Van Cleef & Arpels: Interview mit CEO Nicolas Bos

Poetische Komplikationen

Im Herbst 2017 eröffnete Van Cleef & Arpels in München die erste Boutique in Deutschland. Und auf der SIHH 2018 zündete die Pariser Luxusmarke ein Feuerwerk an ästhetischen wie technischen Überraschungen. Aus diesem Anlass sprach Chronos-Autorin Maria-Bettina Eich mit CEO und Kreativdirektor Nicolas Bos.

Nicolas Bos, CEO von Van Cleef & Arpels
Nicolas Bos, CEO von Van Cleef & Arpels

Wie würden Sie die Marke Van Cleef & Arpels jemandem erklären, der nicht mehr als ihren Namen kennt?
Van Cleef & Arpels ist eines der großen Häuser in der Welt der Juwelierkunst – was das Können ebenso wie das Design angeht. Wir haben eine sehr ­feminine Vision, unsere Inspirationen kommen oft aus der Natur, aus der Welt des Balletts, des Tanzes – wir versuchen, die Ideen von Bewegung, Eleganz und Leichtigkeit einzufangen; oft in einer figurativen, dekorativen Herangehensweise. Wir entwerfen Stücke, die ­unverkennbar sind im Design, sehr kostbar, sehr spielerisch, poetisch und narrativ.

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Ihre Uhrenlinie Pierre Arpels wendet sich dabei an Herren.
Das stimmt, aber in meinen Augen verkörpert sie dennoch dieselben Werte wie alle anderen Kreationen der Marke. Pierre Arpels gehört nicht zu den sehr technischen oder sportiven Herrenuhrenlinien; unsere Vorstellung von Maskulinität drückt sich eher durch zurückhaltende Eleganz, Finesse und Leichtigkeit aus.

Van Cleef & Arpels: Midnight Zodiac Lumineux; Modell Fische
Van Cleef & Arpels: Midnight Zodiac Lumineux; Modell Fische

Sie haben Ihre Uhrenfertigung in Genf. Wie sieht es aus, wenn Sie eine neue Komplikation entwickeln?
Das hängt vom Projekt ab. Wir arbeiten für jede einzelne Kreation mit Projektteams. Wenn wir eine poetische Komplikation entwickeln, sind viele Berufe gefragt. Das Projektteam arbeitet mit Uhrmachern, Technikern, Zifferblatt- und Gehäusespezialisten, Emailkünstlern. Bei der Entwicklung der Komplikationen arbeiten wir entweder mit unserem eigenen Team oder mit Externen wie Jean-Marc Wiederrecht, mit dem wir vieles zusammen entwickelt haben, oder Christiaan van der Klaauw, mit dem wir die Planetariumsuhr gemacht haben. Wir gehen immer von einer Geschichte, von einer Zeichnung aus; dann suchen wir die Talente, die wir dafür brauchen – im eigenen Haus und außerhalb. Wir können nicht überall die Besten sein, aber wir hoffen, dass unsere Projekte interessant genug sind, um die jeweils Besten ihrer Profession anzuziehen.

Entwickeln Sie persönlich die Ideen für die neuen Kollektionen?
Ich bin verantwortlich für die neuen Kollektionen und entwickle sie zusammen mit unserem Team; wir bleiben dem kreativen Universum der Marke verpflichtet. Ich bin immer Teil des Prozesses, nicht immer an ­seinem Ursprung – wenngleich auch das oft genug. Aber wenn jemand anders eine Idee hat, bin ich froh darüber.

Van Cleef & Arpels: Midnight Zodiac Lumineux, Modell Zwillinge
Van Cleef & Arpels: Midnight Zodiac Lumineux, Modell Zwillinge

Wie lange brauchen Sie für die Entwicklung einer neuen poetischen Komplikation?
Das ist unterschiedlich; im Durchschnitt dauert es drei bis vier Jahre. In erster Linie hängt das von der Komplexität des Uhrwerks ab.

Was sind augenblicklich die großen Uhrenthemen bei Van Cleef & Arpels?
Wie immer werden wir uns im Spannungsfeld unserer Geschichte bewegen. Wir werden ­einerseits neue Juwelenuhren entwerfen. Andererseits arbeiten wir weiter an dem Thema der poetischen Astronomie. Und wir haben es geschafft, Licht in die Uhr zu integrieren – auf mechanische Weise, ganz ohne Batterie.
mbe

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