Die kleinen Komplikationen: Mondphase

Die Mondphasenanzeige – eine Komplikation, zahlreiche Darstellungen

Der folgende Artikel erklärt, wie die Mondphasenanzeige funktioniert und was der Mechanismus kann. Dazu zeigen wir aktuelle Modelle von A. Lange & Söhne, Omega, IWC, Panerai und weiteren spannenden Marken. Sie möchten wissen, wann der nächste Vollmond ist und wie Sie die Mondphasenanzeige Ihrer Uhr richtig einstellen? Kein Problem, auch diese Fragen werden geklärt.

 

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Inhalt:

Rolex: Cellini Moonphase
Bei der Rolex Cellini Moonphase besteht die Mondapplikation aus Meteoritgestein. Ein kleiner Pfeil gibt Auskunft über den Stand des Mondes.

Wie bestimmt der Mond unsere Zeit?

Der Mond übt als erdnächster Himmelskörper eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Er verursacht Gezeiten, inspirierte Dichter und gilt seit jeher als Symbol des Unerreichbaren. Der Mond ist ein natürlicher Satellit der Erde. Nach der Sonne ist er mit Abstand das hellste Objekt am Himmel. Vermutlich war es aus diesem Grunde für den Menschen naheliegend, diesen Planeten erforschen zu wollen. In vielen alten Kulturen nahm der Mond eine religiöse oder mythologische Rolle ein. Wissenschaftliche Studien ergeben, dass der Mond unser Leben auf der Erde so beeinflusst, dass eine Leben ohne ihn nicht möglich wäre. So stabilisiert die Schwerkraft des Mondes die Erde. Ohne sie würde die Erdachse alle paar Millionen Jahre um bis zu 85 Grad kippen. Zugleich bremst die Gravitationskraft des Mondes die Erdrotation ab. Gäbe es diese entschleunigende Kraft nicht, würde sich die Erde so schnell um ihre eigene Achse drehen, dass ein Tag nur noch acht Stunden lang wäre.

Je nach Stellung des Mondes, der Erde und der Sonne zueinander sind von der Erde aus verschiedene Beleuchtungswinkel des Erdtrabanten durch die Sonne zu beobachten. Diese verursachen die wechselnden Mondphasen. Die Phasen hängen davon ab, welcher Teil des Mondes gerade von der Sonne beleuchtet wird. Wir unterscheiden zwischen Neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond. Bei Neumond liegt die erdabgewandte Seite des Mondes im Sonnenlicht, bei Vollmond ist es hingegen die sichtbare Hälfte, die immer dieselbe ist.

Schon bald nutzten die Menschen den regelmäßigen Zyklus des Mondes für die Bestimmung von Zeitspannen und als Basis der ersten Kalender. Schon im Altertum (etwa 4.000 Jahre v. Chr. bis etwa 700 Jahre n. Chr.) zählte man die Zeit von einem Vollmond bis zum nächsten als einen Monat. So erstaunt es auch nicht weiter, dass die Anzeige der Mondphase über eine lange Tradition in der Uhrmacherei verfügt.

Frédérique Constant: Slimline Moonphase Manufacture
Bei der neuen Slimline Moonphase Manufacture von Frédérique Constant sind Datum und Mondphase nun getrennt. Möglich macht dies das Manufakturkaliber FC-702 mit Automatikaufzug.

Seit wann gibt es die ersten Mondphasenuhren?

Bereits im frühen 16. Jahrhundert gaben die ersten Wanduhren den Stand des Mondes wieder. Mit der Quarzkrise in den 1970er-Jahren verlor die mechanische Uhr an Bedeutung und damit auch diese astronomische Komplikation. Erst im Jahr 1983 brachte Blancpain mit dem Kaliber 6395 die Mondphasenanzeige in die Welt der mechanischen Uhren zurück.

Blancpain: Kaliber 6395 von 1983
Blancpain: Mondphasenuhr von 1983

Die Uhr war ein solcher Erfolg, dass auch viele andere Hersteller die Mondphasenanzeige in ihr Programm aufnahmen. Heute finden sich Mondphasenanzeigen in Uhren beinahe jeder Preiskategorie, allerdings mit unterschiedlicher Präzision. Ein vergleichsweise simpler Mechanismus ermöglicht die Dartstellung. So können auch Basiskaliber um diese Anzeige ergänzt werden.

Wie funktioniert eine Mondphasenuhr?

Die Mondphase dauert astronomisch betrachtet genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Die klassische Mondphasenkonstruktion wird auf 29,5 Tage abgerundet. Ein halber Tag lässt sich jedoch nur schwer in ein mechanisches Räderwerk übersetzen. Deshalb benutzt man bei der einfachen Art der Mondphasenanzeige ein Räderwerk mit 59 Zähnen für zweimal 29,5 Tage. Auf der Mondscheibe befinden sich zwei gegenüberliegende Monde, von denen immer nur einer auf dem Zifferblatt zu sehen ist. Das Räderwerk bewegt die Scheibe automatisch einmal pro Tag um einen Zahn weiter, um die Mondphase korrekt darzustellen. Die Schaltung erfolgt zumeist um Mitternacht. Diese Art der Mondphasenanzeige geht jährlich rund 8 Stunden oder in drei Jahren einen ganzen Tag falsch. Dank mitgeliefertem Korrekturmechanismus lässt sich die Anzeige mit einem kleinen Knopfdruck korrigieren.

Was ist eine präzise Mondphasenanzeige?

Natürlich geht es auch präziser: Spannend wird es, wenn Uhrmacher und Ingenieure besonders präzise Mondphasen entwickeln. Bei komplizierteren Mechanismen muss die Mondphasenanzeige erst nach über hundert oder mehreren hundert Jahren um einen Tag korrigiert werden. Hier spricht man von einer präzisen Mondphasenanzeige.

IWC: Portugieser Ewiger Kalender in Platin
IWC: Portugieser Ewiger Kalender in Platin

Sie weicht bei der IWC Portugieser Ewiger Kalender die Anzeige erst in 577,5 Jahren nur um einen Tag vom tatsächlichen Mondumlauf ab. Mit der doppelten Mondphase für die Nord- und Südhalbkugel zeigt die Uhr den Planeten exakt so an, wie er am Himmel erscheint. Möglich macht dies das automatische Manufakturkaliber 52615.

Die 2014 vorgestellte Richard Lange Ewiger Kalender “Terraluna” von A. Lange & Söhne besitzt eine sogenannte orbitale Mondphasenanzeige auf der Gehäuserückseite.  Dabei zeigt das astronomische Miniaturschauspiel nicht nur die einzelnen Mondphasen, sondern über drei rotierende Scheiben auch die Konstellation des Mondes zur Erde und zur Sonne. Die Positionen des Mondes und die Entstehung der Mondphasen sind somit exakt nachvollziehbar. Im Zentrum der Anzeige befindet sich die Erde, die sich täglich einmal gegen den Uhrzeigersinn um ihre eigene Achse dreht. Die Unruh fungiert als Sonne, auf dieser Seite ist es also Tag. Die Mondphasenanzeige muss erst in 1.058 Jahren um einen Tag korrigiert werden.

A. Lange & Söhne: Ewiger Kalender Terraluna
A. Lange & Söhne: Ewiger Kalender Terraluna, Rückseite
Von links nach rechts: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond, abnehmender Mond.

Den Rekord hält jedoch Andreas Strehler: Seine aus vier Komponenten bestehende Mondphasenanzeige hat eine Fehlerquote von einem Tag in zwei Millionen Jahren. Dazu kombiniert er bei er neuen Sauterelle à heure mondiale noch eine Weltzeitfunktion. Ob eine solche Präzision notwendig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine uhrmacherische Höchstleistung ist es in jedem Fall. Häufig stehen präzise Mondphasen im Zusammenhang mit Komplikationen wie einem Ewigen Kalender und werden von Uhrenmanufakturen angeboten.

Andreas Strehler Sauterelle à heure mondiale: Auf der Werkseite zeigt sich neben der hochpräzisen Mondphasenanzeige die Wahlscheibe für die Zeitzone. Nach Auswahl der zugehörigen Referenzstadt folgt die Zeitanzeige auf dem Zifferblatt in Stundenschritten (125.000 Schweizer Franken ohne Steuern).
Andreas Strehler Sauterelle à heure mondiale: Auf der Werkseite zeigt sich neben der hochpräzisen Mondphasenanzeige die Wahlscheibe für die Zeitzone. Nach Auswahl der zugehörigen Referenzstadt folgt die Zeitanzeige auf dem Zifferblatt in Stundenschritten.

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Mondphasenanzeige mit Quarzantrieb

Paul Gerber: EPR 52 Micro-Mondphase, integriert im Armband
Paul Gerber: EPR 52 Micro-Mondphase, integriert im Armband

Uhrmacher und AHCI-Mitglied Paul Gerber hat eine Mondphasenanzeige mit Quarzantrieb entwickelt. Die von ihm entwickelte Micro-Mondphase EPR 52 wird in das Armband der Uhr integriert und verbindet damit die mechanische Mondphasenanzeige und den elektromagnetischen Antrieb. Denn ohne Anschluss an die “Mutteruhr” braucht die Mondphasendarstellung eine eigene Zeitquelle beziehungsweise einen eigenen Antrieb. Die Micro-Mondphase hat eine Gangdauer von ungefähr drei Jahren, was in etwa der Lebensdauer eines normal beanspruchten Lederarmbandes entspricht. So kann der Austausch von Band und Batterie in einem Abwasch erfolgen. Die fällige Korrektur der auf etwa zweieinhalb Jahre genau gehenden Mondphasenanzeige wird dabei vom Uhrmacher gleich mit erledigt. 

Aktuelle Mondphasenuhren

Doch auch wer nach einer Uhr mit klassischer Mondphasenanzeige sucht, hat eine große Auswahl. Neben der traditionellen Anzeige in einem halbmondförmigen Fenster bleiben gestalterisch kaum Wünsche offen, wie die hier gezeigten Modelle verdeutlichen.

Bei der Heritage Chronométrie Perpetual Calendar Sapphire von Montblanc erscheint der Mond dreidimensional und ähnelt in seiner Farbgestaltung dem realen Mond (12.500 Euro)
Bei der Raymond Weil Maestro Moon Phase sitzt die Mondphasenanzeige bei sechs Uhr und zeigt in einer sichelförmigen Öffnung einen Sternenhimmel mit Mond (1.550 Euro)
Vacheron Constantin: Historiques Triple Calendrier 1948 mit Mondphase und Kalenderanzeigen in Rot (35.700 Euro).
Bei der L’Astronomo Luminor 1950 Tourbillon Moon Phases Equation of Time GMT hat Panerai zum ersten Mal eine Mondphasenanzeige verbaut. Sei befindet sich auf der Gehäuserückseite (199.000 Euro).
Omega verwendet für die Mondphasenanzeige der Speedmaster Moonphase Chronograph Master Chronometer ein hochauflösendes Schwarz-Weiß-Bild, das besonders detailliert Krater und Erhebungen des Mondes widerspiegelt. Sie muss erst in 10 Jahren korrigiert werden (9.300 Euro).
Saxonia Mondphase von A. Lange & Söhne: Das Großdatum steht bei zwölf Uhr auf einer Achse über der Mondphasenanzeige bei sechs Uhr, welche über eine außergewöhnliche Präzision von 122,6 Jahren verfügt. Sie ist mit 852 Sternen verziert und ständig in Bewegung (28.500 Euro).
In ihrer Einzeigeruhr Lunascope bietet die deutsche Uhrenmarke Meistersinger eine Mondphasenanzeige mit übergroßem, fotorealistischem Mond (2.990 Euro).
Bei der Blancpain Villeret Quantième Complet GMT befindet sich die Mondpahsenanzeige in der Zifferblattmitte (14.750 Euro).
Patek Philippe integriert bei der Nautilus Ewiger Kalender, Referenz 5740/1G eine Mondaphsenanzeige in das kleine Zeigerdatum bei der Sechs (107.125 Euro)
Edel: Bei der Glashütte Original Senator Excellence Panoramadatum Mondphase sitzt die Anzeige zwischen 10 und 11 Uhr (10.200 Euro).
Die L.U.C All-in-One von Chopard zeigt auf der Rückseite eine orbitale atronomische Mondphase an (395.000 Euro)
Die Moonmachine von MB & F mit kunstvoller Mondphasenanzeige. Die Mondphase wird durch ein optisches, vertikal reflektierendes Prisma dargestellt (89.500 Euro)

Wie stellt man die Mondphasenanzeige einer Uhr ein?

Die Mondphasenanzeige der Uhr wird entweder über einen eigenen Drücker oder über die Krone eingestellt. So unterscheidet sich auch das jeweilige Vorgehen zum Einstellen der Mondphasenanzeige. Die Verfahren können auch bei den einzelnen Uhrenherstellern variieren.

Einstellen der Mondphasenanzeige mit separatem Drücker:

  1. Betätigen Sie den Drücker so oft bis der Vollmond in der Anzeige erscheint.
  2. Finden Sie anschließend heraus, an welchem Tag der letzte Vollmond war.
  3. Zählen Sie die vergangenen Tage seit dem letzten Vollmond und betätigen Sie der Anzahl entsprechend den Drücker. Nun ist die Mondphasenanzeige richtig eingestellt.

Beispiel: Sie wollen am 14. September 2017 die Mondphase Ihrer Uhr richtig einstellen. Der letzte Vollmond war am 6. September 2017, er liegt folglich 8 Tage zurück. Das heißt, Sie müssen den Drücker 8 Mal betätigen bis die Mondphasenanzeige der Uhr mit der aktuellen Phase des Mondes übereinstimmt.

Einstellen der Mondphasenanzeige über die Krone:

  1. Ziehen Sie die Krone auf die erste Position heraus. Bei den meisten Uhren ist die halb herausgezogene Krone für das Einstellen von Datum und/oder Mondphase zuständig. Diese Einstellung kann jedoch von Hersteller zu Hersteller variieren.
  2. Drehen Sie die Krone solange im Uhrzeigersinn bis das Datum mit dem des letzten Vollmonds übereinstimmt.
  3. Stellen Sie jetzt wieder das aktuelle Datum ein. Die Mondphasenanzeige ist nun richtig eingestellt.

Vollmondkalender 2018/2019:

02. Januar 2018
31. Januar 2018
02. März 2018
31. März 2018
30. April 2018
29. Mai 2018
28. Juni 2018
27. Juli 2018
26. August 2018
25. September 2018
24. Oktober 2018
23. November 2018
22. Dezember 2018
21. Januar 2019
19. Februar 2019
21. März 2019
19. April 2019
18. Mai 2019
17. Juni 2019

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im April 2011.

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Weitere Themen unserer Reihe “Uhren-Komplikationen” finden Sie hier:

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