10 typische Merkmale von Fliegeruhren

Woran man klassische Fliegeruhren leicht erkennen kann

Alexander Krupp
von Alexander Krupp
am 14. Februar 2018

Unter dem Begriff „Fliegeruhr“ werden heute alle möglichen Zeitmesser zusammengefasst. Klare Designcodes besaßen in der Vergangenheit vor allem die militärischen Modelle der vierziger Jahre. Wer eine entsprechende Retrouhr sucht, sollte die historischen Vorgaben dieses Genres kennen.

Der Traum vom Cockpit: Fliegeruhren sind nicht nur etwas für echte Piloten sondern für alle, die sich mit dem Fliegen verbunden fühlen – oder einfach das Fliegeruhren-Design mögen.
Der Traum vom Cockpit: Fliegeruhren sind nicht nur etwas für echte Piloten sondern für alle, die sich mit dem Fliegen verbunden fühlen – oder einfach das Fliegeruhren-Design mögen.

Die Militäruhren der vierziger Jahre als Vorbild

Fliegen gehört zu den beeindruckendsten Dingen, die der technische Fortschritt dem Menschen ermöglicht hat. Schon früh wurden für diesen Zweck Uhren entwickelt. Sie mussten sich unter allen Bedingungen leicht ablesen und bedienen lassen, damit der Zeitmesser seinen Zweck als Navigationsinstrument erfüllen konnte. Eine Uhr, die zur Navigation einsetzbar war, nannte man auch Beobachtungsuhr, kurz B-Uhr.

In heutigen Retromodellen wird am häufigsten das Design der militärischen Pilotenuhren aus den vierziger Jahren zitiert. Hier finden sich besonders viele Merkmale, die für einen hohen Nutzungskomfort und damit für größtmögliche Sicherheit im Cockpit sorgten. Welche Elemente das sind? Im Grunde alle sichtbaren Bestandteile von Zifferblatt und Zeigern über Gehäuse samt Krone bis hin zum Armband.

Wempe: Beobachtungsuhr von 1942
Wempe: Beobachtungsuhr von 1942

Das Fliegeruhren-Zifferblatt:

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #1 – mattschwarzes Blatt:
Das Zifferblatt einer klassischen Fliegeruhr, wie sie beispielsweise die Piloten im Zweiten Weltkrieg nutzten, hat dank seiner mattschwarzen, meist gekörnten Oberfläche nicht reflektiert.

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #2 – klar ablesbare Anzeige:
Noch wichtiger für die Ablesbarkeit als das mattschwarze Zifferblatt war jedoch die reduzierte, klar gegliederte Zeitanzeige mit gut erkenn- und unterscheidbaren Stunden- und Minutenindexen.

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #3 – Nullindex in Dreiecksform:
Der Nullindex in Dreiecksform beruhte auf militärischen Vorgaben und sollte sich bestmöglich von den Stundenzahlen unterscheiden. Es gab das Dreieck sowohl allein als auch in Kombination mit zwei links und rechts platzierten Punkten.

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #4 – Leuchtmasse:
Sämtliche Indexe waren genauso großzügig mit Leuchtmasse belegt wie die – meist rautenförmigen – Zeiger, die sich in Breite und Länge deutlich voneinander unterschieden. Es versteht sich von selbst, dass auch der Sekundenzeiger im Dunkeln leuchtete.

Laco: Replika 45 (1.498 Euro)
Laco: Replika 45 (1.498 Euro)

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #5 – kein Logo:
Zu guter Letzt trugen militärische Fliegeruhren kein Logo, da dieses aus funktionaler Sicht nutzlose Element lediglich die Ablesbarkeit eingeschränkt hätte. Eine aktuelle Fliegeruhr, die alle Zifferblatt-Merkmale in sich vereint ist beispielsweise die Mini-Replika von Laco. Es gibt sie sowohl als Baumuster A als auch B. Beide Gestaltungsvarianten wurden in den 1940er-Jahren für die deutsche Luftwaffe produziert. Baumuster A war für Piloten gedacht und entsprach einem klassisch-schlichten Zifferblatt mit Stundenzahlen; Baumuster B (siehe Bild) erleichterte Navigatoren ihre Arbeit durch große Minutenzahlen am Rand sowie einen kleinen, dezenten Stundenkreis nahe dem Zentrum.

Das Fliegeruhren-Gehäuse:

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #6 – satinierte Oberflächen:
Die in vielerlei Hinsicht optimierte Ablesbarkeit der Anzeigen setzte sich bei klassischen Fliegeruhren in der Hülle fort: Auch hier durfte nichts spiegeln oder reflektieren, weshalb die Uhrenschalen satiniert und nicht poliert wurden.

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #7 – große griffige Krone:
Die Krone war groß, geriffelt und durfte nicht flach an der Gehäuseflanke anliegen, was den Bedienkomfort geschmälert hätte. Stattdessen stand sie entweder von der Seite der Uhr ab oder besaß eine besondere Form: Konisch zum Gehäuse hin zulaufende Bedienelemente waren ebenso häufig wie die annähernd runde Zwiebelkrone.

IWC Große Fliegeruhr in der aktuellen Version (13.500 Euro)
IWC Große Fliegeruhr in der aktuellen Version (13.500 Euro)

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #8 – große Gehäuse:
Auch die Gehäusegröße bestimmte das Design. Während bei eleganten Armbanduhren Maße um die 34 Millimeter gang und gäbe waren, überschritten Fliegeruhren oftmals die 40-Millimeter-Marke; die Modelle, die Stowa, Wempe, A. Lange & Söhne und andere Unternehmen für die Flieger der deutschen Wehrmacht produzierten, maßen sogar 55 Millimeter. Der große Gehäusedurchmesser verbesserte nicht nur die Ablesbarkeit, sondern erleichterte zudem den Gebrauch, schließlich wurden die Uhren über der Fliegerkombi getragen und manchmal sogar um den Oberschenkel geschnallt.

Das Fliegeruhren-Armband:

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #9 – braune überlange Armbänder:
Die – oftmals überlangen – Armbänder klassischer Fliegeruhren bestanden meist aus braunem, seltener aus schwarzem Rindsleder. Ein Beispiel dafür, wie solche überlangen Bänder ausgesehen haben, liefert das Foto der Großen Fliegeruhr von IWC oben.

Typisches Merkmal einer Fliegeruhr #10 – Metallnieten:
Um die Uhr möglichst sicher am Arm oder Bein zu halten, waren die Anschlüsse an den Bandstegen nicht nur vernäht, sondern zusätzlich mit einer oder zwei Metallnieten fixiert. Geschlossen wurde das Armband fast immer mithilfe einer schlichten Dornschließe. Als besonders sichere Alternative gab es Armbänder, bei denen das schließenlose Ende aus zwei Lagen bestand, die am Ende von einer Niete zusammengehalten wurden. Die Dornschließe war zwischen den Bandlagen eingefädelt, sodass die Uhr niemals zu Boden fallen konnte, selbst wenn sich die Schließe gegen alle Wahrscheinlichkeit einmal ungewollt öffnete. Bei diesen aufwendig gestalteten Armbändern ergänzte oft eine Metallöse die herkömmlichen Bandschlaufen aus Leder.

Stowa: Flieger Chrono (1.870 Euro)
Stowa: Flieger Chrono (1.870 Euro)

Fliegeruhren heute

Die genannten zehn Merkmale waren und sind nicht nur für tatsächliche Flieger und Piloten, sondern auch im Alltag von großem Nutzen. Wer heute einen Zeitmesser im klassischen Fliegeruhrendesign kauft, profitiert von einer guten Ablesbarkeit und hohem Bedienkomfort – ganz zu schweigen von dem Bewusstsein, eine gelungene Retrouhr erworben zu haben. Tatsächlich finden sich alle genannten Eigenschaften in heutigen Fliegeruhren wieder, bis hin zu den extrem großen Gehäusen, die der Hersteller Laco noch immer anbietet. Diese sind allerdings ziemlich selten geworden, schließlich werden die Uhren heute auf herkömmliche Weise am Handgelenk und nicht mehr über der Jacke oder Hose getragen.
Die übrigen Designcodes werden umgesetzt, sofern sie ins Gestaltungskonzept der neuen Uhr passen, und ignoriert, sobald die Hersteller etwas anderes erreichen wollen. Hier kann schon mal eine Lünette poliert sein oder ein Armband aus Alligatorleder bestehen. Die Marken agieren nach dem Motto „Erlaubt ist, was gefällt.“ Den meisten Retrofans dürfte jedoch Authentizität am besten gefallen. ak

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