Breguet: Uhren-Mechanik mit Magneten

Classique Chronométrie 7727 B

 Redaktion
von Redaktion
am 16. April 2012
Mit Magneten im Schwing- und Hemmungssystem die Classique Chronométrie 7727 B von Breguet
Mit Magneten im Schwing- und Hemmungssystem die Classique Chronométrie 7727 B von Breguet

 Mit ihrem neuen Uhrenmodell Classique Chronométrie 7727 B präsentiert die Uhrenmanufaktur Breguet ein vordergründig sehr klassisch wirkendes Handaufzugswerk, dessen zukunftsweisende Vorzüge in etlichen Details stecken. Dazu gehören zwei winzige, aber hinreichend kräftige Permanentmagnete. Sie befinden sich ausgerechnet dort, wo man eigentlich keinen Magnetismus haben möchte: im Schwing- und Hemmungssystem.

Magnetismus gilt gemeinhin als Feind des mechanischen Uhrwerks, beeinflusst er doch gerade jene Komponenten, die für die Präzision entscheidend sind wie Ankerrad, Anker (samt Sicherheitsmesser), Unruhwelle, Spiralrolle und, allen voran, die temperaturkompensierende Nivarox-Unruhspirale. Gelangt magnetisierbares, weil eisenhaltiges Material in ein magnetisches Kraftfeld, versucht es, sich im Magnetfeld auszurichten. Ist das nicht möglich, entstehen Kraftwirkungen auf die verschiedenen Bauteile.
Die Folge sind Beeinträchtigung der Ganggenauigkeit oder, in extremen Fällen, Stillstand. Die Uhrenindustrie begegnet dem durch die Wahl solcher Werkstoffe, die Magnetfeldern bis zu einem bestimmten Grad widerstehen, oder durch Weicheisen-Abschirmungen. Demnach haben kräftige Magnete in mechanischen Uhrwerken nichts verloren, jedenfalls normalerweise. Doch bekanntlich bestätigt die Ausnahme die Regel.

Den Technikern und Ingenieuren der altehrwürdigen Uhrenmanufaktur Breguet ging es beim Kaliber 574 BR neben einer Steigerung der Ganggenauigkeit auch um eine Reduzierung der anfallenden Kräfte und damit um eine Minderung der Abnutzung schnell rotierender Komponenten. Das größte Tempo legt in diesem Zusammenhang die Unruh vor.
Weil eine höhere Frequenz externen Einflüssen entgegenwirkt, beispielsweise durch Lageveränderung, nutzt Breguet erneut jenes Zehn-Hertz-Schnellschwinger-Prinzip, das sich seit 2010 im Type-XXII-Chronographen bewährt hat. Zehn Hertz heißt, die Unruh vollzieht stündlich 72.000 Halbschwingungen.
Eine derartige Rotationsgeschwindigkeit belastet selbstverständlich die dünnen Zapfen der Unruhwelle, die traditionsgemäß in kleinen Lochsteinen drehen. Zur Reibungsminderung braucht es Öl. Fehlt dieses, schmirgeln sich die dünnen Stahlstifte über kurz oder lang ab.

Die Spitzen der Zapfen der Unruhwelle befinden sich in beständigem Kontakt mit den kleinen Permanentmagneten. Durch das aufgebaute Magnetfeld zentrieren sich die Zapfen
Die Spitzen der Zapfen der Unruhwelle befinden sich in beständigem Kontakt mit den kleinen Permanentmagneten. Durch das aufgebaute Magnetfeld zentrieren sich die Zapfen

Anders bei der neuesten Breguet-Kreation: Hier bewegen sich die Zapfen der Unruhwelle nahezu berührungslos im Feld kleiner, gegenüberliegend positionierter Permanentmagnete. Lediglich die feinen Spitzen der Zapfen touchieren zur Begrenzung des axialen Spiels. Das Magnetfeld ist so bemessen, dass die laterale Auslenkung maximal zwei Zehntelmillimeter beträgt. Kleine Stöße können so kompensiert werden, größere Schocks fängt die Stoßsicherung auf. Die Effizienz dieser gebündelten Innovation äußert sich im sogenannten Qualitätsfaktor. Der errechnet sich daraus, wie viele Schwingungen die Unruh samt ihrer Spirale ohne weiteren Energienachschub vollziehen kann. Dabei bezieht sich der Qualitätsfaktor auf den Energieverlust pro Schlag und nicht pro Sekunde.
Der herausragende Wert von je 650 in horizontaler und vertikaler Lage lässt sich am ehesten aus einem Vergleich mit anderen Uhrwerken bemessen:
Das konventionelle Kaliber 777Q von Breguet oder das bekannte Eta 2892 bringen es jeweils auf Werte von 300 beziehungsweise 200, das Hochfrequenz-Kaliber 589F der Type XXII erreicht 550 beziehungsweise 450.
Entscheidend für den Einzug der Magnete in ein mechanisches Uhrwerk war auch der Werkstoff Silizium. Er zeigt Magnetfeldern nämlich die kalte Schulter. Aus diesem schmierungsfrei agierenden Material bestehen neben der Unruhspirale auch Anker und Ankerrad. Die positiven Auswirkungen des ausgeklügelten Mikrokosmos, der eines Tages das von Abraham-Louis Breguet ersonnene und in Armbanduhren ohnehin nur begrenzt wirksame Tourbillon obsolet machen könnte, zeigen sich auch in beachtlichen 60 Stunden Gangautonomie. Damit das Aufziehen bei aller Euphorie nicht in Vergessenheit gerät, gibt es auf dem Zifferblatt bei sechs Uhr eine Gangreserveanzeige. In Sachen Markteinführung gehen Marc A. Hayek und die von ihm geleitete Montres Breguet aber auf Nummer sicher: Sie ist erst für 2013 geplant. glb

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