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Download: Bulgari Octo Roma im Test
Die Bulgari Octo Roma verbindet Schweizer Präzision und feine Eleganz mit modernem Design. Das UHREN-MAGZIN hat die alltagstaugliche Version der edlen Octo getestet.

Die Handwerkskünste bei Patek Philippe

Dekoration von Zifferblättern und Gehäuse bei Patek Philippe

Wer sich mit Uhren beschäftigt, kommt öfter mit verblüffenden Leistungen in Berührung – dafür reicht schon der Blick über die Schulter eines Uhrmachers, der gerade an den winzigen Komponenten eines komplizierten Mechanikwerks arbeitet. Bei den Modellen der Kollektion „Rare Handcrafts“ setzt die Genfer Luxusuhrenmanufaktur Patek Philippe noch eins drauf: Hier wird die Dekoration der Zifferblätter oder Gehäuse mit der gleichen Akribie betrieben wie die Komposition eines hochkomplexen Uhrwerks. Jedes Jahr bringt Patek Philippe einen kleinen Kosmos von Kunsthandwerksuhren heraus: dekorative Superlative für Sammler und Liebhaber.

"Leopard im Sonnenuntergang": Patek Philippe: Ref. 5089G-078, gestaltet in Cloisonné-Email
“Leopard im Sonnenuntergang”: Patek Philippe: Ref. 5089G-078, gestaltet in Cloisonné-Email

Das Konzept der „Rare Handcrafts“, der seltenen Handwerkskünste, hat dabei eine historische Tiefendimension, denn die manuelle Dekoration von Zeitmessern durch Graveure, Emailleure und ihre Kollegen gehört zu den Qualitäten, die die Genfer Uhrmacherkunst seit dem 17. Jahrhundert berühmt gemacht haben. Die Designgeschichte war diesen Qualitäten während des 20. Jahrhunderts größtenteils nicht wohl gesonnen. Die Ernennung der Funktionalität zum wichtigsten Kriterium für gutes Design führte zu einer Ablehnung von Verzierungen. Alles überflüssige Ablenkungen vom eigentlichen Charakter eines Gegenstands, befand die tonangebende Meinung.

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Patek Philippe: Ref. 5077-100R-033
Toskanische Landschaft: bei der Ref. 5077-100R-033 von Patek Philippe spielen Guillochierung, Cloisonné-Email und Miniaturmalerei zusammen

Henri Stern, der Großvater des heutigen Patek-Philippe-Präsidenten Thierry Stern, sah die Dinge ein wenig anders. Was auch immer die Gründe für die vorherrschende Meinung der Designtheoretiker sein mochte: Wenn man die Dekorationstechniken, die sich in der Genfer Uhrenindustrie herausgebildet hatten, über mehrere Generationen vernachlässigte, dann würden sie verloren gehen. Denn die Überlieferung der Handwerkskünste funktioniert bis heute auf fast archaische Weise: Ein Schüler lernt von einem Meister. Die Zahl der Emailleure oder Graveure ist so gering, die Techniken sind so speziell, dass ein formalisiertes Ausbildungssystem allenfalls Grundlagen vermitteln kann. Henri Stern beschloss, in die Handwerkskünste zu investieren – gegen den Geist der Zeit. Während andernorts schlichte, technische oder auch avantgardistische Uhren produziert wurden, vergab er Aufträge an Handwerkskünstler – wohl wissend, dass kein Mensch die aufwendig dekorierten Uhren kaufen würde. Aber es gab ja das Patek Philippe Museum. Dessen Sammlung bestand und besteht bis heute aus einer einzigartigen Kollektion historischer Uhren – darunter eine Fülle fantastischer Exempel der Genfer Handwerkskünste. Die neuen „Rare Handcrafts“-Uhren, die ­unter Henri Stern entstanden, wanderten häufig direkt in das Museum, in dem sie heute zu den visuellen Leckerbissen gehören.

Patek Philippe: Ref. 5077-101G-010 "Vögel und Wolken"
Handgemachte Ornamente über einem guillochierten Zifferblatt: Patek Philippe Ref. 5077-101G-010 “Vögel und Wolken”

Die Zeiten haben sich geändert. Der Funktionalismus ist keineswegs passé, aber die ideologischen Überzeugungen in Sachen Geschmack und Design sind es. Auf den Märkten der verschiedenen Konsumgüter herrscht eine Pluralität von Stilen, mit der jeder nach seiner Façon glücklich werden kann. Dass diese Entwicklung zu einer massiven Wiederentdeckung der Handwerkskünste geführt hat, ist eigentlich kein Wunder. Einerseits ist die Freude an der Dekoration und dem Ornament jahrtausendealt. Andererseits ist die Faszination für manuelle Fähigkeiten, die die normale Vorstellungskraft übersteigen, in unseren Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit von so ziemlich allem ein ganz exklusives Faszinosum.

Patek Philippe: Modell "Angeseilte Alpinisten", Ref. 5089G-059
Die “Angeseilten Alpinisten”, Ref. 5089G-059, setzte ein Intarsienkünstler aus 262 Teilen von 27 verschiedenen Holzarten zusammen

Das markanteste Beispiel mögen diejenigen Patek-Philippe-Uhren sein, deren Zifferblätter aus Holzintarsien gebildete Szenerien zeigen. Aus winzigen Partikeln von rund 30 verschiedenfarbigen Holzarten setzt der Intarsienkünstler in fast impressionistischer Manier ein detailreiches Bild von 150 bis 250 winzigen Holzstücken zusammen – und das auf den knapp 39 Millimetern, die der Durchmesser so einer Uhr beträgt. Im Hause Patek Philippe kennt man genau eine Persönlichkeit, die solche Zifferblätter fertigen kann. Für den Käufer einer der Holzintarsienuhren heißt das: Er erwirbt ein schön anzuschauendes Stück, das auf seine Weise eine Rekordleistung darstellt. Intarsienkünstler gehören nicht zu den Vertretern der traditionellen Genfer Dekorationstechniken. Dies sind eher die Emailleure, Graveure, Guillocheure und Miniaturmaler, die in den „Rare Handcrafts“-Kollektionen von Patek Philippe immer intensiv zum Einsatz kommen.

Patek Philippe: Ref. 5077-100R-038 "Helikonien"
Die tropische Flora diente als Patek Philippe als Inspirationsquelle für die “Helikonien”-Uhr Ref. 5077-100R-038 in Cloisonné-Email

Besonders viele Uhren der aktuellen Kollektion sind in Cloisonné-Email gefertigt. Diese Technik, bei der die einzelnen Farbflächen eines Emailmotivs mittels feiner Goldbänder voneinander abgegrenzt sind, eignet sich hervorragend für die Darstellung detaillierter Szenerien und die Umsetzung filigraner Ornamentwelten. Die subtilen Farbnuancen solcher Emailbilder verdanken sich dem künstlerischen Feingefühl des Emailleurs. Er kombiniert opake mit transparenten Emailfarben und schafft mit Hilfe von Erfahrung und Fingerspitzengefühl feinste Farbverläufe. Bei der Sonderform des Flinqué-Email kommt zusätzlich der Guillocheur zum Zug. Bei den Flächen, durch die später eine Struktur durch das Email hindurchschimmert, dekoriert er das Metall zuvor mit guillochierten Mustern.

Patek Philippe: Detail der Ref. 5089G-078 "Leopard im Sonnenuntergang"
Patek Philippe: Detail der Ref. 5089G-078 “Leopard im Sonnenuntergang”

Die Motivwelten der „Rare Handcrafts“-Uhren haben in den meisten Fällen etwas mit traditionellen Vorstellungen von Schönheit und Erhabenheit zu tun. Florale Motive und Ornamente, deren Gestaltung sich an den Gepflogenheiten unterschiedlicher Kulturkreise orientiert, spielen immer ein Rolle. Raubtiere werden ebenso geschätzt wie Vögel. Bei Landschaftsansichten bringen die Kunsthandwerker ihre Virtuosität mittels der Gestaltung der unterschiedlichen Facetten einer Szenerie exemplarisch zur Geltung. Manche Zifferblätter zitieren berühmte Gemälde en miniature, und auch die ewige Anziehungskraft der Meere und der Schifffahrt findet ihren Ausdruck.

Patek Philippe: Modell "Galeone", ein Unikat
Taschenuhr mit handgraviertem Seestück: Das Modell “Galeone” ist ein Unikat

In diesem Jahr ist diesem Thema ein Prachtstück gewidmet: eine Taschenuhr, deren Weißgolddeckel zu einem reliefierten Seestück mit historischer Galeone graviert wurde. Ein Unikat, wie viele der Kunsthandwerksuhren. Andere werden in Kleinserie aufgelegt. Der globalen Kundschaft, so hört man aus dem Hause Patek Philippe, reicht das nicht; die Zahl der potenziellen Kunden übersteigt die der alljährlich hergestellten Uhren bei Weitem. Dennoch will die Genfer Manufaktur nicht dazu übergehen, größere Stückzahlen der „Rare Handcrafts“-­Modelle zu fertigen. Dann bräuchte man deutlich mehr Handwerkskünstler, und die Anzahl derjenigen, die auf dem gewünschten hohen Niveau arbeiten, ist überschaubar. mbe

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Produkt: Download: Test der Panerai Luminor Due 3 Days Automatic Acciaio
Download: Test der Panerai Luminor Due 3 Days Automatic Acciaio
Das UHREN-MAGAZIN testet die Neuinterpretation der Panerai Luminor, die mit Manufakturkaliber und flachem Gehäuse ausgestattet ist.

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