Die kleinen Komplikationen: Mondphase

Die Mondphasenanzeige – eine Komplikation, zahlreiche Darstellungen

 Redaktion
von Redaktion
am 14. September 2017

Der folgende Artikel erklärt, wie die Mondphasenanzeige funktioniert und was der Mechanismus kann. Dazu zeigen wir aktuelle Modelle von A. Lange & Söhne, Omega und weiteren spannenden Marken. Sie möchten wissen, wann der nächste Vollmond ist und wie Sie die Mondphasenanzeige Ihrer Uhr richtig einstellen? Kein Problem, auch diese Fragen werden geklärt.

Rolex: Cellini Moonphase
Bei der Rolex Cellini Moonphase besteht die Mondapplikation aus Meteoritgestein. Ein kleiner Pfeil gibt Auskunft über den Stand des Mondes.

Der Mond übt als erdnächster Himmelskörper eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Er verursacht Gezeiten, inspirierte Dichter und gilt seit jeher als Symbol des Unerreichbaren. Der Mond ist ein natürlicher Satellit der Erde. Nach der Sonne ist er mit Abstand das hellste Objekt am Himmel. Vermutlich war es aus diesem Grunde für den Menschen naheliegend, diesen Planeten erforschen zu wollen. In vielen alten Kulturen nahm der Mond eine religiöse oder mythologische Rolle ein. Wissenschaftliche Studien ergeben, dass der Mond unser Leben auf der Erde so beeinflusst, dass eine Leben ohne ihn nicht möglich wäre. So stabilisiert die Schwerkraft des Mondes die Erde. Ohne sie würde die Erdachse alle paar Millionen Jahre um bis zu 85 Grad kippen. Zugleich bremst die Gravitationskraft des Mondes die Erdrotation ab. Gäbe es diese entschleunigende Kraft nicht, würde sich die Erde so schnell um ihre eigene Achse drehen, dass ein Tag nur noch acht Stunden lang wäre.

Je nach Stellung des Mondes, der Erde und der Sonne zueinander sind von der Erde aus verschiedene Beleuchtungswinkel des Erdtrabanten durch die Sonne zu beobachten. Diese verursachen die wechselnden Mondphasen. Die Phasen hängen davon ab, welcher Teil des Mondes gerade von der Sonne beleuchtet wird. Wir unterscheiden zwischen Neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond. Bei Neumond liegt die erdabgewandte Seite des Mondes im Sonnenlicht, bei Vollmond ist es hingegen die sichtbare Hälfte, die immer dieselbe ist.

Schon bald nutzten die Menschen den regelmäßigen Zyklus des Mondes für die Bestimmung von Zeitspannen und als Basis der ersten Kalender. Schon im Altertum (etwa 4.000 Jahre v. Chr. bis etwa 700 Jahre n. Chr.) zählte man die Zeit von einem Vollmond bis zum nächsten als einen Monat. So erstaunt es auch nicht weiter, dass die Anzeige der Mondphase über eine lange Tradition in der Uhrmacherei verfügt.

Oris: Artelier Complication
Bei der Oris Artelier Complication kommt das Automatikkaliber Sellita SW 200 mit einem Modul von Oris zum Einsatz (2.200 Euro)

Bereits im frühen 16. Jahrhundert gaben die ersten Wanduhren den Stand des Mondes wieder. Mit der Quarzkrise in den 1970er-Jahren verlor die mechanische Uhr an Bedeutung und damit auch diese astronomische Komplikation. Erst im Jahr 1983 brachte Blancpain mit dem Kaliber 6395 die Mondphasenanzeige in die Welt der mechanischen Uhren zurück. Die Uhr war ein solcher Erfolg, dass auch viele andere Hersteller die Mondphasenanzeige in ihr Programm aufnahmen. Heute finden sich Mondphasenanzeigen in Uhren beinahe jeder Preiskategorie, allerdings mit unterschiedlicher Präzision. Ein vergleichsweise simpler Mechanismus ermöglicht die Dartstellung. So können auch Basiskaliber um diese Anzeige ergänzt werden.

Die Mondphase dauert astronomisch betrachtet genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Die klassische Mondphasenkonstruktion wird auf 29,5 Tage abgerundet. Ein halber Tag lässt sich jedoch nur schwer in ein mechanisches Räderwerk übersetzen. Deshalb benutzt man bei der einfachen Art der Mondphasenanzeige ein Räderwerk mit 59 Zähnen für zweimal 29,5 Tage. Auf der Mondscheibe befinden sich zwei gegenüberliegende Monde, von denen immer nur einer auf dem Zifferblatt zu sehen ist. Das Räderwerk bewegt die Scheibe automatisch einmal pro Tag um einen Zahn weiter, um die Mondphase korrekt darzustellen. Die Schaltung erfolgt zumeist um Mitternacht. Diese Art der Mondphasenanzeige geht jährlich rund 8 Stunden oder in drei Jahren einen ganzen Tag falsch. Dank mitgeliefertem Korrekturmechanismus lässt sich die Anzeige mit einem kleinen Knopfdruck korrigieren.

Natürlich geht es auch präziser: Spannend wird es, wenn Uhrmacher und Ingenieure besonders präzise Mondphasen entwickeln. Bei komplizierteren Mechanismen muss die Mondphasenanzeige erst nach über 100 Jahren um einen Tag korrigiert werden. Hier spricht man von einer präzisen Mondphasenanzeige.

Audemars Piguet: Royal Oak Ewiger Kalender
Audemars Piguet: Royal Oak Ewiger Kalender

So ist eine Korrektur bei der Royal Oak Ewiger Kalender von Audemars Piguet erst nach 125 Jahren notwendig. Dafür ist das Automatikkaliber 5134 verantwortlich. Hier spricht man von einer präzisen Mondphasenanzeige.

Die 2014 vorgestellte Richard Lange Ewiger Kalender “Terraluna” von A. Lange & Söhne besitzt eine sogenannte orbitale Mondphasenanzeige auf der Gehäuserückseite.  Dabei zeigt das astronomische Miniaturschauspiel nicht nur die einzelnen Mondphasen, sondern über drei rotierende Scheiben auch die Konstellation des Mondes zur Erde und zur Sonne. Die Positionen des Mondes und die Entstehung der Mondphasen sind somit exakt nachvollziehbar. Im Zentrum der Anzeige befindet sich die Erde, die sich täglich einmal gegen den Uhrzeigersinn um ihre eigene Achse dreht. Die Unruh fungiert als Sonne, auf dieser Seite ist es also Tag. Die Mondphasenanzeige muss erst in 1.058 Jahren um einen Tag korrigiert werden.

Den Rekord hält jedoch Andreas Strehler: Seine aus vier Komponenten bestehende Mondphasenanzeige hat eine Fehlerquote von einem Tag in zwei Millionen Jahren. Dazu kombiniert er bei er neuen Sauterelle à heure mondiale noch eine Weltzeitfunktion. Ob eine solche Präzision notwendig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine uhrmacherische Höchstleistung ist es in jedem Fall. Häufig stehen präzise Mondphasen im Zusammenhang mit Komplikationen wie einem Ewigen Kalender und werden von Uhrenmanufakturen angeboten.

Andreas Strehler Sauterelle à heure mondiale: Auf der Werkseite zeigt sich neben der hochpräzisen Mondphasenanzeige die Wahlscheibe für die Zeitzone. Nach Auswahl der zugehörigen Referenzstadt folgt die Zeitanzeige auf dem Zifferblatt in Stundenschritten (125.000 Schweizer Franken ohne Steuern).
Andreas Strehler Sauterelle à heure mondiale: Auf der Werkseite zeigt sich neben der hochpräzisen Mondphasenanzeige die Wahlscheibe für die Zeitzone. Nach Auswahl der zugehörigen Referenzstadt folgt die Zeitanzeige auf dem Zifferblatt in Stundenschritten (125.000 Schweizer Franken ohne Steuern).

Doch auch wer nach einer Uhr mit klassischer Mondphasenanzeige sucht, hat eine große Auswahl. Neben der traditionellen Anzeige in einem halbmondförmigen Fenster bleiben gestalterisch kaum Wünsche offen, wie die hier gezeigten Modelle verdeutlichen.

Bei der HM Double Hemisphere Perpetual Moon von Arnold & Son geben zwei plastisch ausgeführte goldene Mondsymbole den Stand des Mondes, von der nördlichen und der südlichen Hemisphäre aus gesehen, wieder (31.500 Euro).
Selten: Die Drive de Cartier Mondphase von Cartier bietet eine Mondphasenanzeige ohne Datum. Die Komplikation zeigt die verschiedenen Phasen des Mondes in „astronomischer“ Genauigkeit an. Die Anzeige muss theoretisch nur einmal in 125 Jahren um einen Tag korrigiert werden (20.300 Euro).
Sportliche Mondphasenuhr: die Doxa Trofeo T-Master kombiniert die Chronographenfunktion mit einem Vollkalender. Im Zwölf-Stunden-Zähler bei sechs Uhr befindet sich die Mondphasenanzeige in Orange hinter einem durchbrochenen Hilfszifferblatt (3.990 Euro).
Auf dem eleganten Zifferblatt der Senator Excellence Ewiger Kalender von Glashütte Original findet die Mondphasenanzeige zwischen sieben und acht Uhr ihren Platz (19.500 Euro).
Die Mondphasenanzeige gesellt sich bei der Jaquet Droz Grande Seconde zu der großen Sekunde und dem Zeigerdatum bei sechs Uhr. Sie muss nur alle 122 Jahre und 46 Tage korrigiert werden (15.500 Euro).
AHCI-Mitglied Konstantin Chaykin gibt seiner Mondphasenuhr Joker ein Clownsgesicht. Die untere Hälfte des Zifferblatts nimmt die Mondphasenanzeige ein: Hier bewegt sich eine Scheibe mit rotem Mondsymbol durch einen Zifferblattausschnitt, der an einen lachenden Mund erinnert (7.000 Euro).
Omega verwendet für die Mondphasenanzeige der Speedmaster Moonphase Chronograph Master Chronometer ein hochauflösendes Schwarz-Weiß-Bild, das besonders detailliert Krater und Erhebungen des Mondes widerspiegelt. Sie muss erst in 10 Jahren korrigiert werden (9.300 Euro).
Erfordert eine Korrektur der Mondphase bereits nach drei Jahren: die Tonda 1950 Lune von Parmigiani Fleurier. Roségoldene Mondscheiben geben den Stand sowohl von der nördlichen als auch von der südlichen Hemisphäre aus gesehen wieder (11.900 Euro).
Die Executive Moonstruck Worldtimer von Ulysse Nardin verbindet eine Weltzeitanzeige für die 24 ganzstündigen Zeitzonen mit einer Visualisierung des Stands von Sonne und Mond. Das kreisförmige Fenster der Mondphaseanzeige besitzt eine Hell-Dunkel-Unterteilung und stellt dabei den Teil des Trabanten dar, der von der Sonne beschienen wird (95.000 Euro, limitiert auf 100 Stück).

Wie stellt man die Mondphasenanzeige einer Uhr ein?

Die Mondphasenanzeige der Uhr wird entweder über einen eigenen Drücker oder über die Krone eingestellt. So unterscheidet sich auch das jeweilige Vorgehen zum Einstellen der Mondphasenanzeige. Die Verfahren können auch bei den einzelnen Uhrenherstellern variieren.

Einstellen der Mondphasenanzeige mit separatem Drücker:

  1. Betätigen Sie den Drücker so oft bis der Vollmond in der Anzeige erscheint.
  2. Finden Sie anschließend heraus, an welchem Tag der letzte Vollmond war.
  3. Zählen Sie die vergangenen Tage seit dem letzten Vollmond und betätigen Sie der Anzahl entsprechend den Drücker. Nun ist die Mondphasenanzeige richtig eingestellt.

Beispiel: Sie wollen am 14. September 2017 die Mondphase Ihrer Uhr richtig einstellen. Der letzte Vollmond war am 6. September 2017, er liegt folglich 8 Tage zurück. Das heißt, Sie müssen den Drücker 8 Mal betätigen bis die Mondphasenanzeige der Uhr mit der aktuellen Phase des Mondes übereinstimmt.

Einstellen der Mondphasenanzeige über die Krone:

  1. Ziehen Sie die Krone auf die erste Position heraus. Bei den meisten Uhren ist die halb herausgezogene Krone für das Einstellen von Datum und/oder Mondphase zuständig. Diese Einstellung kann jedoch von Hersteller zu Hersteller variieren.
  2. Drehen Sie die Krone solange im Uhrzeigersinn bis das Datum mit dem des letzten Vollmonds übereinstimmt.
  3. Stellen Sie jetzt wieder das aktuelle Datum ein. Die Mondphasenanzeige ist nun richtig eingestellt.

Vollmondkalender 2017:

06. September 2017
05. Oktober 2017
04. November 2017
03. Dezember 2017

Vollmondkalender 2018:

02. Januar 2018
31. Januar 2018
02. März 2018
31. März 2018
30. April 2018
29. Mai 2018
28. Juni 2018
27. Juli 2018
26. August 2018
25. September 2018
24. Oktober 2018
23. November 2018
22. Dezember 2018

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im April 2011.

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Weitere Themen unserer Reihe “Uhren-Komplikationen” finden Sie hier:

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