Hands-on: IWC Big Pilot´s Watch 43 Spitfire

Mit Feuereifer

Inspiriert vom klassisch-funktionalen Fliegeruhren Design lancierte IWC die Big Pilot’s Watch 43 Spitfire. Neben konventionellen Eigenschaften, wie beste Ablesbarkeit durch klare Zifferblattgestaltung, Magnetfeldschutz durch einen Weicheisenkäfig oder Robustheit durch ein massives Titangehäuse, tickt in ihr auch ein neues Uhrwerk der 82000er-Baureihe. Wir testen eine bodenständige Uhr bis zum Abheben.

IWC: Big Pilot´s Watch 43 Spitfire
Bereit zum Abheben ist die Big Pilot’s Watch 43 Spitfire der IWC. Mit ihrem besonderen B-Uhren-Design nach dem eher selten zu findenden Baumuster B hebt sie sich auch am Boden von zahlreichen Fliegeruhren ab.

Seit mehr als 85 Jahren ist der Name IWC untrennbar mit der Fliegeruhr verbunden. Das Schaffhauser Unternehmen setzte Maßstäbe bei der Entwicklung der bis heute äußerst beliebten Uhrengattung. 1936 brachte IWC die erste »Spezialuhr für Flieger« heraus. Dieser folgten 1940 die »Große Fliegeruhr« und 1948 die »Mark 11« – eine Fliegeruhr, die Kultstatus erreichte. Die Modellvielfalt reißt bis in die Gegenwart nicht ab.

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Alle IWC-Fliegeruhren vereinen Eigenschaften, die auch im »ganz normalen« Alltag Bestand haben, weshalb sie wohl so beliebt sind – angefangen bei ihrem schlichten, klaren Design, aus dem beste Ablesbarkeit resultiert, über höchste Präzision bis hin zu besonderer Robustheit zum Beispiel gegenüber Schlägen, Temperaturschwankungen, Druckabfällen oder Magnetfeldern.

IWC: Big Pilot´s Watch 43 Spitfire
Kaliber 82100: Das Werk folgt in Bauart und Design dem Engineering-Ansatz der IWC.

Den neuen Modellen der Big Pilot’s Watch 43 Spitfire, die es – wie im Falle unserer Testuhr – mit Titangehäuse und schwarzem Zifferblatt, aber auch mit Bronzegehäuse und grünem Zifferblatt gibt, sind speziell von historischen Militäruhren inspiriert. Die IWC hat in der Vergangenheit zahlreiche solcher Uhren für das britische Militär und Deckuhren für die Royal Navy gebaut. Die berühmteste ist sicherlich die bereits erwähnte Mark 11, eine Navigationsuhr, die für die britische Royal Air Force entwickelt wurde.

Inspiriert von Militäruhren

Die Spitfire-Modelle der aktuellen Fliegeruhren-Kollektion widerspiegeln genau dieses Kapitel der Markengeschichte und sind nicht zuletzt deshalb nach dem legendären britischen Flugzeug, das zwischen 1938 und 1948 mehr als 20.300-mal gebaut und von der Royal Air Force eingesetzt wurde, benannt. Daraus erklärt sich eine Gravur des wendigen »Feuerspuckers« aus britischer Produktion, der bis weit in die 1950er-Jahre hinein im Dienst war, auf dem massiven Titanboden der neuen Big Pilot’s Watch 43 Spitfire. Der Gewindeschraubboden gehört zu einem 43,6 Millimeter großen und 14,6 Millimeter hohen sowie bis zehn Bar druckfesten Gehäuse, das außen komplett – einschließlich der signifikanten Kegel-Schraubkrone – aus Titan Grade 5 besteht. Innen schützt ein weiteres Weicheisengehäuse den beliebten Flieger vor Magnetfeldern bis 1.000 Gauß. Den Schutz gewährleisten ein doppelter Gehäuseboden, der Werkhaltering und das Zifferblatt, weshalb es auf diesem auch keinen Durchbruch, etwa für ein Datum, gibt.

IWC: Big Pilot´s Watch 43 Spitfire
Schutzwall: Das Titangehäuse ist an sich schon robust. Ein Weicheisen-Innengehäuse bietet zudem erhöhten Schutz vor Magnetismus.

Das große Zifferblatt von etwa 37 Millimetern Durchmesser bietet ausreichend Fläche für eine klare und deutliche Gestaltung nach den Maßgaben einer professionellen Fliegeruhr. Die Basis bildet ein mattschwarzer und dadurch nicht reflektierender Untergrund, auf dem kräftige weiße Skalierungen am Zifferblattrand für starke Kontraste sorgen.

Das Zifferblatt der IWC Big Pilot’s Watch 43 Spitfire

In Betrachtung der großen arabischen Ziffern fällt auf, dass diese Big Pilot’s Watch 43 Spitfire einem besonderen Design folgt. Man spricht vom sogenannten Baumuster B innerhalb der als Beobachtungs- oder auch B-Uhren bekannten Fliegeruhren. Sie dienten einst der Navigation anhand der perfekten Möglichkeit einer sekundengenauen Bestimmung der Zeit.
Neben präziser uhrwerktechnischer Grundlage diente dazu eben auch ein großes, klares Zifferblatt, das sich wiederum durch optisch starke Kontraste auszeichnete. Es gab zwei Zifferblattvarianten – die mit großen Stundenziffern, das Baumuster A, und die mit großen Minutenziffern, das Baumuster B. Während die Gestaltung beim Baumuster A dem verbreiteten klassischen Uhrendesign weitestgehend folgt, sind – wie bei unserer Testuhr – beim Baumuster B die Stundenziffern weniger dominant im inneren Bereich des Zifferblattes angeordnet. Bei der Big Pilot’s Watch 43 Spitfire erfolgt dies über eine zurückhaltende anthrazitfarbene Skala aus arabischen Ziffern, die ein Kreisbogen zusammenhält, während sich zwischen diesem Stundenkreis und der klaren weißen Minutenskalierung am Zifferblattrand die in Fünferschritten aufgebrachten, ebenfalls weißen Minutenziffern befinden. Die zweite Big Pilot’s Watch 43 Spitfire im Bronzegehäuse – das nur nebenbei – folgt mit großen weißen Stundenziffern am Rand des Blattes dem Baumuster A.

Mit den Eigenschaften einer Fliegeruhr gerüstet für den Alltag.

Das traditionelle B-Design erleichtert heutzutage nicht nur Piloten, Minuten und Sekunden auf einen Blick abzulesen. Es ist auch im normalen Alltag von großem Vorteil. Abgesehen davon, dass man anhand der beigefarbenen Spitze der Sekundenzeigernadel, die sich exakt zwischen dem Stundenkreis und der gemeinsamen Minuten- und Sekunden-Skalierung am Rand bewegt, die kleine Zeiteinheit genau ablesen kann, lässt sich die Uhr auch sehr präzise sekundengenau einstellen. Dazu bringt man den Sekundenzeiger mithilfe der großen und dadurch sehr gut zu fassenden Kegel-Schraubkrone und der werkseitigen Sekundenstoppvorrichtung genau auf der Spitze des bepunkteten Fliegerdreiecks zum Stehen. Ebenso kann man bei gleicher Stellung des Minutenzeigers die volle Stunde ganz genau ausmachen.

IWC: Big Pilot´s Watch 43 Spitfire
Blickfang: Die überdimensionale Kegelkrone ist wohl das markanteste Merkmal der Big Pilot’s Watch 43 Spitfire. Sie hat einen Durchmesser von 9,4 Millimetern und ist 5,4 Millimeter hoch. Das fein gefräste Bedienteil hat dreißig Kerben und wiegt 1,674 Gramm. Nach dem Spanprozess muss die Krone umfassend manuell bearbeitet werden.

Der typische »Nullindex« bietet vor allem aber Orientierung auf dem Zifferblatt und kennzeichnet auch bei Dunkelheit stets dessen höchste Position bei zwölf Uhr. Mehr noch: Verweist die Spitze des Dreiecks auf die volle Stunde oder Minute, so markieren die zwei Punkte daneben die jeweils erste und letzte Position vor dem Nullpunkt der zwei Zeiteinheiten Minute und Sekunde. Das ist Präzision in Vollendung, wie man sie von einer professionellen Fliegeruhr erwarten darf. Das nach oben gerichtete Leuchtdreieck mit seinen zwei bei Dunkelheit ebenfalls leuchtenden Punkten kommt in den späten 1930er-Jahren auf zahlreiche Fliegeruhren-Zifferblätter, um in dunklen Cockpits Orientierung zu geben. Es wurde später dann zwingend als Merkmal einer offiziellen Flieger-Beobachtungs- beziehungsweise B-Uhr festgelegt. Bei unserer Testuhr ist es – ebenso wie die drei weiteren IWC-typischen Indexe bei drei, sechs und neun Uhr und die lanzenartigen Hauptzeigern – mit einer beigen Leuchtfarbe gefüllt, die bei Dunkelheit in einem kräftigen Grün erscheint und lange nachleuchtet. Die ebenfalls mit dieser retro-inspirierten Farbe versehene Spitze des Sekundenzeigers leuchtet bei Dunkelheit nicht.

Das Gehäuse der Fliegeruhr

Ebenso wie das Zifferblatt darf bei einer klassischen Fliegeruhr auch das Gehäuse weder glänzen noch reflektieren. Deshalb ist es typgerecht komplett mattiert aus leichtem, aber robustem Titan Grade 5 gefertigt. Die dunkelgraue satinierte Ausführung ist das Resultat einer aufwendigen Oberflächenbehandlung, bei der die Komponenten zunächst poliert und anschließend sandgestrahlt werden. An den weit nach unten gezogenen Bandanstößen des unverwechselbaren Fliegeruhrengehäuses dockt das charakteristische braune Kalbslederarmband mit Kontrastnähten an, das wir schon von anderen Modellen her kennen. Die Kombination mit der einseitig klappenden Titan-Faltschließe, in der das eine Bandende über einen Dorn fixiert wird, sorgt für ein gutes Tragegefühl selbst am schmalen Handgelenk.

IWC: Big Pilot´s Watch 43 Spitfire
Rückansichten: Das Lederband ist mit einer Titanfaltschließe vollendet. Den Titanboden ziert eine Gravur des namensgebenden Flugzeuges Spitfire

Von anderen Modellen kennen wir auch schon das neue Bandwechselsystem EasX-Change. Es erlaubt dem Träger, das Armband durch simplen Knopfdruck und ohne zusätzliches Werkzeug zu wechseln. Es gehört eigentlich auch zur Ausstattung unserer Testuhr. An dieser ist allerdings noch das Band ohne EasX-Change befestigt. So oder so stehen verschiedene Armbänder aus Leder und Kautschuk für die Big Pilot’s Watch 43 Spitfire zur Verfügung. Egal, von wem und an welchem Band unsere Testuhr getragen wird, die Big Pilot’s Watch 43 Spitfire geht immer ein bisschen nach. Auch auf der Zeitwaage weicht sie ins Minus ab. Kleiner Wermutstropfen für das ansonsten moderne Automatik-Manufakturkaliber 82100.

Robustes Basiskaliber, geschaffen für den alltäglich Einsatz

Es gehört zur Kaliberfamilie 82000, die aus Bedarf an einem reinen Basiskaliber seit 2017 produziert wird. Die 82000er-Werke ersetzen die ehemals Eta- oder Sellita-basierten Kaliber und werden im eigenen Haus hergestellt. 2017 wurde die erste Version 82110 in einer Aquatimer lanciert. Das Kaliber 82200 tauchte 2018 in einer Da Vinci auf. Ist dieses Uhrwerk mit einer kleinen Sekunde ausgestattet, so besitzt die Version 82100 in der Big Pilot’s Watch 43 Spitfire wie das 82110 eine Zentralsekunde, dafür aber kein Datum. Mit dem 2019 lancierten Kaliber 82710 gibt es zudem noch eine Version mit Zentralsekunde und GMT-Funktion.

Spitfire hebt sich mit Ausstattung einer B-Uhren im Alltag ab

Alle Modifikationen sind mit einer neuen Doppelklinkenversion der von IWC patentierten Pellaton-Aufzugstechnologie ausgestattet. Der stoßsichere und besonders effizient agierende Automatikaufzug wurde 1950 von Albert Pellaton, dem damaligen technischen Direktor der IWC, entwickelt. Selbst die kleinsten Bewegungen des dank zweier Klinken in beide Richtungen agierenden Rotors werden zum Spannen der Zugfeder genutzt. Dabei wird im Federhaus eine Gangautonomie von 60 Stunden aufgebaut.

In Bronze nach dem Baumuster A mit großen arabischen Stundenziffern
Die Testuhr in Titan mit schwarzem Zifferblatt nach Baumuster B mit kleinem Stundenkreis im Zentrum und arabischen Minutenziffern am Rand

Der Klinkenaufzug ist technisch auf dem modernsten Stand gebracht. Wie bei der Kaliberfamilie 52000 sind besonders stark beanspruchte Komponenten, wie das Lager für den Rotor, das Automatikrad und die Klinken, aus schwarzer Zirkonoxid-Keramik gefertigt. Dank des Einsatzes dieses Hightech-Materials arbeitet der Aufzug nahezu verschleißfrei. Die rückerlose Unruh mit Flachspirale ist mit vier Hertz getaktet. Skelettierte Uhrwerkteile, wie die Schwungmasse und die darunter liegende große Brücke, geben den Blick auf ein mit Perlschliff und Genfer Streifen schön verziertes, aber dennoch technisch anmutendes Uhrwerk frei.
Auch wenn man es hinter dem geschlossenen Titanboden nicht erspähen kann, vollendet es doch die Ausstattung dieser Big Pilot’s Watch 43 Spitfire, die mit schlichter, funktionaler Gestaltung, einem besonderen und gut ablesbaren Zifferblatt, großem, robustem Gehäuse und dennoch hohem Tragekomfort als Flieger-Beobachtungsuhr abhebt. MaRi

Produkt: Download: Tudor Pelagos FXD im Test
Download: Tudor Pelagos FXD im Test
Die Tudor Pelagos FXD ist eine historisch inspirierte, aber technisch moderne Kampfschwimmeruhr, die auch im Alltag begeistert. Chronos hat die Uhr ausführlich getestet.

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