Die kleine Sekunde

Stunde und Minute aus der Zifferblattmitte, dazu eine dezentrale kleine Sekunde – mehr braucht es oft nicht dafür, dass eine Uhr gefällt. Diese Form der Anzeige bietet neben der Ästhetik auch viel Tradition.

Im Mittelalter genügt es, die Stunde zu wissen (Halsuhr, Süddeutschland, um 1530/40)
Im Mittelalter genügt es, die Stunde zu wissen (Halsuhr, Süddeutschland, um 1530/40)
 

Als große Komplikation kann sie beileibe nicht durchgehen. Bestenfalls bezeichnet man sie als “exzentrisch”, meistens aber einfach als “klein”: die dezentrale Sekundenanzeige, für die ein einsamer Zeiger über ein geschrumpftes Zifferblatt im Zifferblatt läuft. Stunde und Minute stehen im Gegensatz zu ihr groß im Mittelpunkt.

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Bei Taschenuhren tritt die Sekundenanzeige erst nach 1750 regelmäßig auf, im Zifferblattzentrum ebenso häufig wie dezentral (Taschenuhr aus London, um 1745/50)
Bei Taschenuhren tritt die Sekundenanzeige erst nach 1750 regelmäßig auf, im Zifferblattzentrum ebenso häufig wie dezentral (Taschenuhr aus London, um 1745/50)

Natürlich gibt der Begriff der “Kleinen Sekunde” genau das wieder, was auf der Anzeige zu sehen ist. Bedenkt man aber, dass dieses Hilfszifferblatt das Gesicht einer Uhr entscheidend prägt, grenzt er fast an eine Ehrverletzung. Denn Zifferblätter mit kleiner Sekunde gelten per se als edel und gut strukturiert.
So setzt Nomos Glashütte ausschließlich auf diese Gestaltungsform. Judith Borowski, die Leiterin der Designabteilung, erläutert das: “Vermutlich wird ein Drei-Zeiger- Blatt niemals richtig sportlich wirken, denn der gemeinhin als sportlich empfundene Zeitmesser hat mehr Funktionen, Scheiben und Drücker. Eine Uhr mit drei Zeigern wirkt eher aufgeräumt, zurückhaltend, elegant.« Verständlich – denn je weniger Funktionen, desto weniger Bewegung herrscht in den Anzeigen. Und Borowski gibt einen weiteren Aspekt zu bedenken: »Ein aus dem Zentrum heraus wandernder großer Sekundenzeiger macht das Leben doch schneller vergänglich, zeigt uns unübersehbar, wie kurz eine Sekunde ist.” Oder er zieht zumindest den Blick ständig auf sich und verbreitet so eine gewisse Unruhe.

Bei Nomos setzt man ausschließlich auf die kleine Sekunde
Bei Nomos setzt man ausschließlich auf die kleine Sekunde
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