6 Merkmale Glashütter Uhrwerke

Was steckt drin, wenn „Glashütte“ drauf steht?

Alexander Krupp
von Alexander Krupp
am 9. Februar 2015

Besitzen Sie eine Glashütter Uhr, vielleicht sogar mit Manufakturwerk? Und falls ja: Wissen Sie, was Sie beim Blick durch den Glasboden alles erleben können? Sicher, die konstruktiven und ästhetischen Besonderheiten ergeben auch ohne Fachkenntnisse ein schönes Gesamtbild. Aber wie so oft im Leben sind es gerade die Details, die den besonderen Reiz ausmachen.

Merkmal #1 Glashütter Uhrwerke: Die Dreiviertelplatine

Ein „einfaches“ Glashütter Werk mit Handaufzug und ohne komplexe Funktionsaufbauten besitzt fast immer eine Dreiviertelplatine. Diese besonders stabile Konstruktion geht auf Ferdinand Adolph Lange zurück, der den Uhrenbau in Glashütte ab 1845 etablierte. Natürlich nimmt die bodenseitige Deckplatte niemals exakt drei Viertel der Werkoberfläche ein, sondern meistens weniger. Ausschlaggebend für den Begriff ist vielmehr die Tatsache, dass die Platine das Federhaus und das gesamte Räderwerk bis hin zum Ankerrad überspannt; nur die Unruh und der Anker liegen außerhalb. Unerheblich ist auch die Frage, ob der Aufzugsmechanismus einsehbar ist oder von der Platine verdeckt wird.

A Lange & Söhne: Handaufzugskaliber L051.2
A Lange & Söhne: Handaufzugskaliber L051.2

Merkmal #2 Glashütter Uhrwerke: Glashütter Gesperr

Apropos Aufzugsmechanismus: Dieser verfügt in der sächsischen Uhrmacherei über ein Glashütter Gesperr. Dazu gehört eine Sperrklinke, die wie bei jeder mechanischen Armbanduhr am Sperrrad anliegt (größtes sichtbares Rad). Letzteres sitzt auf dem Federhauskern. Beim Aufziehen über die Krone dreht sich das Sperrrad, wobei die Zähne der Sperrklinke über die Zähne des Sperrrads hinweggleiten; dabei entsteht das bekannte Aufzugsgeräusch. Sobald die Drehbewegung in Aufzugsrichtung endet, will sich die Zugfeder schlagartig entspannen. Um dies zu verhindern, greift nun die Sperrklinke ins Sperrrad ein und blockiert dieses. Die am Werkrand entlanglaufende Sperrfeder sorgt für Sicherheit, indem sie die Sperrklinke nach dem Aufziehen fest gegen das Sperrrad drückt. In der Ausführung dieser Feder liegt die wichtigste und eigentliche Besonderheit des Glashütter Gesperrs: Anders als beispielsweise in der Schweiz ist die Sperrfeder hier ein massives Bauteil und besitzt eine lange, geschwungene Form. Als optisch attraktives Konstruktionsmerkmal wird sie – vor allem bei Handaufzugskalibern ohne aufgesetzte Zusatzmechanismen – fast immer prominent in Szene gesetzt. Alternativen zur Glashütter Bauart sind kürzere, unauffälliger geformte und weniger massive Sperrfedern. Manche sind an der Unterseite des Sperrkegels befestigt, andere werden mit diesem in einem einzigen Bauteil zusammengefasst.

Die Glashütter Uhrenmarken:
Waschechte Manufakturen sind A: Lange & Söhne, Glashütte Original, Moritz Grossmann, Nomos und Tutima. Daneben gibt es die Marken B. Junge & Söhne, Bruno Söhnle, C. H. Wolf (ehemals Hemess), Mühle-Glashütte, Union Glashütte und Wempe, die Schweizer Kaliber modifizieren, um über 50 Prozent der Wertschöpfung am Werk in Glashütte zu leisten.

Merkmal #3 Glashütter Uhrwerke: Glashütter Sonnenschliff

Eine weitere Besonderheit kommt ebenfalls im Aufzugsmechanismus zum Einsatz: der Glashütter Sonnenschliff. Diese Verzierung wird meist auf das großflächige Sperrrad und oft auch auf das kleinere Kronrad auf – gebracht. Sie besteht aus feinen Strichen, die von innen nach außen verlaufen – und zwar im Gegensatz zum herkömmlichen Sonnenschliff in deutlich geschwungener statt gerader oder fast gerader Form. Die Striche sind entweder durchgezogen wie bei den hier gezeigten Werken von A. Lange & Söhne (oben) und Ernst Kasiske oder in mehrere konzentrische Bahnen unterteilt wie bei Glashütte Original. In beiden Fällen wandern, wenn sich der Lichteinfall ändert, die Reflexionen auf der Oberfläche scheinbar im Kreis.

Ernst Kasiske: Werk einer Glashütter Taschenuhr, um 1895
Ernst Kasiske: Werk einer Glashütter Taschenuhr, um 1895

Sehen Sie auf der zweiten Seite, welche 3 Merkmale noch typisch sind für Glashütter Werke.

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