Die kleinen Komplikationen: Teil 4 – Zweite Zeitzone

Historische Rolex GMT-Master mit festem 24-Stunden-Zeiger
Historische Rolex GMT-Master mit festem 24-Stunden-Zeiger

Eine weitere Funktion, die sich in der Regel leicht umsetzen lässt, ist die Anzeige einer zweiten Zonenzeit mit Hilfe eines Zusatzzeigers. Die gängigste Version bei Armbanduhren ist ein Zeiger aus der Mitte, der mit einer 24-Stunden-Skala am Zifferblattrand oder auf der Lünette korrespondiert.

Besonders bekannt ist diese Art der zweiten Zeitzone durch die GMT-Master von Rolex: Beim ursprünglichen Modell von 1955 zeigten die beiden Stundenzeiger noch dieselbe Zeit einmal im Zwölf- und einmal im 24-Stunden-Format an, und die zweite Zonenzeit musste mit Hilfe der 24-Stunden-Drehlünette auf den Zusatzzeiger eingestellt werden.

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Montblanc Rieussec Automatic mit 12-h-Zeiger und Tag-Nacht-Scheibe (6.790 Euro)
Montblanc Rieussec Automatic mit 12-h-Zeiger und Tag-Nacht-Scheibe (6.790 Euro)

Bei der 1985 lancierten GMT-Master II kann man dagegen den zweiten Stundenzeiger in Stundenschritten vom Hauptzeiger vor- oder zurückschalten und die Lünette in der Grundposition belassen. Somit lässt sich die weiterhin drehbare Lünette theoretisch zur Anzeige einer dritten Zonenzeit nutzen; allerdings ist nach dem Verdrehen der Lünette die zweite Zeit nicht mehr komfortabel ablesbar, da die zugehörige Skala nun fehlt.

Dagegen produzieren beispielsweise Carl F. Bucherer oder Glycine Uhren mit dritten Zeitzonen, die sich dank einer zweiten 24-Stunden- Skala sehr komfortabel ablesen lassen.

Ein 24-Stunden-Zeiger ohne zugehörige Drehlünette lässt sich natürlich auch in einem Hilfszifferblatt unterbringen; dies kommt jedoch wie alle kleinen Anzeigen nicht der Ablesbarkeit zugute.

Patek Philippe Calatrava Travel Time mit 12-h-Zeiger und 24-h Hilfszifferblatt (17.840 Euro)
Patek Philippe Calatrava Travel Time mit 12-h-Zeiger und 24-h Hilfszifferblatt (17.840 Euro)

Die andere technisch einfache Möglichkeit, eine zweite Zeitzone darzustellen, ist der Zwölf-Stunden-Zeiger. Dieser ist allerdings nur sinnvoll, wenn eine zusätzliche Tag-Nacht-Anzeige klar macht, ob in der zweiten Zeitzone gerade Zeit fürs Büro oder fürs Bett ist.

Meist ist die Tag-Nacht-Anzeige als kleines Fenster ausgeführt, das sich mit Hilfe einer dahinterliegenden zweifarbigen Scheibe langsam dunkel oder hell färbt; es gibt die Anzeige aber auch als Hilfszifferblatt mit 24-Stunden-Skala.

Baume & Mercier Classima Executives mit 24-h-Anzeige ohne zweite Zeitzone (2.745 Euro)
Baume & Mercier Classima Executives mit 24-h-Anzeige ohne zweite Zeitzone (2.745 Euro)

Weniger aussagekräftig als bei einer Zeitzonenuhr ist die Tag-Nacht-Anzeige bei Modellen, die nur eine einzige Zeit anzeigen. Dies ist beispielsweise beim Großserienkaliber Valjoux 7754 der Fall, das neben einem Chronographen und einem Vollkalender auch ein fest an die Uhrzeit gekoppeltes 24-Stunden-Hilfszifferblatt besitzt:
Diese Anzeige bei der Neun spielt höchstens für Menschen eine Rolle, die den Winter im ewig dunklen Norden verbringen und einen sehr unregelmäßigen Lebensrhythmus haben.

 

 

 

Noch mehr Uhren mit zweiter Zeitzone finden Sie hier!

Übrigens, im Amerika des 18. Jahrhunderts gab es unglaubliche 71 verschiedene Zeitzonen. Auf der Meridiankonferenz 1884 wurde die Erde in 24 ganzstündige Zeitzonen eingeteilt. Rechnet man die halb- und viertelstündigen noch dazu – haben wir weltweit 37 Zeitzonen. Diese 37 zeigt übrigens die neue Patrimony Traditionnelle World Time von Vacheron Constantin an.


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