Die beliebtesten Komplikationen: Zweite Zeitzone

Was die GMT-Uhr ausmacht, wie sie entstanden ist und welche Anzeige-Varianten es gibt

 Redaktion
von Redaktion
am 2. März 2018

Die GMT-Uhr, wie die Uhr mit zweiter Zeitzone auch genannt wird, zeigt neben der Ortszeit die Uhrzeit einer weiteren Zeitzone an. Die Abkürzung GMT bezeichnet die “Greenwich Mean Time”. Sie galt ursprünglich als Zeitstandard, nach dem sich alle Ortszeiten weltweit ableiteten. Heute handelt es sich bei der GMT um eine Zeitzone, die sich an der UTC, der koordinierten Weltzeit, orientiert. Die UTC wurde 1972 eingeführt; sie basiert auf der Messung hochpräziser Atomuhren. Da die Greenwich Mean Time eine UTC-Zeitverschiebung von +/- Null hat, ist die Uhrzeit von GMT und UTC exakt gleich.

Warum heißt die Uhr mit zweiter Zeitzone auch GMT-Uhr?

Die ursprüngliche Bestimmung einer Uhr mit zweiter Zeitzone lag darin, die Greenwich Mean Time zusätzlich zur jeweiligen Ortszeit anzuzeigen. Auch wenn es jedem Träger selbst überlassen ist, welche Zeitzone er als Orts- oder Heimatzeit wählt und welche als zweite Zeitzone, ist der Begriff der GMT-Uhr doch geblieben.

Rolex: GMT-Master II
Rolex: GMT-Master II

Bei manchen Modellen, wie der Rolex GMT-Master II, ist “GMT” sogar fester Bestandteil des Modellnamens. Diese Uhr stellt die zweite Zeitzone durch einen zweiten Zeiger dar, die zugehörige 24-Stunden-Skala befindet sich auf der Lünette

Ein ausführliches eDossier über die Modellhistorie und die Entwicklung der Rolex GMT-Master können Sie hier kostenlos herunterladen.

Weshalb gibt es überhaupt Zeitzonen?

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Jahr 1876 auf einem verregneten Landbahnhof in Irland. Dort stand der kanadische Ingenieur und Eisenbahndirektor Sandford Fleming und wartete vergeblich auf seinen Zug. Weil seine Uhr eine andere Zeit als die Bahnhofsuhr anzeigte, wurde ihm einmal mehr bewusst, dass sich die Welt noch nicht auf einheitliche Zeiten geeinigt hatte. Von Ort zu Ort wurden die Uhren nach dem jeweiligen Sonnenhöchststand ausgerichtet.

Sinn Spezialuhren: Frankfurter Weltzeituhr 6096
Anzeige der zweiten Zeitzone durch einen zweiten Zeiger mit 24-Stunden-Kranz im Zifferblattzentrum: Bei der Sinn Spezialuhren Frankfurter Weltzeituhr 6096 kann sogar mit Hilfe des äußeren Drehrings, der über die Krone bei zehn Uhr eingestellt wird, eine dritte Zeitzone abgelesen werden (Edelstahl, 41,5 Millimeter, Eta 2893 Automatik, 2.590 Euro)

Es war kein Zufall, dass Sandford Fleming auf einem Bahnhof auf dieses Problem traf. Denn erst, als es dank Dampfkraft und Eisenbahn möglich wurde, schnell zu reisen, wurden die verschiedenen Ortszeiten zum Problem. Dem wollte Sandford Fleming ein Ende machen und regte an, die Uhrzeiten zu vereinheitlichen. Mit Gleichgesinnten setzte er sich für die weltweite Festlegung von Zeitzonen ein. Zugrunde lag eine simple Rechnung: Zeitsprünge in vollen Stunden vorzunehmen, schien am einfachsten. Deshalb teilte man die 360 Grad der Erde durch 24, die Zahl der Stunden eines Tages, erhielt den Wert 15 und schlug vor, dass innerhalb einer Zone von 15 Längengraden die gleiche Zeit gelten sollte.

Warum bezieht sich die Weltzeit ausgerechnet auf Greenwich?

Basierend auf diesem System legten am 13. Oktober 1884 auf der Meridiankonferenz in Washington 25 Nationen, unter anderem Deutschland, die Weltzeitordnung GMT (Greenwich Mean Time) fest. GMT daher, weil die mittlere Ortszeit der königlichen Sternwarte Greenwich zum internationalen Null-Meridian erkoren wurde.

Grand Seiko Hi-beat 36.000 GMT limited SBGJ227
Grand Seiko Hi-beat 36.000 GMT limited SBGJ227: Der 24-Stunden-Zeiger ist für die Heimatzeit zuständig, während sich der Stundenzeiger unabhängig vom Minutenzeiger auf die Ortszeit einstellen lässt (Edelstahl, 40 mm, Automatikkaliber 9S86, limitiert auf 700 Stück, 7.000 Euro)

Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht, wäre theoretisch jede von Pol zu Pol gezogene Linie als Bezugslängengrad (Meridian) möglich gewesen. Greenwich war eine rein politische Entscheidung. Mit der die Franzosen so ihre Schwierigkeiten hatten – weshalb sie bis 1911 GMT die “mittlere Zeit von Paris, verspätet um neun Minuten und 21 Sekunden” nannten. Jene Zeitdifferenz zwischen dem Höchststand der Sonne in Greenwich und dem Höchststand der Sonne in Paris. Deutschland führte 1893 die einheitliche Zeitbestimmung ein. In der Praxis folgen die Zeitzonen nicht starr den Meridian-Linien, sondern auch den politischen Grenzen von Staaten und natürlichen Grenzen wie Gebirgen oder Flussläufen. Am 1. Januar 1972 wurde die UTC als internationaler Zeitstandard eingeführt. Grundlage für die Bestimmung der UTC sind die Messung durch Atomuhren, die Messung der Erdrotation und die Anpassung durch Schaltsekunden.

Wie sahen die ersten GMT-Uhren aus?

Zu Beginn der Geschichte der GMT-Uhr wurde für die Anzeige der zweiten Zeitzone ein starrer zweiter Stundenzeiger montiert, der sich im festen Abstand zur Ortszeit konstant mitbewegte. Doch spätestens mit der Einführung der Sommerzeit wurde klar, dass das starre Doppel-Zeiger-System unbrauchbar war.

Panerai Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm
Panerai Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm

Modernere Konstruktionen erlaubten den zweiten Stundenzeiger über die Krone – und damit unabhängig von der eingestellten Uhrzeit – rund um das Zifferblatt zu bewegen. Das war die Geburtsstunde der “Weltzeituhr”, auf der sich unabhängig von der Ortszeit eine frei gewählte zweite Zeit einstellen lässt. Auch die Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm (PAM00944) von Panerai bietet diese reine Form von zwei Zeitzonen auf einem Zifferblatt und bietet zusätzlich eine Tag-Nacht-Anzeige bei Neun Uhr – integriert in die Anzeige der kleinen Sekunde.

Die heutige GMT-Uhr ermöglicht die freie Ortswahl

Zwei frei einstellbaren Zeitzonen – das ist es, was wir heute von einer GMT-Uhr erwarten, und so sind wir es auch gewohnt, sie zu nutzen. Doch auch wenn damit jede GMT-Uhr zugleich zu einer Weltzeituhr wird, gibt es jene Zeitmesser, die wir als “reine” Weltzeituhren betrachten, weil sie nämlich die Ortszeiten von 24 oder gar mehr Zeitzonen anzeigen.

Live-Bild vom SIHH 2018 des Jaeger-LeCoultre Polaris Chronograph World Time
Der Jaeger-LeCoultre Polaris Chronograph World Time ist eine Weltzeituhr und zeigt die Ortszeiten von 24 Zeitzonen an: Man muss lediglich mit der Krone bei 10 Uhr die innen liegende Städtescheibe zur richtigen Uhrzeit auf dem 24-Stunden-Ring drehen, dann kann man auch für alle anderen Orte die passende Uhrzeit ablesen.

Wichtige für die GMT-Uhr: Eine 24-Stunden-Anzeige

Für die Darstellung einer zweiten Zeitzone ist es noch wichtig, die Zeitmesser mit 24-Stunden-Zifferblättern auszustatten, denn nur eine 24-Stunden-Anzeige erlaubt eine schnelle, sichere und interpretationsfreie Zeitbestimmung im globalen Orientierungssystem.

Die Overseas Dual Time von Vacheron Constantin in Roségold mit silberfarbenem Zifferblatt und markantem Zeiger für die zweite Zeitzone.
Die Overseas Dual Time von Vacheron Constantin in Roségold mit silberfarbenem Zifferblatt und markantem Zeiger für die zweite Zeitzone (Roségold, 41 mm, Automatikwerk 5110 DT, 40.300 Euro)

Es muss für einen Reisenden in Yokohama auch ohne Nachzudenken feststellbar sein, ob es in Greenwich 9.00 Uhr morgens oder 21.00 Uhr abends ist – das ist der Sinn einer modernen GMT-Uhr. Bei der Overseas Dual Time von Vacheron Constantin kann über den zusätzlichen Zeiger mit roter Pfeilspitze die zweite Zeitzone abgelesen werden. Die zugehörige Tag-Nacht-Anzeige ist bei neun Uhr untergebracht.

Aktuelle GMT-Uhren 

Auf der Vorderseite zeigt die Jaeger-LeCoultre Reverso Tribute Duoface die Stunde, Minute und kleine Sekunde, auf der Rückseite der Wendeuhr befindet sich die zweite Zeitzone mit einer 24-Stunden-Anzeige für die Unterscheidung der Tag- und Nachtstunden (Rotgold, 49,4 x 29,9 mm, Handaufzugswerk Jaeger-LeCoultre 854/2, limitiert auf 100 Stück, 21.000 Euro)
Bei der Pilot 42 GMT von Archimede wird die zweite Zeitzone über den zentralen roten Zeiger mit 24-Stunden-Skala abgelesen (Edelstahl, 42 mm, Automatikkaliber Eta 2893-2, 1.080 Euro)
Ein Hilfszifferblatt gibt bei der Slim d’Hermès GMT Auskunft über die zweite Zeitzone, hinzu kommt eine Tag-Nacht-Anzeige (Edelstahl, 39,5 mm, automatisches Manufakturkaliber H1950, limitiert auf 90 Stück, 12.000 Euro)
Die Anzeige der Heimatzeit bei der Zwölf verfügt über eine springende Stunde und Zeigerminute. Unabhängig davon arbeitet bei der ADN von Manufacture Royale die zweite Zeitzone auf dem kleineren Totalisator gegenüber des Tourbillons - in klassischer Zweizeigerform (Karbon, Edelstahl DLC-geschwärzt, 46 mm, Handaufzugswerk MR09, 86.000 Euro (ohne Steuern))
Über die Lünette kann bei der Oris Big Crown ProPilot Worldtimer der Stundenzeiger für die zweite Zeitzone eingestellt werden. Die Heimatzeit wird auf dem Hilfszifferblatt mit integrierter Tag-Nacht-Anziege abgelesen (Edelstahl, 44,7 mm, Automatikkaliber Eta 2836, 3.200 Euro)
Ein Hilfszifferblatt bei zwölf Uhr mit Tag-Nacht-Anzeige gibt bei der Toric Hémisphères Rétrograde von Parmigiani Fleurier Auskunft über die zweite Zeitzone (Rotgold, 42,8 mm, Automatikkaliber PF 317, 29.500 Euro)
Die Midnight Heure d’Ici & Heure d’Ailleurs von Van Cleef & Arpels bietet zwei Zeitzonen mit springenden Stundenanzeigen sowie eine retrograde Minutenindikation. Die Ortszeit wird bei elf Uhr, die Heimatzeit bei fünf Uhr angezeigt (Rotgold, 42 mm, Automatikkaliber, 22.500 Euro)

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Februar 2013.

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