Wie bei Casio Uhren gefertigt werden

Zu Besuch in der japanischen Uhrenmanufaktur Casio

Martina Richter
von Martina Richter
am 29. Dezember 2017

Casio ist als Entwicklungspionier und Marktführer in der elektronischen Uhrenwelt bekannt. Doch das Unternehmen setzt betont auch auf traditionelles, japanisches Handwerk und verbindet dieses geschickt mit modernen Technologien.

Casio: Die Premium-G-Shock Serie MR-G
Casio: Die Premium-G-Shock Serie MR-G

Gerade als Casio mit der Leader-Marke G-Shock die 100-Millionen-Schwelle überschritt, waren wir beim japanischen Uhrenhersteller auf Firmenbesuch. Und natürlich hielten wir einige der neuesten G-Shock-Modelle in den Händen, zum Beispiel die MRG-G2000, die mit dem 3-Wege-Modul Connected Engine ausgestattet ist, das Funksignale und GPS-Satellitendaten zur Zeitkalibrierung empfängt und durch Kopplung mit dem Smartphone auch eine Verbindung zum Internet herstellen kann.

Casio: G-Shock MRG-G2000HT
Casio: G-Shock MRG-G2000HT

Die erste G-Shock brachte Casio 1983 auf den Markt und hat seitdem ihre Funktionalitäten und Leistungen ständig weiterentwickelt. Der multifunktionale Zeitmesser entstand aus der Idee heraus, eine quasi unzerstörbare Uhr zu erschaffen. Casios Ingenieure folgten einem sogenannten “Triple-10”-Konzept, nach dem die Uhr einen Sturz aus zehn Metern Höhe überstehen, zehn Bar Wasserdruck standhalten und mit nur einer einzigen Batterie eine Laufzeit von zehn Jahren erreichen sollte.

Nach etwa zwei Jahren Entwicklungszeit und mehr als 200 Prototypen war die stoßfeste Konstruktion fertig. Aktuelle G-Shock-Modelle laufen mit dem Tough-Solar-System, bei dem Solarfelder geringste Lichtquellen einfangen und in Antriebsenergie umwandeln, und mit zweijähriger Dunkelgangreserve. Sie halten 20 Bar Druck aus, und ihre Funktionsmodule sind stoßdämpfend in Silikon gelagert.

Casio G-Shock – von der absolut stoßfesten Uhr zum Multifunktions-Tool

Im Casio-Hamura-Technologiezentrum konnten wir einige der 179 Härtetests, die an G-Shock-Modellen und einzelnen Teilen durchgeführt werden, auf beeindruckende Weise erleben. Monströse Konstruktionen prüfen die namensgebende Schock-Resistenz, Zug- und Druckfestigkeiten, Wasserdichtheit, Licht-, Temperatur- sowie Korrosionsbeständigkeit und vieles, vieles mehr. Je nach Modell werden die Tests x-fach wiederholt. Die Funktionsweise von Drückern zum Beispiel wird bis zu 10.000 Mal ausprobiert. Dabei entsprechen die Prüfungen international geltenden Normen oder gehen weit über diese hinaus. Das dafür erforderliche Test-Equipment wird von Casio selbst konzipiert und gebaut.

Für die reife G-Shock-Generation: Premium-Serie MR-G

Um die reifer gewordene G-Shock-Gemeinde zu bedienen, gibt es seit 1996 die High-End-Serie MR-G. Deren Uhren bestehen komplett aus Metall und sind hochveredelt – zum Beispiel mit dem Kasumi-tsuchime-Finish, einer speziellen Hammertechnik. Ganz neu zum Einsatz kommt bei der MRG-G2000CB das in Japan entwickelte Material Cobarion.

Casio: G-Shock Modell von 2017
Casio: G-Shock GST
Metallhandwerks­kunst Tsuiki
Gehämmerte Lünette nach dem Tsuiki-Handwerk
Casio: G-Shock MRG-G2000HT
Casio: MRG-G2000CB aus Cobarion
Casio: Outdoor-Uhr WSD-F20
Casio: Edifice EQB-800 mit Link zum Smartphone

Es ist zwei- bis dreimal härter als Edelstahl, nickelfrei, verschleißarm und bietet damit eine gute Grundlage für eine edle Hochglanzpolitur. Diese wird auf eine tiefschwarze Lünette aufgebracht und soll an die dunklen Rüstungen der “Schwarzen Garde”, einer Einheit von Samurai-Kriegern, erinnern.

Vollautomatische Casio-Uhren-Montage und feinstes Handwerk

Japanischen Traditionen und Handwerkskunst zu pflegen und mit hochmoderner Fertigung und Technologie zu verbinden, das ist die angesagte Strategie von Casio. Sie findet ihren Ausdruck in der vertikal integrierten Manufaktur von Yamagata, die stellenweise an Uhrenmanufakturen im sächsischen Glashütte oder Schweizer Jura erinnert. Von der Konstruktion, über den Werkzeug- und Formenbau, die Materialbeschaffung bis hin zu den Montagestrecken und Veredelungsprozessen erfolgt hier alles auf höchst modernem Niveau. So entstehen einzelne Komponente wie Räder oder Indexe, ganze Funktionsmodule bis hin zu komplexen Gussteilen für Gehäuse und Armbänder aus dem extrem haltbaren und flexiblen Kunstharz Resin – ein Material, das Casio auch selbst herstellt.

Zu Gast bei Casio: Hamura-Technologiezentrum
Hamura-Technologiezentrum: Prototypentests bei Casio
Uhrwerk-Basis für Casios Multifunktionszeitmesser
Vollautomatische Montagestrecke bei Casio
Montiertes Casio-Kaliber
Casio: Blick in die Premium-Produktionslinie
Handarbeit in der Premiumlinie bei Casio
Casio-Produktion: Handmontage einzelner Kleinteile
Der Casio-Roboter arbeitet mit 500 verschiedenen Werkzeugen
Armband aus Resin, einem Casio-eigenes Material

2,6 Millionen Uhren verlassen jedes Jahr die Manufaktur. Die Anzahl der gefertigten Einzelteile könne man nicht einmal schätzen, sagt Generaldirektor Keiichi Tsuchida im Interview. 620 Mitarbeiter sind derzeit in Yamagata beschäftigt, doch gleich nebenan entsteht eine neue, größere Manufaktur, die 2018 eröffnet wird. Auf einer Fläche von etwa 4.000 Quadratmetern wird sie auch jene Bereiche der Uhrenproduktion integrieren, die sich heute noch in externen Gebäuden befinden.

Neben ungezählten CNC-Maschinen, Industrierobotern und vollautomatischen Produktionslinien beeindruckt in Yamagata nicht zuletzt die 2012 neu eingerichtete “Premium Production Line”, in der die High-End-Modelle MR-G von Hand montiert und veredelt werden. Modulteile werden montiert, Zeiger präzise gesetzt und alle Uhren ausgiebig getestet. Wer hier arbeitet, hat eine besondere technische Qualifikation. Den Status eines Meisters erreicht nur, wer sieben Jahre Erfahrung in der “Premium Production Line” gesammelt hat.

Und wer hätte vor über 30 Jahren gedacht, dass die G-Shock selbst einmal die Rolle eines Meisters übernehmen wird. Als Plattform moderner Technologien und traditionellen japanischen Handwerks wird sie diese auch weiterhin spielen, lautet das Statement von Shigenori Ito, verantwortlich für Marketing und Vertrieb weltweit, zum Abschluss unseres Besuches im Casio Headquarter in Tokio. MaRi

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