Die Swatch und ihr neues Automatikwerk SISTEM51

Teil 4 meiner Baselworld-Impressionen

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 2. Mai 2013
Swatch-Group-Chef Nick Hayek jun. erklärt das neue Automatikwerk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Swatch Group ist auf der Baselworld zwar jedes Jahr mit vielen Marken vertreten, doch ausgerechnet die Marke Swatch blieb der Messe bislang fern. Wenn sie also 2013, im Jahr ihres 30-jährigen Bestehens, erstmals ausstellte und noch dazu in einer eigenen Halle, durfte man etwas Besonderes erwarten. Und das gab es dann auch: Auf einer Pressekonferenz präsentierte Swatch-Group-Chef Nick Hayek junior das neue Swatch-Automatikwerk. Zwar gab es das schon: ein Swatch-Kaliber mit Selbstaufzug. Doch das neue gibt eine Richtung vor, in die sich ein Teil der Uhrenfertigung in Zukunft bewegen könnte: der Teil der Massenproduktion nämlich. Das neue Werk mit dem Namen SISTEM51 wird vollautomatisch zusammengebaut, ohne dass menschliche Mitarbeiter die perfekten Abläufe stören könnten.

Während Luxusmarken wie A. Lange & Söhne, Patek Philippe oder die Breguet der Swatch Group für ihre exklusiven Uhren gern das Handwerkliche betonen und den Uhrmacher am Werktisch herzeigen, ausgestattet mit Pinzette und Lupe, gilt der Mensch in der teilautomatisierten Massenproduktion eher als Fehlerquelle. Und Massenproduktion, das beginnt nicht erst bei Swatch: Schon Firmen wie Rolex und Omega, die jährlich zwischen 700.000 und 900.000 Uhren bauen, gehören in diese Kategorie, auch wenn die einzelne Uhr zum Teil sehr hochwertig ist und im Laden mehrere Tausend Euro kostet. Rolex hat seine Produktion schon seit längerem darauf ausgerichtet, menschliche Fehler so gut es geht zu eliminieren. Dort gibt es Roboter, vollautomatische Lagersysteme und ein Fließbandnetzwerk, das die vom Uhrmacher (den gibt es natürlich auch noch!) benötigten Teile innerhalb weniger Minuten zu seinem Arbeitsplatz bringt.

Swatch hat dieses Prinzip jetzt noch weiter gedacht und überschreitet damit eine Grenze, die bisher unerreichbar schien. Denn normalerweise muss man eine mechanische Uhr mit einer klassischen Schweizer Ankerhemmung, zu der auch Unruh und Unruhspirale gehören, regulieren, d.h. so einstellen, dass sie möglichst genau geht. Beim Swatch Sistem51 entfällt auch das: Nach Angaben der Marke wird die Ganggeschwindigkeit mittels eines Lasers festgelegt. Das Werk besteht aus fünf sogenannten Modulen, die miteinander verschweißt und von einer einzigen, im Zentrum sitzenden Schraube zusammengehalten werden. Insgesamt sind es nur 51 Bauteile (daher der Name SISTEM51), darunter 17 Lagersteine, von denen man sechs von außen sieht. Swatch verwendet für das Werk teilweise neuartige Materialien, synthetische, aber auch eine neue Metalllegierung aus Kupfer, Nickel und Zink, die laut Marke amagnetische Eigenschaften hat. Die grundsätzliche Architektur ist allerdings klassisch inklusive einer dreischenkligen Unruh mit Spiralfeder. Die Gangautonomie liegt bei 90 Stunden. Der Zusammenbau des Werkes geschehe, so Swatch, in rund 20 Minuten. Gleichzeitig bietet das Werk auch die Möglichkeit, auf ganz unterschiedliche Art dekoriert zu werden.

Für die Entwicklung haben Swatch-Group-Firmen wie Eta (Werke), Nivarox-FAR (Hemmungen, Unruhn, Spiralfedern) und Comadur (Lagersteine, Saphirgläser, Keramikteile) eng zusammengearbeitet. Thierry Conus, Entwicklungsleiter des Swatch-Group-Werkeherstellers Eta, versprach eine überraschend hohe Präzision: Man erreiche für 90 Prozent der Uhren eine Gangabweichung von unter fünf Sekunden pro Tag. Eine Wartung soll laut Nick Hayek auf viele Jahre hinweg nicht nötig sein. Ich vermute, dass es im Servicefall billiger ist, kurzerhand die ganze Uhr auszutauschen, als das Werk zu reparieren.

Zum Preis bemerkte Hayek, er werde wohl knapp unter 150 Euro liegen: „Wir wollten zeigen, dass es möglich ist, eine 100-Prozent-Swiss-Made-Uhr zu machen, die unter 200 Euro kostet.“

buc

Swatch SISTEM51

 

Swatch SISTEM51 Werk

 

Swatch Vitrine
"100% swiss made": Nick Hayek jun. erklärt die SISTEM51
“100% swiss made”: Nick Hayek jun. erklärt die SISTEM51

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und hier noch die offiziellen Pressebilder:

Swatch_Sistem 51_III

 

Swatch SISTEM51 Werk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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