Gérald Genta: Legendärer Uhrendesigner gestorben

Vater zahlreicher Uhrenikonen lebt nicht mehr

Katharina Studer
von Katharina Studer
am 24. August 2011
Der Uhrendesigner Gérald Genta starb im Alter von 80 Jahren im August 2011. Einige der bekanntesten Uhrenikonen wurden vom ihm geschaffen: die Royal Oak von Audemars Piguet, die Bulgari-Bulgari, die Nautilus von Patek Philippe, die Overseas von Vacheron Constantion oder die Omega Constellation.

Der 1931 in Genf als Sohn italienischer Eltern geborene Gérald Genta zeigte schon in seiner Kindheit ein enormes Interesse fürs Zeichnen. Nach der Schulzeit schickte man ihn zu einem großen Genfer Juwelier in die Lehre, parallel dazu besuchte er die Gewerbeschule. Nach seiner Lehrzeit war Genta im Bereich des Schmucks tätig, machte Ausflüge in die Werbung und die Mode, und bald erhielt er auch Auftrage der Uhrenindustrie. Zudem betraute man ihn immer wieder mit der Kreation von Uhren, die bekannte Pariser Juweliere als exklusive Einzelstücke oder ganz kleine, limitierte Serien anboten. Im Laufe von fast 20 Jahren arbeitete sich Genta hoch und galt schließlich als Stardesigner. Als eine Art Krönung empfand er den Auftrag der Firma Audemars Piguet, die eine sportliche Uhr aus Edelstahl ins Sortiment aufnehmen wollte. Eine Sportuhr aus Stahl war für Audemars Piguet etwas völlig Neues. Bisher hatte man ausschließlich sehr konservative Golduhren gebaut, wobei der Akzent auf der Technik der Werke lag. Die Inspiration zur Royal Oak war Genta bei einem Spaziergang am Ufer des Genfer Sees gekommen. Dort arbeitete ein Taucher, dessen Helm durch acht Schrauben mit seinem teilweise aus glanzendem Messing bestehenden Taucheranzug verbunden war. Genta setzte seine Inspiration gleich in ein Uhrendesign um. Das Ergebnis war eine achteckige Lünette auf einem runden Gehäuse, mit acht deutlich sichtbaren Schrauben. Der Erfolg der Royal Oak übertraf alle Erwartungen.

Gérald Genta war jedoch auch für zahlreiche weitere Unternehmen tätig. Dazu gehörten Omega, Henri Stern, Universal Geneve (für die er den „Polerouter“ designte), IWC (die ihre erste „Ingenieur“ bei Genta in Auftrag gab) und sogar Benrus in den USA.

Auch Patek Philippe benötigte eine Sportuhr. Wohl wissend, dass mehrere Mitglieder der Besitzerfamilie Stern begeisterte Segler waren, entwarf Genta 1974 die „Nautilus“ mit einer bullaugenförmigen Lünette und einem massiven Scharnier.

Sein Name sollte erst später als Uhrenmarke bekannt werden; vorwiegend baute er Einzelanfertigungen für Cartier, Hermès und vor allem für Fred. Sogar aus Japan kamen Anfragen: Für Rejiro Hattori von Seiko entwarf er eine Uhr mit sechseckiger Lünette und Inbusschrauben.

Bei der Bulgari-Bulgari-Uhr stieß Genta zunächst auf große Opposition von Gianni Bulgari. Doch die Modellfamilie Bulgari Bulgari entwickelte sich zum Kennzeichen der Marke. Sie wird noch immer in neuen Varianten mit verblüffendem Erfolg verkauft.

Auch entwarf Genta besondere Uhren als Einzelanfertigungen für berühmte Persönlichkeiten. Zu seinen Kunden zählten unter anderem der König Fahd von Saudi-Arabien, der Sultan von Selangor und seine Frau, der König von Thailand, der Premierminister von Malaysia, die Königinmutter von England, König Hassan II von Marokko, Tunku Ibrahim und Tunku Araman von Malaysia, der König und die Königin von Spanien sowie Fürst Rainier III von Monaco.

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