Frédérique Constant: Interview mit CEO Peter Stas

»Wir sind konsequent unseren Weg gegangen.«

Martina Richter
von Martina Richter
am 13. Mai 2014

Auf etwa einhundert Seiten wollten Peter und Aletta Stas die Story ihres Familienunternehmens Frédérique Constant niederschreiben. Daraus sind ganze fünfhundert und das Buch “Live your Passion” geworden. Einige wesentliche Gedanken resümiert CEO Peter Stas im Gespräch mit dem UHREN-MAGAZIN.

Frédérique Constant: CEO Peter Stas
Frédérique Constant: CEO Peter Stas
[Foto: © Josh Wong Photography]

Uhren-Magazin: »Alles begann mit unserer Passion für Uhren. Dazu kam die Leidenschaft unserer Uhrmacher und schon steckten wir mittendrin im Bau einer erfolgreichen Uhrenmanufaktur.« Mit diesen Worten beginnt das Buch über den Aufbau von Frédérique Constant. Herr Stas, wie begründen Sie Ihren Erfolg?
Peter Stas: Wir sind vor mehr als zwanzig Jahren mit einer sehr klaren Positionierung gestartet, nämlich mit Frédérique Constant eine klassische, schöne und bezahlbare Luxusuhr zu schaffen. Um jüngere Kunden anzusprechen, die keine 10.000 – damals noch D-Mark – eben mal so für einen Zeitmesser zur Verfügung haben. Wir haben die Lücke im Markt gesehen und avisiert, vor allem aber unsere Strategie vehement verfolgt. Andere Unternehmen haben sich verändert, sind mit den Preisen in die Höhe geschossen oder in ein anderes Metier abgebogen. Wir sind immer konsequent auf unserem Weg geblieben. Auch wenn das manchmal mühsam war. Das waren zwanzig Jahre harte Arbeit, step by step, keine Prozesse von einem Tag auf den anderen. So kurzsichtig gedacht, hätte unsere Passion nämlich nicht funktioniert.

Uhren-Magazin: Sie produzieren, wie Sie sagen, klassische, schöne Uhren. Wie gestaltet sich die Kollektion?
Peter Stas: Bei Frédérique Constant haben wir zurzeit fünf Kernlinien. Allen voran die »Manufacture« mit unseren eigenen Kalibern, dann die Damenuhrenlinie »Ladies Automatic«, »Runabout« – eine Kollektion, welche die gleichnamigen sportlichen Boote aus den 1920er-Jahren würdigt, »Vintage Rally«, mit der die Uhrenmarke ihr Engagement im Motorsport unterstreicht, und »Classics«, eine Kollektion aus »ewigen Stücken«. Die Gesamtkollektion besteht zu 65 Prozent aus mechanischen Uhren – mit Werken von Sellita und aus der eigenen Manufaktur – und zu 35 Prozent aus Quarzuhren. 40 Prozent sind der Damenwelt gewidmet, 60 Prozent machen Herrenuhren aus.

Uhren-Magazin: »Manufacture« ist Ihre größte Herausforderung. Wie viele Manufakturkaliber werden derzeit gebaut?
Peter Stas: 15.000 bis 20.000 Stück im Jahr. Wir sind jetzt bei etwa 1.200 pro Monat und investieren noch immer sehr viel, haben gerade erst wieder 15 neue Uhrmacher eingestellt, um die Manufaktur weiter wachsen zu lassen.

Uhren-Magazin: Wie viele Mitarbeiter haben Sie insgesamt?
Peter Stas: 150. Davon 130 in der Manufaktur in Genf und 20 in den Filialen.

Uhren-Magazin: Zurück zu den Uhren. Wie sieht die preisliche Positionierung aus?
Peter Stas: Wie gesagt, wir verfolgen den Anspruch, klassisch-schöne, vor allem aber bezahlbare Luxusuhren zu bauen. Daher gibt es bei uns zahlreiche mechanische Zeitmesser unter 1.000 Euro. Der Einstieg bei den automatischen Uhren liegt bei 695 Euro. Die Kalkulation heißt: 695, 795, 895 Euro für Uhren in Edelstahl, Edelstahl mit Metallband und Edelstahl plattiert. Das ist spitz gerechnet und aggressiv gepreist. Es handelt sich um Uhren mit dem Sellita-Kaliber SW 200. In der nächsten Stufe folgen kleine Komplikationen, die wir auf das SW 200 aufsetzen – Zeigerdatum, Mondphase oder die Anzeige von Tag und Datum zusammen mit einer Mondphase. Diese Uhren kosten zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Denen folgen die Uhren mit Manufakturwerken zwischen 2.000 und 2.500 Euro.

Live Your Passion: Peter und Aletta Stas Buch
Live Your Passion: Peter und Aletta Stas Buch

Uhren-Magazin: Wie sind denn solche Preise überhaupt zu realisieren?
Peter Stas: Wir produzieren inzwischen große Stückzahlen an Uhrwerken. Das »Maxime«-Werk zum Beispiel ist so konzipiert, dass es sich sehr effizient zusammenbauen lässt. Zu diesem Zweck haben wir in Genf in eine semi-automatische Assemblage-Straße investiert. Im Manufakturbereich wollen wir die gleiche Positionierung erreichen wie bei den anderen Uhren. Eine bezahlbare Luxusuhr für junge Leute, die begeistert sind von der Technik, aber kein Riesenbudget haben. Übrigens: Hinter Alpina steckt dieselbe Struktur mit denselben Werken.

Uhren-Magazin: Alpina – wie ist denn die Marke in Ihr Unternehmen gekommen?
Peter Stas: Im Laufe der Zeit haben uns zahlreiche Kunden gebeten, eine Sportuhrenkollektion zu entwickeln. Eine solche hätte jedoch nicht der Philosophie von Frédérique Constant, welche wir um keinen Preis unterwandern wollten, entsprochen. 2002 bot sich schließlich die Gelegenheit, Alpina zu übernehmen, ein Uhrenunternehmen, welches bereits 1883 gegründet wurde und seit vielen Jahren Sportuhren herstellt. Diese Übernahme bereitete den Weg für eine Sport- und Livestyle-Uhrenkollektion. Alpina gliedert sich genauso wie Frédérique Constant – preislich zwischen 800 und 2500 Euro – eben mit dem einen Unterschied: Frédérique Constant ist klassisch, Alpina sportlich. Für Frédérique Constant ist noch hinzuzufügen, dass es auch etwas teurere Uhren mit Diamanten gibt, und das Tourbillon, ein Image-Produkt, mit dem wir bei 30.000 Euro liegen und momentan zwischen 100 und 150 Stück pro Jahr produzieren.

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