5 Fakten über Tudor

Von der kleinen Rolex-Schwester zur eigenständigen Manufaktur

Dass Tudor nur die kleine Schwester von Rolex war, ist lange her. Heute pflegt die 1946 von Rolex-Vater Hans Wilsdorf höchstselbst gegründete Marke ihren eigenen Stil bis hin zur Entwicklung eigener Manufakturkaliber. Was Uhrenliebhaber über sie wissen sollten, hat die Redaktion vom UHREN-MAGAZIN im folgenden Artikel zusammengefasst.

Tudor: Heritage Black Bay Chrono mit Metallband
Tudor: Heritage Black Bay Chrono mit Metallband, vorgestellt 2017

Bereits 1926 ließ Hans Wilsdorf die Marke Tudor eintragen. Die ersten Uhren wiesen jedoch noch keine Ähnlichkeit mit den Modellen von Rolex auf. Erst 1946 entwickelte Wilsdorf die Idee, Tudor-Modelle als ergänzende Produktlinie zu Rolex-Uhren anzubieten.

Anzeige

Fakt #1 über Tudor: Die wasserdichte Oyster

Die ‘Rolex des kleinen Mannes’ sollte absolut zuverlässig und wasserdicht, preislich aber eher an einer jüngeren Zielgruppe orientiert sein. Zu der Zeit hatte Rolex sich bereits als Marke etabliert und mit geschicktem Marketing gezeigt, was seine Uhren alles überstehen könn. So kam Tudor zur richtigen Zeit, die noble Herkunft aus der Rolex-Schmiede wurde bewusst nicht verschwiegen. Schließlich erhielt die Tudor eine der hervorstechendsten Eigenschaften der Rolex: das wasserdichte Oyster-Gehäuse.

Annonce zur Tudor Oyster Prince aus dem Jahr 1952
Tudor: Oyster Prince Submariner (1969)

Im Jahr 1952 wurde die Tudor Oyster Prince in den Markt eingeführt. Sie besaß ein wasserdichtes Gehäuse mit unterschiedlichen Größen zwischen 31 und 34 Millimetern Durchmesser. Das große Gehäuse war zudem dicker, um das kupferfarbene, aus Messing gefertigte Automatikkaliber 390 beherbergen zu können. 30 dieser Uhren begleiteten im gleichen Jahr die Expedition der Royal Navy nach Grönland.

Fakt #2 über Tudor: Profitieren von der großen Schwester

Das kleine Schwesterunternehmen zog schnell und erfolgreich großen Nutzen aus der Popularität von Rolex. Im Jahr 1954 erblickte die Tudor Oyster Prince Submariner Referenz 7922 das Licht der Welt. Über 45 Jahre wurde dieses Modell weiterentwickelt. So erreichte es auch schnell nach ursprünglich 100 Metern eine Wasserdichtheit bis zu einem Druck, wie er in 200 Metern Wassertiefe herrscht. Die Tudor-Taucheruhren verwendeten bis in die 1990er-Jahre die Gehäuse und Bänder ihrer Rolex-Pendants. Ab 1969 kamen automatische Eta-Werke zum Einsatz.

Tudor: Oysterdate Montecarlo, Referenz 7169 (1971)
Tudor: Oysterdate Montecarlo, Referenz 7169 (1971)

Fakt #3 über Tudor: Montecarlo & Co – die Chronographen

Die Geschichte der Tudor-Chronographen beginnt 1970 mit der Oysterdate Referenz 7031/0. Diese Handaufzugschronographen besaßen das Valjoux 7753. Ihr Nachfolger aus dem Jahr 1971 ist von Sammlern heute als “Montecarlo” gesucht, da das Zifferblatt unter dem Plexiglas an eine Roulette-Schüssel erinnert. Das sportliche Design, die wasserdichte Konstruktion mit verschraubten Drückern und die Vergrößerungslupe für das Datum auf sechs Uhr zeichnen die Uhr aus. In ihrem Inneren arbeitete das Valjoux 234. Es bot mit seinen 21.600 Halbschwingungen in der Stunde eine höhere Genauigkeit und besaß eine Kupplung sowie ein Schaltradsteuerung.

Tudor: Prince Oysterdate "Big Block", Referenz 9430 (1976)
Tudor: Prince Oysterdate “Big Block”, Referenz 9430 (1976)

Später brachte Tudor, ebenfalls im Gehäuse der Daytona, den Oysterdate Chronographen (1977-1996) auf den Markt. 1996 wurde daraus der Prince Chronograph. Ein Valjoux 7750 sorgt für Präzision und Verlässlichkeit, der damalige Verkaufspreis lag bei weniger als 50 Prozent von dem der großen Schwester. Diesen Vorteil genießen die auch “Big Block” genannen Uhren noch heute.

Fakt #4 über Tudor: Abnabelung von Rolex

Im Jahr 1996 feierte die Firma Montres Tudor S.A. ihr Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen. Die Marke war mittlerweile groß geworden und in allen Märkten vertreten. Aus diesem Grund verschwanden fortan die bis dahin verwendeten direkten Verweise auf Rolex von den Gehäusen, Kronen und Bändern der Tudor-Uhren. 2009 vollzog Tudor einen weiteren Schritt in Richtung Eigenständigkeit, der sich mit der Lancierung einer komplett neuen Kollektion und der Ausrichtung auf den Motorsport ausdrückte. In der Folge ließ die Marke mit der Heritage-Linie ihre Vergangenheit neu aufleben und brachte Modelle wie die Oyster Prince Ranger (als Heritage Ranger) neu auf den Markt.

Tudor: North Flag mit Stahlband, vorgestellt 2015
Durch den Saphirglasboden ist das Manufakturkaliber MT5621 sichtbar
Tudor-Manufakturkaliber MT5621 mit Automatikaufzug

Fakt #5 über Tudor: Eigene Kaliber

Bereits 2003 machte Tudor den ersten Schritt hin zur Manufaktur mit der Lancierung des Automatikkalibers T8050, das in der Damenuhr Princess Date Hydronaut seine Premiere feierte. Zur Baselworld 2015 folgt das erste hauseigene Automatikkaliber MT5621 für Herren, das in der Linie North Flag erstmals zum Einsatz kam.

Das neue Manufakturkaliber MT 5813 mit Schaltrad und vertikaler Kupplung
Automatikkaliber MT 5813 mit Schaltrad und vertikaler Kupplung

2017 verkündeten Tudor und Breitling eine neue Zusammenarbeit bei den Kalibern: So rüstet Tudor nun seine Chronographen – beispielsweise den Heritage Black Bay Chrono mit Schaltrad-Automatikwerk MT5813 – mit Werken auf Breitling-Basis aus. Breitling bekommt im Gegenzug – etwa für die Superocean Héritage II – Zugriff auf das Tudor-Kaliber MT 5612. Ein Jahr später präsentierte Tudor eine kleinere Version seines Automatikwerkes. Das MT5402 besitzt eine Gangdauer von 70 Stunden und ist mit einer Siliziumspiralfeder ausgestatt. Ein COSC-Chronometerzertifikat bescheinigt seine Ganggenauigkeit. Das Automatikwerk kam erstmals in der ebenfalls neuen Black Bay Fifty-Eight zum Einsatz. Diese Uhr ist eine Reminiszenz an die ersten Taucheruhren der Marke. Im Jahr 1958 lancierte die Marke die Referenz 7924, die erstmals eine Wasserdichtheit bis 200 Meter aufwies. Nicht nur die Druckfestigkeit, auch die Gehäusegröße von moderaten 39 Millimetern erinnert an das Modell aus den 1950er-Jahren. Typisch auch die Snowflake-Zeiger, die jedoch erst seit 1969 das Gesicht der Tudor-Taucheruhren prägen. Die Edelstahluhr mit einseitig drehbarer Tauchlünette aus eloxiertem Aluminium gibt es mit genietetem Edelstahlband (3.330 Euro), braunem Lederband (3.040 Euro) oder schwarzem Textilband mit goldenem Streifen (3.040 Euro).

Tudor: Black Bay Fifty-Eight mit Textilband
Tudor: Black Bay Fifty-Eight mit Textilband

Einen Einblick in die aktuelle Qualität der Tudor-Uhren liefert der Chronos-Test der Heritage Black Bay Dark: Hier können Sie den Artikel für 0,99 Euro herunterladen.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Mai 2015

[1810]

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Frau Ehrlich,
    Legt man die Tudor Big Block neben eine Datona, sieht man sofort, daß die Tutor deutlich größer ist….wie kann das dann das gleiche Gehäuse sein????

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Guten TAg,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Die früheren Referenzen der Big Block (auf die sich die Angabe und der Text beziehen) besaßen das Daytona-Gehäuse. Andere Referenzen wiederum haben ein dickeres Gehäuse. Beste Grüße, Ihr Watchtime.net-Team

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren