Die beliebtesten Komplikationen: Zweite Zeitzone

Was die GMT-Uhr ausmacht, wie sie entstanden ist und welche Anzeige-Varianten es gibt

 Redaktion
von Redaktion
am 31. Juli 2017

Die GMT-Uhr, wie die Uhr mit zweiter Zeitzone auch genannt wird, zeigt neben der Ortszeit die Uhrzeit einer weiteren Zeitzone an. Die Abkürzung GMT bezeichnet die “Greenwich Mean Time”. Sie galt ursprünglich als Zeitstandard, nach dem sich alle Ortszeiten weltweit ableiteten. Heute handelt es sich bei der GMT um eine Zeitzone, die sich an der UTC, der koordinierten Weltzeit, orientiert. Die UTC wurde 1972 eingeführt; sie basiert auf der Messung hochpräziser Atomuhren. Da die Greenwich Mean Time eine UTC-Zeitverschiebung von +/- Null hat, ist die Uhrzeit von GMT und UTC exakt gleich.

Warum heißt die Uhr mit zweiter Zeitzone auch GMT-Uhr?

Die ursprüngliche Bestimmung einer Uhr mit zweiter Zeitzone lag darin, die Greenwich Mean Time zusätzlich zur jeweiligen Ortszeit anzuzeigen. Auch wenn es jedem Träger selbst überlassen ist, welche Zeitzone er als Orts- oder Heimatzeit wählt und welche als zweite Zeitzone, ist der Begriff der GMT-Uhr doch geblieben.

Rolex GMT-Master II
Rolex GMT-Master II

Bei manchen Modellen, wie der Rolex GMT-Master II, ist “GMT” sogar fester Bestandteil des Modellnamens. Diese Uhr stellt die zweite Zeitzone durch einen zweiten Zeiger dar, die zugehörige 24-Stunden-Skala befindet sich auf der Lünette.
Einen Test der Rolex GMT-Master II finden Sie hier.

Weshalb gibt es überhaupt Zeitzonen?

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Jahr 1876 auf einem verregneten Landbahnhof in Irland. Dort stand der kanadische Ingenieur und Eisenbahndirektor Sandford Fleming und wartete vergeblich auf seinen Zug. Weil seine Uhr eine andere Zeit als die Bahnhofsuhr anzeigte, wurde ihm einmal mehr bewusst, dass sich die Welt noch nicht auf einheitliche Zeiten geeinigt hatte. Von Ort zu Ort wurden die Uhren nach dem jeweiligen Sonnenhöchststand ausgerichtet.

Frédérique Constant: Runabout GMT Automatic mit silberfarbenem Zifferblatt
Anzeige der zweiten Zeitzone durch einen zweiten Zeiger mit 24-Stunden-Kranz im Zifferblattzentrum: Frédérique Constant Runabout GMT Automatic

Es war kein Zufall, dass Sandford Fleming auf einem Bahnhof auf dieses Problem traf. Denn erst, als es dank Dampfkraft und Eisenbahn möglich wurde, schnell zu reisen, wurden die verschiedenen Ortszeiten zum Problem. Dem wollte Sandford Fleming ein Ende machen und regte an, die Uhrzeiten zu vereinheitlichen. Mit Gleichgesinnten setzte er sich für die weltweite Festlegung von Zeitzonen ein. Zugrunde lag eine simple Rechnung: Zeitsprünge in vollen Stunden vorzunehmen, schien am einfachsten. Deshalb teilte man die 360 Grad der Erde durch 24, die Zahl der Stunden eines Tages, erhielt den Wert 15 und schlug vor, dass innerhalb einer Zone von 15 Längengraden die gleiche Zeit gelten sollte.

Warum bezieht sich die Weltzeit ausgerechnet auf Greenwich?

Basierend auf diesem System legten am 13. Oktober 1884 auf der Meridiankonferenz in Washington 25 Nationen, unter anderem Deutschland, die Weltzeitordnung GMT (Greenwich Mean Time) fest. GMT daher, weil die mittlere Ortszeit der königlichen Sternwarte Greenwich zum internationalen Null-Meridian erkoren wurde.

Montblanc 4810 Dual Time
Der blaue Zeiger dient bei der Montblanc 4810 Dual Time zur Anzeige der zweiten Zeitzone. Bei zwölf Uhr findet sich die kombinierte Tag-Nacht- und 24-Stunden-Anzeige der zweiten Zeitzone.

Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht, wäre theoretisch jede von Pol zu Pol gezogene Linie als Bezugslängengrad (Meridian) möglich gewesen. Greenwich war eine rein politische Entscheidung. Mit der die Franzosen so ihre Schwierigkeiten hatten – weshalb sie bis 1911 GMT die “mittlere Zeit von Paris, verspätet um neun Minuten und 21 Sekunden” nannten. Jene Zeitdifferenz zwischen dem Höchststand der Sonne in Greenwich und dem Höchststand der Sonne in Paris. Deutschland führte 1893 die einheitliche Zeitbestimmung ein. In der Praxis folgen die Zeitzonen nicht starr den Meridian-Linien, sondern auch den politischen Grenzen von Staaten und natürlichen Grenzen wie Gebirgen oder Flussläufen. Am 1. Januar 1972 wurde die UTC als internationaler Zeitstandard eingeführt. Grundlage für die Bestimmung der UTC sind die Messung durch Atomuhren, die Messung der Erdrotation und die Anpassung durch Schaltsekunden.

Wie sahen die ersten GMT-Uhren aus?

Zu Beginn der Geschichte der GMT-Uhr wurde für die Anzeige der zweiten Zeitzone ein starrer zweiter Stundenzeiger montiert, der sich im festen Abstand zur Ortszeit konstant mitbewegte. Doch spätestens mit der Einführung der Sommerzeit wurde klar, dass das starre Doppel-Zeiger-System unbrauchbar war.

Panerai: Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio
Panerai: Luminor 1950 3 Days GMT Automatic Acciaio

Modernere Konstruktionen erlaubten den zweiten Stundenzeiger über die Krone – und damit unabhängig von der eingestellten Uhrzeit – rund um das Zifferblatt zu bewegen. Das war die Geburtsstunde der “Weltzeituhr”, auf der sich unabhängig von der Ortszeit eine frei gewählte zweite Zeit einstellen lässt. Auch die Luminor 1950 3 Days GMT Automatic von Panerai bietet diese reine Form von zwei Zeitzonen auf einem Zifferblatt und verzichtet darauf, Zusatzinformationen wie die einer Tag-Nacht-Anzeige zu bieten.

Die heutige GMT-Uhr ermöglicht die freie Ortswahl

Zwei frei einstellbaren Zeitzonen – das ist es, was wir heute von einer GMT-Uhr erwarten, und so sind wir es auch gewohnt, sie zu nutzen. Doch auch wenn damit jede GMT-Uhr zugleich zu einer Weltzeituhr wird, gibt es jene Zeitmesser, die wir als “reine” Weltzeituhren betrachten, weil sie nämlich die Ortszeiten von 24 oder gar mehr Zeitzonen anzeigen.

Wichtige für die GMT-Uhr: Eine 24-Stunden-Anzeige

Für die Darstellung einer zweiten Zeitzone ist es noch wichtig, die Zeitmesser mit 24-Stunden-Zifferblättern auszustatten, denn nur eine 24-Stunden-Anzeige erlaubt eine schnelle, sichere und interpretationsfreie Zeitbestimmung im globalen Orientierungssystem.

Jaeger-LeCoultre: Master Geographic
Jaeger-LeCoultre: Master Geographic

Es muss für einen Reisenden in Yokohama auch ohne Nachzudenken feststellbar sein, ob es in Greenwich 9.00 Uhr morgens oder 21.00 Uhr abends ist – das ist der Sinn einer modernen GMT-Uhr. Die Master Geographic von Jaeger-LeCoultre im Bild oben besitzt unten am Zifferblattrand eine längliche Öffnung, auf der die Referenzstädte der 24 ganzstündigen Zeitzonen verzeichnet sind. In Kombination mit der 12-Stunden-Anzeige im Hilfszifferblatt kann der Träger so eine zweite Zeit einstellen. Die 24-Stunden-Anzeige daneben dient als Tag-Nacht-Anzeige.

Aktuelle GMT-Uhren aus dem Jahr 2017

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Februar 2013.

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