Fußball und Uhren: Interview mit Oliver Bierhoff

Der Manager der deutschen Nationalmannschaft über die Lieblingsuhren der Nationalspieler

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 30. Mai 2014
Oliver Bierhoff
Oliver Bierhoff

Die Verbindung zwischen Fußball und Luxusuhren hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Kurz vor der Abreise der deutschen Nationalmannschaft aus dem Trainingslager in Südtirol sprach Rüdiger Bucher mit deren Manager Oliver Bierhoff über die Lieblingsuhren der Spieler, die uhrenverrückteste Fußballnation und darüber, ob Joachim Löw bei der WM 2014 in Brasilien die Nachspielzeit mitstoppt.

Herr Bierhoff, wie viele Uhren bringt der durchschnittliche Nationalspieler mit ins Trainingslager? Wenn ich so auf die Handgelenke schaue, sehe ich, dass jeder seine Lieblingsuhr mitbringt. Manche ergänzen das noch um eine Pulsuhr.

Nutzen die Spieler beim Training ihre eigenen Pulsuhren? Teilweise. Natürlich haben wir beim Training unsere eigenen Messgeräte, die mit unseren Computern verbunden sind, darunter auch Pulsuhren. Aber zwischendurch trainieren viele Spieler auch mal für sich selbst.

Welche Nationalspieler sind denn richtige Uhrenfans? Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez, aber auch Jérôme Boateng oder Sami Khedira. Überhaupt sind Uhren mittlerweile ein großes Thema bei den Spielern.

Sie kennen die wichtigen Spieler und Funktionäre weltweit: Gibt es da ausgemachte Uhrenfans? Die Vorreiter der Uhrenleidenschaft waren immer schon die Italiener. Von dort kommt auch meine eigene Uhrenliebe. Als ich 1991 als nach Italien gegangen bin, spielten Uhren dort schon eine große Rolle, während das Uhrenthema in Deutschland noch nicht so groß war. Daher vermute ich, dass von den Teams, die an der WM 2014 teilnehmen, die italienische Mannschaft am besten mit hochwertigen Uhren bestückt ist.

Oliver Bierhoff und Jens Lehmann
Oliver Bierhoff und Jens Lehmann

Sie haben von 1991 bis 1995 für Ascoli gespielt, später für Udinese, den AC Mailand und Chievo Verona. Wer hat konkret bei Ihnen das Uhrenvirus ausgelöst? Das war gar keine bestimmte Person, sondern die gesamte Mannschaft. In Italien gibt es im Grunde zwei Statussymbole: Mercedes und Rolex. Viele Spieler belohnen sich bei bestimmten Erfolgen mit einem Auto odereiner Uhr. Die Uhr ist ja der einzige Schmuck, den ein Mann tragen kann. Gleichzeitig stellen Uhren einen Wert dar, in den man investieren kann.

Sie haben Rolex erwähnt: Welche Marken sind denn heute bei den Spielern besonders beliebt? Bei uns vor allem IWC. Das kommt auch durch die Nähe, die wir bei den letzten Turnieren mit dieser Marke hatten. 2006 erhielten wir vor der WM die Gelegenheit, an einem hochinteressanten Uhrenkurs mit IWC-Konstrukteur Kurt Klaus teilzunehmen, wo wir eine Uhr auseinander- und wieder zusammenbauen konnten. Die Affinität zu IWC wird aber auch dadurch gestärkt, dass viele Modelle dieser Marke sehr beliebt sind.

Welche Marken sind noch begehrt? Man sieht immer wieder Rolex an den Handgelenken oder die Royal Oak von Audemars Piguet. Es gibt außerdem Modephasen: Eine Zeitlang war Panerai sehr gefragt oder die Uhren von Graham. Das kann schon mal wechseln. Aber IWC bleibt unser ständiger Begleiter.

Welche Uhr tragen Sie heute? Den IWC Doppelchronograph Edition DFB von 2008.

Das war eine der drei Sondereditionen, die IWC für die deutsche Nationalelf gebaut hat, zu den Turnieren 2008, 2010 und 2012. Jeder Spieler bekam eine Uhr, die mit seiner Rückennummer versehen war, darüber hinaus gingen weitere Modelle dieser Limited Editions in den Handel. Es freut mich, dass viele unserer Spieler, wenn sie bei der Nationalmannschaft sind, diese Uhren tragen. Wir haben das damals nicht so sehr als Geschenk gesehen oder als Werbeaktion, sondern als Ausdruck eines Zusammengehörigkeitsgefühls. Das hat schon auch einen identitätsstiftenden Aspekt.

IWC Doppelchronograph Edition DFB von 2008
IWC Doppelchronograph Edition DFB von 2008

2014 gibt es keine offizielle Uhr der deutschen Nationalmannschaft. Warum wird diese Tradition nicht fortgesetzt? Der DFB hat eine strategische Entscheidung getroffen, gewisse Sponsoring-Partnerschaften nicht fortzusetzen, was ich gerade im Hinblick auf IWC sehr bedauere. Wir haben aber auf eigenen Wunsch eine Bestellung bei IWC abgegeben. Das heißt, wer von den Spielern, vom Trainerstab oder von den Betreuern möchte, kann über uns eine Uhr bei IWC bestellen, bei der das DFB-Logo auf dem Boden aufgebracht ist. Ich finde, so eine Uhr ist immer eine schöne Erinnerung.

Was für Uhren tragen die Schiedsrichter? Das weiß ich nicht genau. Ich gehe davon aus, dass gerade bei der WM die Schiedsrichter von bestimmten Sponsoren wie Adidas mit Uhren ausgestattet werden. Sie werden sicherlich digitale Quarzuhren mit gut ablesbarer Stoppfunktion verwenden.

Wenn der Schiedsrichter in einem wichtigen Spiel die Nachspielzeit anzeigen lässt: Prüfen Sie oder der Bundestrainer dann die Zeit mit Ihrer eigenen Uhr nach? Ja. Der Bundestrainer selbst nicht, aber sein Co-Trainer Hansi Flick tut das. Auch ich selbst starte dann meinen Chronographen. Für die Trainer ist das wichtig, weil sie im Hinblick auf die Restspielzeit wichtige Entscheidungen treffen müssen.

Wie bereiten Sie die Mannschaft auf die Zeitumstellung in Brasilien vor? Wir reisen frühzeitig an, acht Tage vor unserem ersten Spiel. Bei fünf Stunden Zeitverschiebung reicht das zur Eingewöhnung. Wir werden aber auch unseren Tagesrhythmus ein bisschen ändern: Wir werden etwas früher zu Abend essen und die Trainingseinheiten etwa eine Stunde nach vorn verschieben.

Bierhoff mit dem DFB-Trainerteam Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke (von rechts)
Bierhoff mit dem DFB-Trainerteam Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke (von rechts)
[Foto: BrauerPhotos (c) G.Schober]

Für ein Qualifikationsspiel in Kasachstan haben Sie die Zeitverschiebung sogar einmal ganz ignoriert. Ja, damals sind wir für den kurzen Abschnitt von Hinreise, Spiel und Rückreise einfach in unserem deutschen Zeitrhythmus geblieben. In Brasilien geht das aufgrund der Dauer des Aufenthalts nicht, aber wir werden, wie gesagt, früher zu Bett gehen und früher aufstehen, um das etwas abzufedern.

Die großen Fußballvereine, die regelmäßig in der Champions League spielen, und bestimmte Nationalmannschaften wie die deutsche sind inzwischen weltumspannende Marken, ähnlich wie die Uhrenmarken. Sehen Sie hier Parallelen? Ja, ich sehe viele Parallelen. Für uns als Nationalmannschaft ist auf der einen Seite der Erfolg sehr wichtig, auf der anderen Seite spielt auch das Image eine große Rolle. Das ergibt sich nicht nur aus den Ergebnissen, sondern auch aus der Attraktivität des Spiels und aus dem ganzen Auftreten. Auch bei der Uhr kommt es nicht nur auf das Werk an, sondern ebenso auf das Markenimage; darauf, was die Leute damit verbinden. Die Nationalmannschaft hat ein starkes Markenprofil, wir sind auch als Premiumprodukt positioniert.

Lässt sich die Nationalelf auch außerhalb Deutschlands vermarkten? Mit Sicherheit. Dafür sorgt allein schon die internationale Präsenz über das Fernsehen. Mittlerweile wird ein großer Teil der Nationalmannschaftstrikots im Ausland verkauft. Leider können wir die verschiedenen Märkte nicht ganz so strategisch angehen wie die Vereine, weil uns schlicht die Zeit fehlt. Dafür bleiben praktisch nur ein oder zwei freie Länderspieltermine.

Wenn Sie die Nationalelf als Marke ansehen, was wären dann deren Markenwerte? Sportlich, erfolgreich, jung, dynamisch, integrativ, hochwertig und sympathisch.

buc

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