3 preiswerte Vintage-Uhren für Einsteiger

In Sachen Uhren ist guter Rat teuer. Erst recht, wenn man Uhrenexperten fragt, welchen Zeitmesser man sich denn zulegen sollte. Dabei ist es egal, ob man sich nach einer neuen oder einer Vintage-Uhr erkundigt. In der Regel liegen die Empfehlungen der Experten und passionierten Uhrensammler in Preiskategorien von mehreren tausend Euro. Die häufigsten Empfehlungen dürften dabei Luxusuhren von Rolex, Patek Philippe & Co sein – nicht zuletzt wegen ihrer hohen Wertstabilität und Wertsteigerung. Doch nicht jeder kann und will sich Uhren für einen so hohen Preis leisten. Insbesondere dann nicht, wenn er als Sammler gerade am Anfang steht.

Preiswerte Vintage-Uhren für Einsteiger
Preiswerte Vintage-Uhren für Einsteiger (Bild: zeigr.com)

Während in Uhrenkreisen Zeitmesser um die 1.000 Euro noch als günstig und vermeintlich unterste Grenze für eine gute Armbanduhr gelten, möchte ich mit diesem Artikel die Preisgrenze für den beginnenden Sammler auf ein wesentlich angenehmeres Maß herabsetzen. Ich möchte einige Uhrenmodelle empfehlen, mit denen ich meine Sammlung vor Jahren begonnen habe. Diese Armbanduhren liegen allesamt unter einem Preis von 500 Euro. Ja, sogar unter 300 Euro. Und die eine oder andere ist mit etwas Geduld und Glück unter 100 Euro zu haben. Dabei muss man nicht einmal auf einen bekannte Markennamen, Renommee oder ein schönes Uhrwerk verzichten: Ich spreche hier von Vintage-Modellen mit Charme und echter Retro-Optik von Omega, Tissot und der meiner Ansicht nach stark unterschätzen Uhrenmarke Seiko.

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Omega Seamaster „TV Dial“ Quartz
Omega Seamaster „TV Dial“ Quartz (Bild: zeigr.com)

Und noch ein Argument für diese günstigen Vintage-Modelle: Auch sie haben in den letzten Jahren nicht an Wert verloren. Im Gegenteil – ich konnte bei allen eine Wertsteigerung verzeichnen. Nach meiner Einschätzung sind Vintage-Uhren ohnehin die besseren Sparbücher und Aktien.

Zurück aber zu unseren Einsteiger-Uhren. Was die Werke angeht, so ist alles vertreten: vom Handaufzug, über Quarz bis hin zur Automatik. Eine der Armbanduhren hat sogar eine Komplikation: einen mechanischen Wecker. Und einige Werke, beziehungsweise einige Werkteile, sind rotvergoldet und besonders schön anzuschauen – doch dazu später mehr. Die Uhren und Modelltipps in diesem Artikel sollen in erster Linie als Inspiration und Ermunterung dienen, den Anfang für eine Sammlung zu wagen – ohne gleich zu große Summen auszugeben und ein zu großes Risiko beim Kauf einzugehen. Jeder fängt mal klein an. Und das Sammeln alter Uhren geht immer mit dem Sammeln von Erfahrungen einher. Und unter uns: Auch die sollte man nicht teuer bezahlen.

Omega Seamaster Quartz
Omega Seamaster Quartz (Bild: zeigr.com)

Fangen wir also mit der ersten Empfehlung an:

Uhren für Einsteiger Tipp #1: Omega Seamaster (Quarz)

Diese Armbanduhr von Omega gibt es in vielen Variationen. Und es muss auch nicht unbedingt eine Seamaster sein. Es bieten sich ebenso die Modellreihen Geneve, Constellation und De Ville von Omega an. Je nach Geschmack und Portemonnaie. Mir persönlich gefallen die Seamaster-Modelle am besten. Also habe ich vor einigen Jahren diese beiden Uhren mit Lederarmband und klassischem Design von Omega aus den 70er- und 80er-Jahren ersteigert:

Omega Seamaster „TV Dial“ Quartz und Omega Seamaster Quartz, ca. 70er Jahre, beide Kaliber 1342
Omega Seamaster „TV Dial“ Quartz und Omega Seamaster Quartz, ca. 70er-Jahre, beide Kaliber 1342 (Bild: zeigr.com)

Die beiden Uhren habe ich damals noch unter 100 Euro bekommen. Die heutige Preislage dürfte im Schnitt bei rund 200 bis 300 Euro liegen. Das sind immer noch vernünftige Preise für eine Vintage-Uhr von Omega.

Rotvergoldet in Quarz-Krise - selbst bei seinen Quarzuhren ließ Omega es sich nicht nehmen, rotvergoldete Werkteile zu verwenden.
Rotvergoldet in Quarz-Krise – selbst bei seinen Quarzuhren ließ Omega es sich nicht nehmen, rotvergoldete Werkteile zu verwenden. (Bild: zeigr.com)

Die mechanischen Modelle sind in der Regel teurer – und nicht minder empfehlenswert. Im Gegenteil.

Omega Handaufzug, ca. 50er-Jahre
Omega Handaufzug, ca. 50er-Jahre (Bild: zeigr.com)

Tipp zum Kauf: Immer einen Blick auf den Zustand des Werks werfen beziehungsweise ein Foto zusenden lassen, wenn sie die Uhr online kaufen wollen. Bei einer Quarzuhr kann die Batterie auslaufen und im schlimmsten Fall das Werk ruinieren. Bei einer mechanischen Armbanduhr erkennt man auch als Laie sofort, ob ein Werk verdreckt oder aufgrund von eingedrungenem Wasser Rost angesetzt hat.

Blick ins Werk: Omega-Kaliber 1342
Blick ins Werk: Omega-Kaliber 1342 (Bild: zeigr.com)

Uhren für Einsteiger Tipp #2: Tissot Seastar

Diese Herrenuhr mit Lederarmband und Gehäuse aus Edelstahl ist ein schöner und sehr günstiger Einstieg in die mechanische Welt der Vintage-Uhren. Unter dem Suchbegriff „Tissot Seastar“ findet man, wie bei der Omega Seamaster, zahlreiche Varianten der Armbanduhr in dem wirklich schönen und klassischen Design der 60er- und 70er-Jahre. Oft tragen sie noch den Zusatz „Seven“. Hier eine Seastar mit Handaufzug aus meiner Sammlung:

Tissot Seastar, Handaufzug, ca. 60er-/70er-Jahre
Tissot Seastar, Handaufzug, ca. 60er-/70er-Jahre (Bild: zeigr.com)

Seastar-Modelle bekommt man ohne Weiteres für weniger als 150 Euro. Einige sogar unter 100 Euro. Mein Fazit: Ideal zum Einstieg in die Welt der Vintage-Uhren.

Tipp zum Kauf: Achten Sie unbedingt auf Angaben zur Größe bzw. zum Durchmesser dieser – und aller anderen hier empfohlenen – Uhren. Denn: In den 60er-Jahren waren kleine Herrenuhren sehr angesagt und schick. „Klein“ heißt in solchen Fällen deutlich unter 35 Millimeter. Die abgebildete Armbanduhr liegt beispielsweise bei circa 32 Millimetern und passt nach heutigem Verständnis eher an ein Damenhandgelenk. Zum Vergleich: Herrenmodelle beginnen heute bei einem Durchmesser um die 40 Millimeter. Oft liegen sie auch weit darüber. Und wenige Millimeter können am Handgelenk sehr viel ausmachen – deshalb vorher unbedingt erkundigen oder die Uhr anlegen.

Uhren für Einsteiger Tipp #3: Seiko Bell-Matic

Seiko gehört meiner Meinung nach zu den am meisten unterschätzten Uhrenmarken. Die Mehrheit denkt bei dem japanischen Uhrenhersteller wahrscheinlich an günstige Quarz- und Digitaluhren. Tatsächlich stellen die Japaner aber mit der „Grand Seiko“ eine der genauesten mechanischen Uhren (Chronometer) der Welt her – und das seit Jahrzehnten. Nur war eine Armbanduhr dieser Kollektion lange Zeit in Europa nicht erhältlich und entsprechend unbekannt. Und was die Preise angeht, so liegen auch die auf Luxusuhren-Niveau. Doch um diese teuren Exemplare soll es bei dem nächsten Tipp nicht gehen. Vielmehr möchte ich eine mechanische Armbanduhr mit Automatikwerk und Komplikation empfehlen. Genauer: mit integriertem mechanischen Wecker. Und so sieht der Armbandwecker mit einem Gehäuse aus Edelstahl und gestreiftem Armband aus meiner Sammlung aus:

Seiko Bell-Matic, Automatik mit Weckfunktion, ca. 70er-Jahre
Seiko Bell-Matic, Automatik mit Weckfunktion, ca. 70er-Jahre (Bild: zeigr.com)

Das Beste: Diese Herrenuhr bekommt man (noch) zu Preisen unter 200 Euro. Mit ein wenig Glück sogar unter 100 Euro. Für eine Armbanduhr mit mechanischem Wecker und Automatikwerk ist das ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Tipp zum Kauf: Auch wenn eine Armbanduhr von Seiko zweifellos gut ist, darf man nicht vergessen, dass ein solches Modell oft als Alltagsuhr und als reiner Gebrauchsgegenstand über mehrere Jahrzehnte am Handgelenk diente. Entsprechend ist auch ihr Zustand, die Uhr kann mitgenommen und beansprucht sein. Deshalb sollte man hier immer genau hinschauen und vor allem auf den Zustand des Zifferblatts, des Werks und die Funktionen achten. Soweit die Einsteiger-Tipps und der kleine Blick in meine Uhrensammlung.

Copyright Fotos: zeigr.com | Theodossios Theodoridis

Theodossios Theodoridis, Jahrgang 1972, ist Betreiber des Uhren-Blogs zeigr.com. Er ist seit über 25 Jahren passionierter Uhrensammler. Mit Vorliebe sammelt er Vintage-Uhren und Chronographen. Hauptberuflich ist er freier PR-Berater in Hamburg. Nach Abschluss seines Philosophie-Studiums volontierte er Ende der 90er Jahre bei einer namhaften Agentur für Produkt- und Marken-PR. Im Anschluss war er acht Jahre PR Manager bei einem führenden Unternehmen der Entertainment-/Games-Branche. Seit 2008 ist er freiberuflich tätig.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Im Uhrforum wird dieser Artikel stark kritisiert. Wird als nicht hilfreich und gefährlich eingestuft.

    http://uhrforum.de/vintage-uhren-preiswerte-tipps-fuer-einsteiger-t191029

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  2. @Carsten Vielen Dank für den Hinweis!

    Allerdings würde ich sagen, dass der Artikel stark diskutiert wird und einige Forenmitglieder wertvolle Ergänzungen und Vintage-Tipps – sogar in Bildform – liefern. Und das ist ganz in meinem Sinne als Sammler. Es passt nun mal nicht alles in einen Artikel.

    Einige Hinweise zum Kauf von Vintage-Uhren habe ich bereits in dem einen oder anderen Blogartikel gegeben. Z.B. hier: http://zeigr.com/vintage-uhren-wo-kaufen-teil-1/

    Und ich wiederhole gern noch einmal die Intention dieses Artikels – auch um ihm die “Gefährlichkeit” zu nehmen:

    Die Uhren und Modelltipps in diesem Artikel sollen in erster Linie als Inspiration und Ermunterung dienen, den Anfang für eine Sammlung zu wagen – ohne gleich zu große Summen auszugeben und ein zu großes Risiko beim Kauf einzugehen. Jeder fängt mal klein an. Und das Sammeln alter Uhren geht immer mit dem Sammeln von Erfahrungen einher. Und unter uns: Auch die sollte man nicht teuer bezahlen.

    Alles weitere muss der angehende Sammler selbst entscheiden.

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  3. Aus heutiger Sicht und mit heutiger Marktkenntnis, halte ich den Kauf von vintage Uhren unter 500 Euro für ziemlich sinnlos, ausser man ist selber Uhrmacher. Jede Revision kostet im Bereich 200 Euro bis 400 Euro oder noch mehr, und bei einer Uhr unter 500 Euro rechnet sich das nicht. Wenn man nur Sammler ist, und Uhren liebt und es egal ist, ob man beim Kauf der Uhren Geld verbrennt, dann warum nicht. Aber wer die Uhren kauft um damit zumindest möglichst wenig Geld zu verbrennen, der sollte sich mehr Gedanken machen. Der Uhrenmarkt hat sich auch in den letzten 12 Monaten massiv gewandelt. Er wird sich noch mehr wandeln. Ich würde diesen Artikel maximal als Inspiration ansehen, geschrieben aus der Sicht von jemandem, der alte Uhren mag. Als Tipp halte ich den Artikel für ungeeignet. Und das kommt jetzt aus dem Mund von jemandem, der als Berater und Händler hochwertiger Uhren Leuten beim gezielten Sammlungsaufbau beisteht. Uhrensammeln hat viel mit Erfahrung zu tun, und man kommt auch nicht drumherum, “Lehrgeld” zu zahlen. Renditen der vergangenen 20 Jahre werden sich voraussichtlich nicht mehr wiederholen lassen. Das ist wie an der Aktienbörse…

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  4. Das mit der Revision ist ein guter Punkt – sofern sie denn wirklich nötig ist. Denn das ist garantiert nicht immer der Fall. Notfalls gibt es auch ein Rückgaberecht – auch beim Online-Kauf und Auktionen. Vorsichtig muss man allemal sein. Das stimmt.

    Meine persönliche Erfahrung: Von meinen 15-20 gekauften Vintage-Uhren brauchte nur eine wirklich eine Revision des Werks.

    Und: Die Preise, die hier für eine Revision angegeben werden, sind wirklich hoch angesetzt. Wer zu einem freien Uhrmacher (!) geht, der zahlt bei den hier vorgestellten Dreizeiger-Uhren wohl eher unter als über 200 Euro. Es sind ja keine Chronographenwerke. Und noch einmal: Sofern es denn wirklich nötig ist und die Uhr vollkommen desolat.

    Wer aber eine alte Uhre “wie neu” haben will und sie beim Hersteller komplett (Werk, Gehäuse, Band) überarbeiten lässt… Nun gut, das kann man machen. Und das wird sicherlich teuer.

    Aber von “wie neu” war hier auch nie die Rede.

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  5. Ich bin auf den Artikel gestoßen, da ich das Thema sehr spannend finde und selbst eine Faible für Uhren im Retro Look habe. Natürlich liebäugle ich auch mit dem Gedanken meine Sammlung auszubauen und die Uhren nicht nur zu nutzen, sondern auch als Wertanlage zu sehen. Gerade heutzutage ist ja jede originellere Form der Geldanlage eine sehr willkommene Abwechslung. Um diesen Schritt zu wagen, fehlt mir aber noch einiges an Grundwissen, um nicht direkt mit den dümmsten Fehler Geld zu verbrennen. Deshalb Danke für den klasse Artikel, besonders für Laien doch sehr hilfreich. Auch von den weiterführenden Links werde ich mir mal ein genaueres Bild machen.

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  6. Vielen Dank für Ihr Lob, das freut uns sehr!

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  7. Ich finde es toll, dass ihr euch auch Zeit für die preiswerteren Modelle nehmt und diese ausführlich vorstellt. Für mich als Student absolut top. Da kommt man immer wieder gerne hier vorbei zum stöbern. Viele liebe Grüße

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  8. Habe sowohl den Beitrag im Uhrenforum als auch diesen Artikel hier gelesen und kann letztlich nicht zustimmen, dass der Artikel “gefährlich” ist.

    Letztlich muss einfach jeder seinen Kopf einschalten und selbst entscheiden, ob es sich für ihn lohnt, eine günstige Vintage Uhr zu kaufen.

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