Automatikuhren: Zentralrotor oder Mikrorotor?

Kraftvolle Ästhetik im Uhrwerk

 Redaktion
von Redaktion
am 2. September 2015

Bei Automatikuhren spielt die Schwungmasse eine entscheidende Rolle. In den heutigen Kalibern gibt es beides: zentrale und Mikrorotoren. Während sich der Zentralrotor durchgesetzt hat, stellen Mikro- oder Dreiviertelrotoren eher die Ausnahme dar. Wir ergründen die Ursachen.

Montage des Zentralrotors bei einem Automatikwerk von Glashütte Original
Montage des Zentralrotors bei einem Automatikwerk von Glashütte Original

Ohne Bewegung geht nichts bei mechanischen Uhrwerken. Das gilt vor allem für solche mit automatischem Aufzug. Dabei spielt die Form oder Ausprägung jenes Elements, welches die kinetische Energie des Handgelenks in ein Energiepotenzial zum Antrieb des Räderwerks umformt, eine maßgebliche Rolle. Die alles entscheidende Schwerkraft wirkt naturgemäß nicht in waagrechter Lage des Zeitmessers. Ergo geht es darum, die Schwungmasse so zu gestalten, dass sie ihre Aufgabe möglichst effizient erfüllen kann.

In den 50er-Jahren waren flache Automatikuhren gewünscht

Seit etwa 50 Jahren werden Rotoren den Anforderungen moderner Selbstaufzugswerke optimal gerecht. Heutzutage mag man kaum glauben, dass in den frühen 1950er-Jahren die Kunden immer öfter nach eleganten, sprich relativ flachen Automatik-Armbanduhren verlangten. Da war guter Rat teuer. Denn die überlieferten Konstruktionen mit – wie auch immer gearteten – Pendelschwungmassen widersetzten sich den Bemühungen um flache Bauweisen ebenso hartnäckig wie diejenigen mit mittig angeordneten, über dem ganzen Uhrwerk zirkulierenden Drehkörpern.

Chopard: Automatikwerk L.U.C 1.96 mit Mikrorotor
Chopard: Automatikwerk L.U.C 1.96 mit Mikrorotor

Fachleute sahen damals kaum Möglichkeiten, die Dimensionen unter etwa 5,5 Millimeter Bauhöhe zu drücken, weil sich dem die zentrale Lagerung von Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger sowie des Rotors hartnäckig in den Weg stellte. Mit anderen Worten: Ein spürbares Weniger verlangte nach unkonventionellen, aus technischer Sicht vielleicht sogar widersinnigen Lösungen, wie sie die Uhrenmanufaktur Büren Watch im Juni 1954 präsentierte. Drei Jahre später folgten dann die ersten, mit dem Kaliber 1000 ausgestatteten Uhren. Das in der Tat außergewöhnliche automatische Uhrwerk brachte lediglich 4,2 Millimeter zwischen die Backen der Schieblehre. Beim Kaliber 1001 mit Datumsanzeige waren es 0,4 Millimeter mehr. Das Ensemble verblüffte durch einen kleinen, in die Werksebene integrierten Rotor samt zugehörigem Aufzugsmechanismus.

Bürens Mikrorotor schreckte die Konkurrenz auf 

Der Verkaufserfolg der sogenannten “Super-Slender”-Kaliber ließ nicht lange auf sich warten. Dieser rief dann wiederum einige Mitbewerber auf den Plan. Sie verwiesen auf die theoretischen Grundlagen, wonach das Drehmoment eines Rotors mit der dritten Potenz seines Radius ansteigt und bemängelten im gleichen Atemzug die Verwendung eines derartigen Mikrorotors. Dabei ließen sie bewusst oder unbewusst unerwähnt, dass die kleine Schwungmasse wesentlich dicker ausfallen konnte als der übliche Zentralrotor. Außerdem drehte sie mit weniger Verlusten, und unerwünschte Schwingungen erfuhren eine rasche Dämpfung durch die Zugfeder. Im Kampf um Marktanteile waren und sind bekanntlich alle Mittel recht.

Hier geht es weiter mit der Geschichte der Mikro- und Zentralrotoren.

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