Die beliebtesten Komplikationen: Zweite Zeitzone

Was die GMT-Uhr ausmacht, wie sie entstanden ist und welche Anzeige-Varianten es gibt

Die GMT-Uhr, wie die Uhr mit zweiter Zeitzone auch genannt wird, zeigt neben der Ortszeit die Uhrzeit einer weiteren Zeitzone an. Die Abkürzung GMT bezeichnet die “Greenwich Mean Time”. Sie galt ursprünglich als Zeitstandard, nach dem sich alle Ortszeiten weltweit ableiteten. Heute handelt es sich bei der GMT um eine Zeitzone, die sich an der UTC, der koordinierten Weltzeit, orientiert. Die UTC wurde 1972 eingeführt; sie basiert auf der Messung hochpräziser Atomuhren. Da die Greenwich Mean Time eine UTC-Zeitverschiebung von +/- Null hat, ist die Uhrzeit von GMT und UTC exakt gleich.

Warum heißt die Uhr mit zweiter Zeitzone auch GMT-Uhr?

Die ursprüngliche Bestimmung einer Uhr mit zweiter Zeitzone lag darin, die Greenwich Mean Time zusätzlich zur jeweiligen Ortszeit anzuzeigen. Auch wenn es jedem Träger selbst überlassen ist, welche Zeitzone er als Orts- oder Heimatzeit wählt und welche als zweite Zeitzone, ist der Begriff der GMT-Uhr doch geblieben.

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Rolex: Oyster Perpetual GMT-Master II in Edelstahl mit Pepsi-Lünette und Jubilé-Band
Auf der Baselmesse 2018 hat Rolex eine neue GMT-Master II in Stahl mit Pepsi-Lünette (blau-rote 24-Stunden-Skala) und Jubilé-Band vorgestellt

Bei manchen Modellen, wie der Rolex GMT-Master II, ist “GMT” sogar fester Bestandteil des Modellnamens. Diese Uhr stellt die zweite Zeitzone durch einen zweiten Zeiger dar, die zugehörige 24-Stunden-Skala befindet sich auf der Lünette

Ein ausführliches eDossier über die Modellhistorie und die Entwicklung der Rolex GMT-Master können Sie hier kostenlos herunterladen.

 

Wie man die zweite Zeitzone bei der GMT-Master II einstellt, erfahren Sie in unserem Video:

Weshalb gibt es überhaupt Zeitzonen?

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Jahr 1876 auf einem verregneten Landbahnhof in Irland. Dort stand der kanadische Ingenieur und Eisenbahndirektor Sandford Fleming und wartete vergeblich auf seinen Zug. Weil seine Uhr eine andere Zeit als die Bahnhofsuhr anzeigte, wurde ihm einmal mehr bewusst, dass sich die Welt noch nicht auf einheitliche Zeiten geeinigt hatte. Von Ort zu Ort wurden die Uhren nach dem jeweiligen Sonnenhöchststand ausgerichtet.

Sinn Spezialuhren: Frankfurter Weltzeituhr 6096
Anzeige der zweiten Zeitzone durch einen zweiten Zeiger mit 24-Stunden-Kranz im Zifferblattzentrum: Bei der Sinn Spezialuhren Frankfurter Weltzeituhr 6096 kann sogar mit Hilfe des äußeren Drehrings, der über die Krone bei zehn Uhr eingestellt wird, eine dritte Zeitzone abgelesen werden (Edelstahl, 41,5 Millimeter, Eta 2893 Automatik, 2.590 Euro)

Es war kein Zufall, dass Sandford Fleming auf einem Bahnhof auf dieses Problem traf. Denn erst, als es dank Dampfkraft und Eisenbahn möglich wurde, schnell zu reisen, wurden die verschiedenen Ortszeiten zum Problem. Dem wollte Sandford Fleming ein Ende machen und regte an, die Uhrzeiten zu vereinheitlichen. Mit Gleichgesinnten setzte er sich für die weltweite Festlegung von Zeitzonen ein. Zugrunde lag eine simple Rechnung: Zeitsprünge in vollen Stunden vorzunehmen, schien am einfachsten. Deshalb teilte man die 360 Grad der Erde durch 24, die Zahl der Stunden eines Tages, erhielt den Wert 15 und schlug vor, dass innerhalb einer Zone von 15 Längengraden die gleiche Zeit gelten sollte.

Warum bezieht sich die Weltzeit ausgerechnet auf Greenwich?

Basierend auf diesem System legten am 13. Oktober 1884 auf der Meridiankonferenz in Washington 25 Nationen, unter anderem Deutschland, die Weltzeitordnung GMT (Greenwich Mean Time) fest. GMT daher, weil die mittlere Ortszeit der königlichen Sternwarte Greenwich zum internationalen Null-Meridian erkoren wurde.

TAG Heuer: Carrera Heuer 02 GMT
TAG Heuer: Die Carrera Heuer 02 GMT zeigt mit dem zentralen Zeiger für die zweite Zeitzone auf die 24-Stunden-Skala auf der Lünette (45 mm, Kalier Heuer 02, 5.500 Euro)

Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht, wäre theoretisch jede von Pol zu Pol gezogene Linie als Bezugslängengrad (Meridian) möglich gewesen. Greenwich war eine rein politische Entscheidung. Mit der die Franzosen so ihre Schwierigkeiten hatten – weshalb sie bis 1911 GMT die “mittlere Zeit von Paris, verspätet um neun Minuten und 21 Sekunden” nannten. Jene Zeitdifferenz zwischen dem Höchststand der Sonne in Greenwich und dem Höchststand der Sonne in Paris. Deutschland führte 1893 die einheitliche Zeitbestimmung ein. In der Praxis folgen die Zeitzonen nicht starr den Meridian-Linien, sondern auch den politischen Grenzen von Staaten und natürlichen Grenzen wie Gebirgen oder Flussläufen. Am 1. Januar 1972 wurde die UTC als internationaler Zeitstandard eingeführt. Grundlage für die Bestimmung der UTC sind die Messung durch Atomuhren, die Messung der Erdrotation und die Anpassung durch Schaltsekunden.

Wie sahen die ersten GMT-Uhren aus?

Zu Beginn der Geschichte der GMT-Uhr wurde für die Anzeige der zweiten Zeitzone ein starrer zweiter Stundenzeiger montiert, der sich im festen Abstand zur Ortszeit konstant mitbewegte. Doch spätestens mit der Einführung der Sommerzeit wurde klar, dass das starre Doppel-Zeiger-System unbrauchbar war.

Panerai Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm
Panerai Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm

Modernere Konstruktionen erlaubten den zweiten Stundenzeiger über die Krone – und damit unabhängig von der eingestellten Uhrzeit – rund um das Zifferblatt zu bewegen. Das war die Geburtsstunde der “Weltzeituhr”, auf der sich unabhängig von der Ortszeit eine frei gewählte zweite Zeit einstellen lässt. Auch die Luminor Due 3 Days GMT Power Reserve Automatic Acciaio – 45 mm (PAM00944) von Panerai bietet diese reine Form von zwei Zeitzonen auf einem Zifferblatt und bietet zusätzlich eine Tag-Nacht-Anzeige bei Neun Uhr – integriert in die Anzeige der kleinen Sekunde.

Die heutige GMT-Uhr ermöglicht die freie Ortswahl

Zwei frei einstellbaren Zeitzonen – das ist es, was wir heute von einer GMT-Uhr erwarten, und so sind wir es auch gewohnt, sie zu nutzen. Doch auch wenn damit jede GMT-Uhr zugleich zu einer Weltzeituhr wird, gibt es jene Zeitmesser, die wir als “reine” Weltzeituhren betrachten, weil sie nämlich die Ortszeiten von 24 oder gar mehr Zeitzonen anzeigen.

Live-Bild vom SIHH 2018 des Jaeger-LeCoultre Polaris Chronograph World Time
Der Jaeger-LeCoultre Polaris Chronograph World Time ist eine Weltzeituhr und zeigt die Ortszeiten von 24 Zeitzonen an: Man muss lediglich mit der Krone bei 10 Uhr die innen liegende Städtescheibe zur richtigen Uhrzeit auf dem 24-Stunden-Ring drehen, dann kann man auch für alle anderen Orte die passende Uhrzeit ablesen.

Wichtige für die GMT-Uhr: Eine 24-Stunden-Anzeige

Für die Darstellung einer zweiten Zeitzone ist es noch wichtig, die Zeitmesser mit 24-Stunden-Zifferblättern auszustatten, denn nur eine 24-Stunden-Anzeige erlaubt eine schnelle, sichere und interpretationsfreie Zeitbestimmung im globalen Orientierungssystem.

Die Overseas Dual Time von Vacheron Constantin in Edelstahl mit blauem Zifferblatt.
Die Overseas Dual Time von Vacheron Constantin in Edelstahl mit blauem Zifferblatt (Edelstahl, 41 mm, Automatikwerk 5110 DT, 25.200 Euro

Es muss für einen Reisenden in Yokohama auch ohne Nachzudenken feststellbar sein, ob es in Greenwich 9.00 Uhr morgens oder 21.00 Uhr abends ist – das ist der Sinn einer modernen GMT-Uhr. Bei der Overseas Dual Time von Vacheron Constantin kann über den zentralen Zeiger mit Pfeilspitze die zweite Zeitzone abgelesen werden. Die zugehörige Tag-Nacht-Anzeige ist bei neun Uhr untergebracht.

Aktuelle GMT-Uhren 

Ausgestattet mit einem zentralen roten Zeiger und 24-Stunden-Skala auf der Lünette für die zweite Zeitzone ist die neue Black Bay GMT von Tudor (Edelstahl, 41 mm, Manufakturwerk MT5652 Automatik, 3.330 Euro).
Bei der Villeret Quantième Complet GMT von Blancpain wird die GMT-Funktion in einem 24-Stunden-Ring um die Zifferblattmitte realisiert. Zusätzlich bietet die Uhr einen Vollkalender (Edelstahl, 40 mm, Manufakturkaliber 67A5 Automatik, 24.750 Euro).
Bremont Endurance GMT: Die zusätzliche 24-Stunden-Anzeige ermöglicht mit Hilfe des zentralen Zeigers mit Pfeilspitze das Ablesen der zweiten Zeitzone (Titan, 43 mm, Automatikwerk Eta 2893, 5.500 Euro).
Die Polaris Geographic WT von Jaeger-LeCoultre bietet die Anzeige einer zweiten Zeit in einem kleinen Hilfszifferblatt bei sechs Uhr. Eine zusätzliche 24-Stunden-Skala, die wie ein Ring um das zentrale Zifferblatt liegt, zeigt an, ob es in der gewählten Zeitzone gerade Tag oder Nacht ist (Edelstahl, 42 mm, Manufakturkaliber 936A/1 Automatik, 13.500 Euro, limitiert auf 250 Stück).
Die Oris Big Crown ProPilot Calibre 114 bietet einen 24-Stunden-Zeiger aus dem Zentrum zu Anzeige der zweiten Zeitzonen. Hier lässt sich nicht nur auf Zeitzonen mit ganzstündiger Differenz, sondern auch auf solche mit halbstündiger Differenz einstellen (Edelstahl, 44 mm, Calibre 114 Handaufzug, 5.500 Euro).
Die Midnight Heure d’Ici & Heure d’Ailleurs von Van Cleef & Arpels bietet zwei Zeitzonen mit springenden Stundenanzeigen sowie eine retrograde Minutenindikation. Die Ortszeit wird bei elf Uhr, die Heimatzeit bei fünf Uhr angezeigt (Rotgold, 42 mm, Automatikkaliber, 22.500 Euro)
Die Chemin des Tourelles GMT von Tissot trägt die Indikation der zweiten Zeit am Zifferblattrand. Ein weiterer Zeiger aus der Mitte mit roter Spitze weist auf die entsprechende Stunde (Edelstahl, 42 mm, automatische Kaliber Powermatic 80, 890 Euro).
Ein Hilfszifferblatt bei zwölf Uhr mit Tag-Nacht-Anzeige gibt bei der Toric Hémisphères Rétrograde von Parmigiani Fleurier Auskunft über die zweite Zeitzone (Rotgold, 42,8 mm, Automatikkaliber PF 317, 29.500 Euro)

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Februar 2013.

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