Die kleinen Komplikationen: Drehlünette

Alles was Sie über die Drehlünette wissen sollten

 Redaktion
von Redaktion
am 9. Juli 2018

Dieser Teil unserer Serie “Die kleinen Komplikationen” beschäftigt sich mit einer Funktion, die zwar keine werktechnische Komplikation darstellt, aber dennoch eine wichtige Zusatzfunktion ist: die Drehlünette. Diese „Gehäusefunktion“ lässt sich für diverse Uhrentypen nutzen. Eine Auswahl davon stellen wir hier vor.

Rolex: Oyster Perpetual GMT-Master II in Edelstahl mit Pepsi-Lünette und Jubilé-Band
Rolex: Oyster Perpetual GMT-Master II in Edelstahl mit Pepsi-Lünette und Jubilé-Band (8.400 Euro)

Die Drehlünette bei GMT-Uhren

Bei Uhren mit zweiter Zeitzone wird diese manchmal über eine 24-Stunden-Skala auf deren Lünette angezeigt. Ein Beispiel dafür ist die Oyster Perpetual GMT-Master II mit blau-roter Lünette, genannte Pepsi-Lünette von Rolex.

Die Drehlünette bei Taucheruhren

Am häufigsten findet sich der Drehring bei Taucheruhren, wo er sich meist nur in eine Richtung bewegen lässt. Das liegt daran, dass der Taucher auf der Drehlünette die verbleibende Tauchzeit abliest. Vor dem Abtauchen stellt der Taucher den Leuchtpunkt der Tauchlünette auf den Minutenzeiger. So kann er während des Tauchgangs ablesen, wie lange er bereits unter Wasser ist.  Ist die Lünette nur in eine Richtung drehbar, ist sichergestellt, dass die Tauchzeit sich, wenn der Taucher aus Versehen gegen etwas stößt, nur verkürzen, aber nie verlängern kann. Idealerweise ist dieser Drehring so griffig, dass er sich auch mit Handschuhen verstellen lässt, und besitzt für die Ablesbarkeit unter Wasser einen Leuchtpunkt sowie eine durchgehende Minutenteilung.

IWC: Aquatimer Automatic
IWC Aquatimer Automatic mit über Drehlünette gesteuerter Innentauchzeitskala (5.350 Euro)

Bei der Aquatimer-Modellen von IWC wird der innenliegende Drehring mit der Skala für die Tauchzeit über die außenliegende Lünette gesteuert. Die Skala dreht sich aus Sicherheitsgründen aber nur, wenn die Lünette gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird. So wird auch hier sichergestellt, dass die angezeigte Tauchzeit sich nicht verlängert.

Sinn Spezialuhren: T1 B mit blauem Silikonband
Sinn Spezialuhren: T1 B mit blauem Silikonband (2.920 Euro)

Bei der U 1000 und den Modellen T1 und T2 der Frankfurter Uhrenmarke Sinn muss man die Lünette an zwei gegenüber liegenden Punkten herunterdrücken, bevor man sie drehen kann. Sinn nennt seinen Drehring unverlierbar. Er ist nicht wie üblich nur aufgesteckt, sondern durch seitliche Schrauben gesichert, sodass er bei einem Stoß nicht abspringen kann.

Tudor: Black Bay Fifty-Eight mit Edelstahlband
Tudor: Black Bay Fifty-Eight mit Edelstahlband (3.330 Euro)

Die hier gezeigte Tudor Black Bay Fifty-Eight erfügt über eine klassisch einseitig drehbare Lünette mit Tauchzeitskala.

Sie wollen mehr über den Tauchdrehring erfahren? Alle wichtigen Information zur Tauchdrehlünette erhalten Sie in diesem ausführlichen Artikel!

Die Drehlünette bei Fliegeruhren

Der zweithäufigste Uhrentyp mit Drehlünette ist die Fliegeruhr. Hier darf und soll der Ring in beide Richtungen beweglich sein. Vor allem Piloten, die nach Sichtflugregeln fliegen, nutzen die zusätzliche Minutenskala als Navigationshilfe: Beim Start wird der Nullpunkt auf den Minutenzeiger ausgerichtet, sodass die Lünette die Flugminuten zählt. Wenn die geplante Route beispielsweise nach 13 Minuten Richtungswechsel bei bestimmten Landmarken vorsieht, lässt sich auf der Lünette verfolgen, wann es Zeit ist, nach dem jeweiligen Autobahnkreuz oder Kirchturm Ausschau zu halten.

Stowa: Flieger Professional DIN
Stowa: Flieger Professional DIN (2.150 Euro)

Ein Chronograph kann diese Funktion nur unzureichend ersetzen, da sich der meist kleine Minutentotalisator viel schwerer ablesen lässt als der zentrale Zeiger einer Fliegeruhr. Über einen solchen verfügt beispielsweise auch die Flieger Professional DIN von Stowa. 

Oris Paradropper LT Staffel 7 Limited Edition
Oris Paradropper LT Staffel 7 Limited Edition (3.700 Euro)

Das Modell Paradropper LT Staffel 7 Limited Edition hat Oris speziell für Piloten der Swiss Air Force Lufttransport Staffel 7 entwickelt, die Fallschirmjäger zu ihren Absprungzonen fliegen. Mit Hilfe der Skalen auf der Drehlünette kann der Pilot einstellen, wann er den Fallschmirmjägern die entsprechenden Signale zur Vorbereitung und zum Absprung geben muss. Mit dem Chronographen kann der Pilot dann Landeareale berechen.

Die Drehlünette zur Umrechnung von Einheiten

Besonders viele Uhren mit Fliegerlünette bietet Breitling an. Doch hier spielen Drehlünetten noch eine andere Rolle: Seit dem Chronomat aus dem Jahr 1941 und dem bis heute berühmten Navitimer von 1952 dient die Lünette zur Umrechnung von Einheiten.

Breitling: Chronomat, 1941
Mit höchstem Segen: Der Navitimer von 1952 mit dem Doppelschwingen-Logo der AOPA (Aircraft Owners and Pilots Association). Die drehbare Lünette ermöglicht komplexe Rechenoperationen

Für Piloten ist vor allem das Verhältnis von Kilometern zu nautischen Meilen interessant: Mit Hilfe der Rechenschieberlünette kann der Träger eine Größe auf dem äußeren Zahlenring auf eine feststehende Meilen-Markierung am linken Zifferblattrand einstellen. Bei einer weiteren feststehenden Markierung auf zwölf Uhr lässt sich nun auf dem Drehring dieselbe Größe in Kilometern ablesen.
Auch andere Berechnungen sind mit Hilfe des Dreisatzes möglich, wenn man die Umrechnungsformel kennt. Wenn beispielsweise eine Währung das 1,7-Fache einer anderen wert ist, kann man auf dem äußeren Ring die 17 auf die innere 10 drehen und bekommt nun rund um das Zifferblatt alle Preise umgerechnet.

Breitling Cockpit B50
Breitling Cockpit B50 im 46-Millimeter-Titangehäuse mit Titanband (6.470 Euro)

Eine weitere Funktion, die auf Drehlünetten von Breitling und anderen Marken Verwendung findet, ist die Richtungsanzeige über eine 360-Grad-Skala. So trägt zum Beispiel die Breitling Cockpit B50 auf der Lünette Markierungen für die vier Haupthimmelsrichtungen und die dazwischen liegenden Winkelgrade. Mit ihrer Hilfe kann der Pilot beispielsweise einen vom Tower durchgegebenen Kurs auf die Zwölf drehen und sich diesen merken. Zudem lässt sich nun bei der Sechs komfortabel der Gegenkurs ablesen – eine Funktion, die vor allem beim Anflug auf einen Flugplatz hilfreich ist. Ob die sogenannte Kursmemo als Ergänzung zu den vielfältigen Cockpitanzeigen tatsächlich Verwendung findet, hängt jedoch von den Gewohnheiten des Piloten ab.

Die Drehlünette als Countdown-Lünette

Zu guter Letzt gibt es Countdown-Lünetten mit rückwärts laufender Minutenskala. Ein solches Herunterzählen bis zu einem vorbestimmten Nullpunkt wird vor allem bei militärischen Aktionen praktiziert. Doch es gibt auch Uhren, wie die hier gezeigten, auf deren Einsatz die Countdown-Lünette abgestimmt ist.

Mühle Glashütte Seebataillon GMT
Mühle Glashütte Seebataillon GMT (2.700 Euro)

Die Seebataillon GMT von Mühle-Glashütte wurde speziell für die deutsche Marine-Eliteeinheit entwickelt. Mit Hilfe ihrer beidseitig drehbaren Lünette lassen sich jegliche Aktionen genau timen, denn sie besitzt eine Countdown-Einteilung. Auch lässt sich so schnell die verbleibende Tauchzeit ablesen. Zuletzt ist als ziviler Einsatzzweck natürlich auch etwas Alltägliches, wie das Nudelkochen denkbar – oder das Warten auf die Liebste, die ihr Erscheinen in einer halben Stunde angekündigt hat.

Weitere aktuelle Modelle mit unterschiedlicher Funktionsweise der Drehlünette sehen Sie hier:

Einseitig drehbare Lünette zur Einstellung der zweiten Zeitzone: Omega Seamaster Planet Ocean Master Chronometer GMT (7.000 Euro)
Die Lünette der Fliegeruhr Junghans Meister Pilot lässt sich in beide Richtungen verstellen (2.440 Euro).
Die Sinn 212 KSK besitzt eine beidseitig drehbare Kompasslünette (2.645 Euro).
Zur Einstellung der Tauchzeit besitzt die Oris Regulateur Meistertaucher eine einseitig drehbare Lünette (2.900 Euro).
Mit Tauchlünette: die Seiko Prospex Automatik Diver's (400 Euro)
Jean Marcel: Oceanum La Grande Bleue No.1 mit Tauchdrehlünette (2.500 Euro)
Die TAG Heuer Carrera Heuer 02 GMT zeigt mit dem zentralen Zeiger für die zweite Zeitzone auf die 24-Stunden-Skala auf der Lünette (5.500 Euro).
Die Tudor Black Bay GMT besitzt eine markante Lünette in Bordeaux und Blau für eine zweite Zeitzone (3.330 Euro)
Mit Tauchlünette: die Hydroconquest von Longines (1.390 Euro)

Weitere Themen unserer Reihe “Uhren-Komplikationen” finden Sie hier:

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Februar 2011.

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