bei der neuen Aquaracer Professional 200. Sie kehrt zurück zu den konischen Indexen und zur Stahllünette des Vorvorgängermodells und ist zudem mit 40 statt 43 Millimetern Durchmesser kleiner. Warum dieser halbe Schritt zurück? Wir haben den Prozess des Aquaracer-Redesigns vor drei Jahren gestartet. Wir wollten eine klare Designsprache und weniger, aber stärkere Referenzen. Bei der Beschäftigung mit der Aquaracer und ihrer Geschichte stellten wir fest, dass es in dieser Linie zwei Ausprägungen gibt. Zum einen ist das die Aquaracer als Taucheruhr. Ihre historischen Wurzeln liegen in der Referenz 844 aus dem Jahr 1978. Das war die erste Taucheruhr von Heuer. Doch die Aquaracer ist nicht nur eine Taucheruhr. Sie ist genauso eine professionelle Toolwatch. Dieser zweite Aspekt ist inspiriert von der TAG Heuer Professional 2000, die in den späten neunziger Jahren auf den Markt kam. Wir haben sechs Merkmale definiert, die die Aquaracer ausmachen.

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Vergleich: TAG Heuer Aquaracer Professional 200 von 2022
Vergleich: TAG Heuer Aquaracer Professional 300 von 2021

Welche sind das? Eine einseitig drehbare Lünette, eine verschraubte Krone, eine Wasserdichtheit von mindestens 200 Metern, kratzfestes Saphirglas, Leuchtzeiger- und -indizes sowie eine doppelte Sicherheitsschließe.

Das heißt, die neue Aquaracer 200 ersetzt die Aquaracer 300 nicht, sondern beide werden nebeneinander existieren? Genau. Beide verfügen über die gleiche Gehäuseform und gehören so erkennbar zur selben Familie. Die Aquaracer Professional 200 ersetzt aber die Aquaracer 300M Calibre 5, die schon seit längerem auf dem Markt ist. Gegenüber ihr ist die Neue mit einem Durchmesser von 40 statt 41 Millimetern kleiner und mit 11,5 statt 12 Millimetern etwas flacher und somit eleganter.

TAG Heuer: Aquaracer Professional 200 mit blauem Zifferblatt
TAG Heuer: Aquaracer Professional 200 mit blauem Zifferblatt

Welche Unterschiede gibt es, neben den bereits genannten, zwischen der neuen 200er und der 300er vom letzten Jahr? Neben den Indexen ist auch der Stundenzeiger anders geformt, er ist gerade. Das Bandfinishing unterscheidet sich dahingehend, dass die Mittelteile jetzt glatt statt poliert sind. Die Schließe verfügt über eine einfachere Längenverstellung: Man kann ein zusätzliches Bandglied herausklappen, das macht sieben Millimeter aus. Bei der 300er lassen sich über zwei Drücker verschiedene Längen bis maximal 16 Millimeter anpassen. Schließlich ist auf dem Gehäuseboden statt eines Taucherhelms ein Kompass eingraviert.

Neben der Aquaracer gibt es neue Autavia-Modelle. Zuletzt hatte ich von dem Aussehen der Autavia kein klares Bild: Die Dreizeigeruhren von 2019 sahen ganz anders aus als der Chronograph von 2017. Was sind heute die Designcodes der Autavia? Es gibt viele verschiedene historische Versionen der Autavia, verschiedene Gehäuseformen und Zifferblätter. Der Chronograph von 2017 bezog sich auf ein bestimmtes historisches Modell, aber er sollte nicht das neue Gesicht der Autavia werden. Das heutige Gehäuse erinnert an eine andere historische Referenz. Das Gleiche gilt für das Panda-Zifferblatt und für die Minutenmarkierungen auf der beidseitig drehbaren Lünette, die man zur Zeitnahme verwenden kann, ohne den Chronographen zu starten. Neu ist auch das Werk: Es ist eine Variante unseres Manufakturchronographen Heuer 02, mit zusätzlicher Flybackfunktion. Die gibt es bei TAG Heuer zum ersten Mal.

Vergleich: TAG Heuer Autavia Chronometer Flyback von 2022
TAG Heuer: Autavia Automatik Calibre 5 von 2019
Vergleich: TAG Heuer Autavia Chronograph von 2017

Warum mit Flybackfunktion? Sie wurde und wird sowohl bei Autorennen wie beim Fliegen genutzt. Und Autavia ist ja ein Kunstwort, das sich aus „Automobil“ und „Aviation“, also Fliegerei, zusammensetzt. Die ersten Autavias in den 1930er Jahren waren Bordinstrumente, die sowohl in Flugzeug-Dashboards als auch in Armaturenbrettern von Autos eingesetzt wurden. 1962 kam dann die erste Autavia als Armbanduhr. Daher bringen wir zum Jubiläum diese Modelle. Ihre großen Drücker und die große Krone sind von den alten Borduhren inspiriert. Im Übrigen gibt es neben den Flybackchronographen auch eine Automatik mit GMT.

Historisch kennt man die Autavia auch als Chronograph mit GMT, also zweiter Zeitzone. Wäre das auch ein Thema für Sie? Das ist gut vorstellbar. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr.

TAG Heuer: Autavia COSC GMT
TAG Heuer: Autavia COSC GMT

Obwohl die Autavia in der Heuer-Geschichte eine wichtige Rolle spielt, ist sie als Kollektion heute nicht so wichtig wie eine Carrera oder eben die Aquaracer. Welche strategische Rolle spielt sie für die Marke? Sie haben Recht: Sie bildet strategisch keine so tragende Säule wie TAG Heuer Carrera, Aquaracer, TAG Heuer Formula 1 oder Connected. Es gibt bewusst nicht so viele Referenzen. Aber die Autavia ist ein wichtiger Modellname in unserer Geschichte und wird eine exklusive Kollektion bleiben, mit historische Heuer-Zeitmesser.

Auf der Website von TAG Heuer findet man zu einigen Modellen den Hinweis „Begrenzte Auflage“. Was bedeutet das? Damit wollen wir gegenüber unseren Kunden so transparent wie möglich sein, indem wir ihnen signalisieren, dass es bei diesem Modellen möglicherweise zu einer gewissen Wartezeit kommt. Das liegt daran, dass wir bei der Produktion an gewisse Kapazitätsgrenzen stoßen. buc

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Produkt: Download TAG Heuer Autavia Calibre 5 im Test
Download TAG Heuer Autavia Calibre 5 im Test
Die TAG Heuer Autavia verbindet Elemente verschiedener Vorgängermodelle mit modernen Details und kommt das erste Mal ohne Stoppfunktion. Das UHREN-MAGAZIN testet, ob die chronometergenaue Neuheit damit überzeugen kann.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. So, so. Begrenzte Auflage, bedeutet Wartezeit, bedeutet begrenzte Kapazitäten – von welchem Hersteller ich diese Argumentation bereits schon kenne?!
    Begrenzte Ressourcen, begrenzte Kapazitäten- Gewinne? Nö, eher unbegrenzt und stark steigend.
    Ich halte dieses Argument für eine Marketingstrategie, da wir ja alle wissen, was begrenzt ist, erfährt eine höhere Begehrtheit und somit wird es auch leichter den UVP ohne Nachlässe durchzusetzen.
    Dazu passt es dann, wenn bestimmte Modelle vorwiegend, teilweise sogar ausschließlich nur noch über grosse Konzessionäre/ Ketten verkauft werden, denen es aufgrund des dicken Rolex Polsters egal sein dürfte, ob sie nun diese Uhren verkaufen, oder nicht.
    Positiver zusätzlicher Effekt für den Hersteller, es entsteht tatsächlich der Eindruck, dass bestimmte Modelle nur noch schwer zu bekommen sind, weil begehrt und die Kapazitäten so begrenzt sind…
    Ich beobachte hier eine Marktkonzentration, die natürlich nicht nur TagHeuer betrifft.
    Daher sollte der, der langfristig denkt, immer beim kleineren Konzessionär kaufen.
    Bisher waren mir TagHeuer Uhren immer sympathisch, sind doch zwei Uhren vorhanden.
    Mit dieser neuen „Transparenz“ mache ich mich doch lieber zukünftig auf, mal andere Hersteller anzuschauen, obwohl die Uhren optisch gelungen sind. Bis auf den schwarzen Rotor beim Autavia Chrongraphen.

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