Dreiviertelplatinen aus Neusilber

Typisch für A. Lange & Söhne

Man könnte annehmen, es handelt sich um ein Material, das zum Teil aus Silber besteht. Dem ist jedoch nicht so. Neusilber ist eine silberähnliche Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel. Es ist dem Edelmetall zwar ähnlich, doch Silber ist lediglich beim Namen im Spiel. Die silberweiß bis gelb glänzende Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink (CuNiZn) gelangte im 17. Jahrhundert von China nach Europa. Man nannte es damals “Packfong”. Es dauerte gut ein Jahrhundert, bis man herausfand, woraus diese Legierung bestand und noch ein weiteres, bis man mit der industriellen Herstellung von Neusilber begann. Anlass dazu gab im Jahr 1823 ein Wettbewerb, bei dem es darum ging, eine Legierung zu finden, die dem Silber ähnlich ist, aber nur maximal ein Sechstel von diesem kostet. Somit wurde Neusilber als “Ersatz” für echtes Silber entwickelt.

A. Lange & Söhne: Neusilber Platinen
Dreiviertelplatinen aus Neusilber – typisch für A. Lange & Söhne

Im Spanischen heißt Neusilber “Plata Alemana”, im Englischen “German Silver” – beides für “Deutsches Silber”, vielleicht weil hier die industrielle Erzeugung in Europa begann. Geläufige Begriffe sind außerdem: Alpacca, Argentan, Cuivre blanc, Maillechort, Minargent oder Nickel Silver. Einen Verwendungszweck fand und findet es immer noch in der Herstellung von Essbestecken. Kupfer macht den größten Anteil bei Neusilber aus. Dieser kann je nach Zusammensetzung zwischen 47 und 64 Prozent liegen. Nickel ist mit 10 bis 25 Prozent sowie Zink mit 15 bis 42 Prozent im Neusilber enthalten. Diese Materialien sorgen für die silberähnliche Farbe. Um Neusilber besser verarbeiten zu können oder bestimmte Materialeigenschaften zu optimieren, können außerdem Blei, Mangan oder Zinn beigemischt werden. Die Eigenschaften sind so vielfältig wie die Legierung selbst, weshalb Neusilber sowohl für dekorative Zwecke als auch im industriellen Bereich gefragt ist. In der Uhrmacherei kommt es für Brücken, Kloben, Platinen sowie Klangfedern zum Einsatz. Einer der renommiertesten Verwender ist dabei A. Lange & Söhne. Neusilberwerke mit Zierschliffen sind hier seit 1880 dokumentiert. Sie kamen zunächst wegen des langen Seetransports und der damit verbundenen Korrosionsgefahr in Taschenuhrwerken für den amerikanischen Markt zum Einsatz. Später wurde das Material auch für andere Werke verwendet. Nach der Neugründung 1990 entschieden Walter Lange und Günter Blümlein, an diese Tradition anzuknüpfen. Neben den positiven Materialeigenschaften, der Ästhetik und der Historie spielte dabei auch der Aspekt der Alleinstellung und Differenzierung gegenüber der Schweizer Haute Horlogerie eine Rolle. Das bei Lange für die Gestellteile verwendete Neusilber besteht zu gut 60 Prozent aus Kupfer, zu knapp einem Viertel aus Zink und zu etwa einem Achtel aus Nickel. Durch die Beimischung von Nickel ist die Legierung verwindungsfester und stabiler als Messing. Nickel verhindert zudem, dass der Werkstoff an der Luft korrodiert. Eine galvanische Nachbearbeitung des Neusilbers erübrigt sich deshalb. Das Material bleibt also naturbelassen und bildet im Laufe der Zeit eine hauchdünne schützende Oxydschicht. Man erkennt diese an der goldfarbenen Patina. Die Oberfläche ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Säure. Deshalb wird ausschließlich mit Fingerschutz gearbeitet. Neusilber eignet sich hervorragend für Handgravuren, zum Beispiel auf dem Unruhkloben. Thermisch gebläuten Schrauben, Goldchatons und rubinrote Lagersteine kommen auf der ebenfalls Lange-typischen Dreiviertelplatine aus Neusilber besonders gut zur Geltung.

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