Audemars Piguet: Mit Tradition und Weitblick

Wie die Manufaktur und ihr Kultmodell Royal Oak entstanden

 Redaktion
von Redaktion
am 10. März 2015

Die Geschichte von Audemars Piguet beginnt bereits 1875 und ist eng mit dem Uhrmacherhandwerk im Vallée de Joux verbunden. Es ist die Geschichte zweier junger Männer, deren Leidenschaft für technisch anspruchsvolle Uhren eine traditionsreiche Uhrenmanufaktur mit internationaler Bedeutung hervorbringt. Schon seit dem 18. Jahrhundert entstanden im Vallée de Joux, einem kleinen abgelegenen Hochtal im Schweizer Jura, feine Uhren, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurden. Das raue Klima und die Abgeschiedenheit in den langen Wintermonaten, in denen kaum landwirtschaftliche Arbeiten verrichtet werden konnten, führten die Menschen auf der Suche nach alternativen Tätigkeiten zum Uhrmacherhandwerk. Die im Jouxtal ansässigen Familien verrichteten die Arbeiten hauptsächlich in Heimarbeit. Sie spezialisierten sich auf die Herstellung von Uhrenteilen und lieferten Rohwerke an die Genfer Uhrmacherzunft. Bereits 1790 entstand im Vallée de Joux das erste Atelier zur fabrikmäßigen Rohwerkeproduktion. Durch diese zunehmende Spezialisierung führte über kurz oder lang in Genf und der übrigen Uhr-Schweiz kein Weg an den qualitativ hochwertigen Erzeugnissen aus dem Hochtal vorbei.

Audemars-Piguet-Gründer: Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet
Audemars-Piguet-Gründer: Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet

In dieser Blütezeit schlossen sich auch zwei Uhrmacher zusammen, deren Ziel es war, feine und komplizierte Uhren unter Einbeziehung modernster Fertigungsmethoden herzustellen. Im Jahr 1881 gründeten Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet offiziell die Uhrenmarke Audemars Piguet.

Die Anfänge von Audemars Piguet

Eine Zusammenarbeit der beiden Nachkommen alteingesessener Familien aus dem Vallée de Joux bestand jedoch schon seit 1875. Das Jahr 1875 wird daher von der Marke auch als Gründungsjahr angegeben. Zu dieser Zeit widmete sich die Manufaktur hauptsächlich komplizierten Taschenuhren, die oftmals noch für Fremdmarken produziert wurden. Die ersten Exemplare stellten die beiden Uhrmacher bereits im Jahr 1882 vor.

Audemars Piguet: Grandes Complications, 1882
Audemars Piguet: Grandes Complications, 1882
[Foto: Atsuyuki SHIMADA]

Dabei handelte es sich um Modelle, genannt »Grande Complication«, mit Chronographenfunktion, Schleppzeiger-Chronograph, Ewigem Kalender und Minutenrepetition. Aufgrund ihres rasch eintretenden Erfolgs konnten sie im Jahr 1884 eine Zweigniederlassung in Genf am Place du Molard 13 eröffnen, die es noch bis 1975 gab. Durch ihr stetes Wachstum und ihre schnell eintretende internationale Bekanntheit besaß die Marke im Jahr 1888 Vertriebsstellen in England, Frankreich, Deutschland, den Vereinigten Staaten und Argentinien. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 präsentierten Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet eine ihrer hochkomplizierten Taschenuhren mit Schleppzeiger-Chronograph, Ewigem Kalender und Minutenrepetition und erhielten dafür eine Ehrenmedaille. Drei Jahre später, in einer Zeit, in der hauptsächlich Taschenuhren gefragt waren, stellte die Manufaktur die weltweit erste Armbanduhr mit Minutenrepetition für Louis Brandt & Frère in Biel fertig. Das erste Modell mit eigener Signatur auf dem Zifferblatt ließ jedoch bis 1906 auf sich warten. Diese und andere Spitzenleistungen machten die Firma weltweit bekannt und forderten 1907 die Errichtung einer neuen Fabrik in Le Brassus.

Audemars Piguet: Das Gebäude "Manufacture d'Horlogerie" auf der Route de France 16 wurde 1907 erbaut.
Audemars Piguet: Das Gebäude “Manufacture d’Horlogerie” auf der Route de France 16 wurde 1907 erbaut.

Sie entstand direkt neben dem alten Firmengebäude der Familie Audemars, das heute das umfassende Museum beherbergt. Dort befinden sich seit der Eröffnung im Jahr 1992 Uhren, Dokumente und Geräte aus der gesamten Familiengeschichte und zum Teil noch aus der Zeit vor der Gründung der Manufaktur.

Wer bei Audemars Piguet das Sagen hat

Im Mai 1917 musste sich Jules-Louis Audemars aus gesundheitlichen Gründen aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, und so übernahm sein Sohn Paul-Louis Audemars dessen Rolle als technischer Direktor und Präsident des Verwaltungsrats. Der 1890 geborene Paul-Edward Piguet trat 1919 in das Unternehmen ein. Der Sohn von Edward-Auguste Piguet war bis 1962 kaufmännischer Direktor und bis Ende der 1970er-Jahre Mitglied des Verwaltungsrats. Jacques-Louis Audemars, der Enkel des Firmengründers Jules Audemars, übernahm 1959 die technische Leitung des Unternehmens. Dem Verwaltungsrat saß er von 1966 bis 1992 vor.

Audemars Piguet: Olivier Audemars
Olivier Audemars vertritt die Interessen der Familie Piguet.
[Foto: ©Dario Orlandi]

Jasmine Audemars, seit 1992 Präsidentin des Verwaltungsrats.
Jasmine Audemars, seit 1992 Präsidentin des Verwaltungsrats.
[Foto: ©Dario Orlandi]

2014 lenkt die vierte Generation der Familien die Geschicke der Manufaktur. Jasmine Audemars, die Tochter von Jacques-Louis, ist seit 1992 die Präsidentin des Verwaltungsrats. Olivier Audemars, der Enkel von Paul-Edward Piguet, vertritt seit Mitte der neunziger Jahre die Interessen der Familie Piguet. Die Aufgaben des CEO übernahm 2012 der in Paris geborene François-Henry Bennahmias.

Audemars Piguet: CEO François-Henry Bennahmias
François-Henry Bennahmias leitet seit 2012 die Geschicke bei Audemars Piguet.

Audemars Piguet erlebt Höhen und Tiefen

Schon seit ihrer Gründung machte die Uhrenmarke durch zahllose technische Entwicklungen und handwerkliche Meisterleistungen auf sich aufmerksam. Die hohe uhrmacherische Qualität, ein ständiges Innovationsstreben und Überdenken bekannter technischer Lösungen brachten Audemars Piguet ein weltweites Renommee. Auf der Genfer Uhrenmesse 1920 stellte die Marke eine Taschenuhr mit 15 Komplikationen vor, die sechs Jahre zuvor vom Londoner Uhrenhaus S. Smith & Son Ltd. in Auftrag gegeben wurde. Das Meisterstück wies unter anderem ein Tourbillon, Grande und Petite Sonnerie, eine Äquationsanzeige (Abweichung der wahren von der mittleren Sonnenzeit), einen Ewigen Kalender, eine Sternzeitindikation und als Besonderheit eine blau emaillierte Scheibe mit 315 gravierten Steinen, die den Nachthimmel über London exakt abbildeten, auf.

Bestellen Sie unseren Newsletter

Was gibt's Neues auf Watchtime.net?

Damit Sie stets rund um das Thema mechanische Uhr informiert sind, gibt Ihnen der Watchtime.net-Newsletter mehrmals wöchentlich den Überblick.

Zusätzlich und nur für kurze Zeit:
Ihr 5-EUR-Gutschein!*

Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiert.**
*Mindestbestellwert 20 Euro
**Pflichtfeld
Schweizer Geheimtipps Feature-Box 2018

Premium-Modelle aus
unserer Uhren-Datenbank

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 33793 Modelle von 802 Herstellern.

Datenbank-Suche