Am Tag die Sonne – in der Nacht der Mond

Taschenuhren mit Sonne-Mond-Zifferblättern

 Redaktion
von Redaktion
am 8. Juli 2011
Taschenuhr Massy London um 1680
Erste Uhren mit Sonne-Mond-Zifferblättern werden ab etwa 1680 datiert, so eine Taschenuhr des Londonder Uhrmachers Massy.

Das Gesicht der Uhr – das Zifferblatt – ist immer auch ein Spiegel seiner Zeit. So zeugen die astronomischen Zifferblätter von Renaissanceuhren mit ihren zahlreichen Indices von dem großen Interesse der Menschen an den Bewegungen der Himmelsplaneten. Diese Abläufe mechanisch zu erfassen und in eine sichtbare Anzeige umzuwandeln, ist eine der großen Leistungen der Renaissance. 

Je mehr die Uhr zum Alltagsinstrument wurde, umso entbehrlicher wurden all die Zusatzanzeigen für die Planetenläufe; es genügte, die Stunde ablesen zu können, vielleicht noch die Mondphase und das Datum. Dies wiederum begünstigte die Entstehung und Entwicklung von neuen Methoden zur Zeitanzeige, wie zum Beispiel die Indikation der Tageszeit übder das System der “wandernden Stunde”. Statt der gängigen Methode, die Zeit mittels eines oder zwei Zeigern anzuzeigen, erscheint die Stunde stattdessen im Fenster einer drehbar gelagerten Scheibe.

Taschenuhr D. Lamy London um 1690
Taschenuhr von D. Lamy, London, um 1690. Doppelgehäuse Silber poliert, Übergehäuse Silber getrieben und graviert. Pieces of Time.

Eine besondere Variante der Zeitanzeige nach dem Prinzip der wandernden Stunde wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert vermutlich in England entwickelt. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Zifferblättern wurde nun eine Unterscheidung der Tag- und Nachtstunden vorgenommen. Die Rede ist von Taschenuhren mit sogenannten Sonne-Mond-Zifferblättern. In kürzester Zeit entfachten sie eine regelrechte Modeströmung, bevor sie etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts wieder vom Markt verschwanden.

Schon häufiger war in der Geschichte der Uhr eine Trennung der Zeitanzeige nach Tag- und Nachtstunden vorgenommen worden, doch selten auf so reizvolle Weise wie bei den Uhren mit Sonne-Mond-Zifferblättern. Dies liegt nicht nur an der ungewöhnlichen Art der Präsentation der Uhrzeit sondern auch an der dadurch möglich werdenden Dekoration der Zifferblätter.

Mehr als 110 verschiedene Uhrmacher in England und auf dem Kontinent, hier vor allem in den Niederlanden, konnten bisher als Schöpfer von Taschenuhren mit Sonne-Mond-Zifferblättern namentlich ermittelt werden, höchste Zeit also, sich mit dieser Spezies zu beschäftigen.

Eine Veröffentlichung zum Prinzip der Sonne-Mond-Anzeigen, den Werken und den Uhrmachern erschien in Klassik Uhren 2.2009.

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