H. Moser & Cie: Von Schaffhausen in die Welt

So siedelt beispielsweise Ariosto Jones, der Gründer der International Watch Company, 1868 seine neue Uhrenfabrik hier an. Die Taschenuhren von Moser werden weiter in erster Linie im russischen Reich bis nach China verkauft. Doch die Glanzzeit ist bald vorbei: Ehefrau Charlotte stirbt 1850 an den Folgen eines Kutschenunfalls. Ihr einziger Sohn Henri Moser hat nicht den Unternehmergeist des Vaters geerbt: Er vergnügt sich auf ausgedehnten Expeditionen und bringt viele Sammlerstücke aus Kasachstan, Tibet und anderen Regionen mit in die Villa Charlottenfels, wo sie heute in einem Museum zu sehen sind, das die Stiftung »Heinrich und Henri Moser« mit der Unterstützung des Unternehmens H. Moser & Cie. unterhält. Das Unternehmen verliert nach dem Tod von Heinrich Moser 1874 und den Wirren der Russischen Revolution an Bedeutung.

H. Moser & Cie.: Doppelspirale
H. Moser & Cie.: Die Doppelspirale ist die Spezialität der Uhren von H. Moser & Cie. Sie sorgt dafür, dass während der Schwingbewegung der Unruh der Schwerpunkt immer an der gleichen Stelle bleibt.

Als der Urenkel Roger Nicholas Balsiger rund ein Jahrhundert später Dr. Jürgen Lange und Thomas Straumann kennenlernt, beschließt das Trio, die Marke wieder aufleben zu lassen. Thomas Straumann ist der Sohn von Reinhard Straumann, der als Erfinder der Nivarox-Spirale berühmt wurde. Hier schließt sich der Kreis zu H. Moser & Cie.: Die Manufaktur ist als eines von vielleicht einer Handvoll Unternehmen in der Lage, selbst Spiralen herzustellen. Jahrelang experimentieren die Entwickler des Unternehmens zusammen mit Zulieferern, bis sie die richtige Legierung und Verarbeitung heraushaben. Heute stellt die Precision Engineering AG, eine Schwesterfirma von H. Moser & Cie., Spiralen her und beliefert auch andere Uhrenmanufakturen. Auf die Doppelspirale ist man hier besonders stolz: Bei dieser Hemmung sind zwei Unruhspiralfedern der gleichen Bauart so angeordnet, dass sich ihre Schwerpunkte während der Schwingbewegung auf entgegengesetzten, symmetrischen Bahnen verlagern. Damit bleibt der Summenschwerpunkt immer in der Achsenmitte und kann so erst gar keine negativen Auswirkungen auf die Ganggenauigkeit des Uhrwerks entwickeln.

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Die Uhren von H. Moser & Cie.: Komplex, aber nicht überladen

2014 präsentiert H. Moser & Cie. sechs Uhrenfamilien mit jeweils eigenen Kalibern. Praktische Details, erstklassige Verarbeitung und technische Neuerungen sind dabei ebenso Gemeinsamkeiten aller Modelle wie das klare Design mit »aufgeräumt« wirkenden Zifferblättern. Beispielsweise zeigt der kleine rote Zeiger bei der Nomad Dual Time eine zweite Zeitzone an. Er ist einzeln verstellbar ohne dabei die Heimatzeit zu verändern. Unterhalb der Zwölf zeigt ein winziger, kreisrunder Ausschnitt einen weißen oder schwarzen Hintergrund und informiert so darüber, ob die angezeigte Stunde zur ersten oder zur zweiten Hälfte des Tages gehört.

H. Moser & Cie.: Nomad Dual Time, Platin
H. Moser & Cie.: Nomad Dual Time, Platin (Bild: Stefan VOS)

Möglichst viele Komplikationen in einem Kaliber zu vereinen ist nicht das Anliegen der Manufaktur. So hat man sich bei der Perpetual Moon eben nur auf die Mondphase konzentriert und besonderen Wert darauf gelegt, dass sie so präzise wie möglich funktioniert: Auf 1 000 Jahre weicht die Mondphase nur um einen einzigen Tag ab. Sie zeigt auch an, wie viele Tage einer Mondphase bereits vergangen sind. Ein besonderer Genuss für Fans des Ewigen Kalenders ist die Perpetual Calendar, mit der sich H. Moser & Cie. 2005 auf dem Uhrenparkett zurückmeldet. Wer seinen Freunden zeigen will, wie gut beispielsweise die Umstellung vom 28. Februar auf den ersten März funktioniert, kann problemlos über die Krone vor- oder zurückdrehen und das kleine Schauspiel so beliebig oft zeigen.

H. Moser & Cie.: Perpetual Calendar, blau
H. Moser & Cie.: Perpetual Calendar, blau

Noch schlichter als diese 2014 vorgestellten Modelle, kommt die Concept Watch von H. Moser & Cie. daher, die die Uhrenmarke bei der weltgrößten Uhren- und Schmuckmesse Baselworld 2015 erstmals präsentierte. Auf dem Zifferblatt der Uhr befinden sich drei Zeiger – und sonst nichts. Weder Indexe noch ein Firmenlogo sind zu sehen, einzig auf der Krone erkennt man das Logo der Schweizer, die sich klarem Design und der Seltenheit verschrieben haben.

H. Moser & Cie: Concept Watch
H. Moser & Cie: Concept Watch

Ein wenig bekannter möchte die Manufaktur H. Moser & Cie. schon noch werden

Beim Rundgang durch die kleine, hochmoderne Manufaktur mit ihren 50 Mitarbeitern kann man sich von der hochwertigen Verarbeitung der Uhren überzeugen. Uhrmacher Miroslav Goranovic überholt gerade eine Perpetual Calendar der Golden Edition. Bei dieser außergewöhnlichen Uhr sind alle Teile aus Gold, also auch Zeiger, Indexe, Brücken, Zifferblatt, ja sogar die Schrauben. Außerdem sitzt die Unruhwelle nicht in zwei synthetischen Rubinen, sondern in zwei Diamanten. Wobei den unteren nur der Uhrmacher, der die Uhr überholt, zu sehen bekommt, wie Goranovic gerne demonstriert. In der Manufaktur werden Ankerräder und Kleinteile geläppt, also in einem speziellen Verfahren mithilfe einer Metallscheibe und diamanthaltiger Paste vollkommen plan geglättet. Hier entstehen auch die Ringe für die Datumsanzeigen, ebenfalls ein aufwändiges Verfahren, das viele Prozessschritte erfordert. Auch Sonderwünsche können die Mitarbeiter in dieser Manufaktur erfüllen, beispielsweise mit dem Wappen des Sultanats Brunei gravierte Rückseiten für eine Sonderedition von Uhren, die das Herrscherhaus des Staates auf Borneo bestellt hat.

Sehr selten werden die Uhren von H. Moser & Cie. immer bleiben. Das ist auch erklärtes Ziel des Familienunternehmens. Doch ein wenig bekannter will man schon noch werden. Schließlich gibt es nicht mehr so viele Manufakturen in Familienbesitz, die ausschließlich eigene Kaliber produzieren und durch ihre eigene Fertigung unabhängig von den großen Konzernen sind. Für den Erfolg seiner Marke reist Edouard Meylan seit seiner Übernahme 2013 rastlos durch die Welt. Auch sein junges, internationales Team kann sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen. Von Schaffhausen in die Welt – sie alle sind davon überzeugt, dass das die Moser-Uhren wieder einmal schaffen.

Text: Katrin Nikolaus
Fotos: H. Moser & Cie.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt am 12. Januar 2015.

Produkt: Download Einzeltest: Tudor Heritage Black Bay Dark
Download Einzeltest: Tudor Heritage Black Bay Dark
Tudor stattet seine Taucheruhr Heritage Black Bay mit dem eigenen Manufakturkaliber aus. Chronos testet die schwarze Version des begehrten Modells.

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