Helmut Sinn – eine Legende wird 100

Der Pilot und Uhrenunternehmer feiert seinen 100. Geburtstag auch mit einem Flieger-Chronograph

Martina Richter
von Martina Richter
am 3. September 2016

Fluglehrer und Rallyefahrer war er mit großer Leidenschaft, bevor er Mitte der 1950er-Jahre sein erstes eigenes Uhrenunternehmen gründete. Mit seinen oftmals eigenwilligen und innovativen Ideen hat er die Fliegeruhr nachhaltig mitgeprägt. Am 3. September 2016 feiert Helmut Sinn seinen 100. Geburtstag.

Helmut Sinn
Helmut Sinn feiert am 3. September 2016 seinen 100. Geburtstag.

Mit Helmut Sinn verbindet man Uhrengeschichte – technische Entwicklungen, selbst entworfene Armbanduhren, Frankfurter Unternehmen. Aber der am 3. September 1916 in Metz geborene und in der Pfalz aufgewachsene Helmut Sinn war vor allem erst einmal Pilot. Fliegen wollte er schon als kleiner Junge. Früh fand er Gefallen an Flugzeugen und besuchte folgerichtig eine Fliegerschule. Der Abschluss fiel mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zusammen. Der junge Pilot Helmut Sinn wurde bei der Luftwaffe als Aufklärer eingesetzt. Er ertrug es nur schwer. Fliegen wollte er, aber doch nicht im Krieg. Bei einem Einsatz in Russland musste er 1942 notlanden und wurde verletzt. Danach schulte er als Instrumenten- und Kunstfluglehrer Piloten vor allem auf der Ju52 und der Ju88. Rund 15.000 Starts und Landungen hat er in seinem Leben hingelegt. Er betätigte sich aber auch als Rallye-Fahrer und wurde mit einem Porsche-motorisierten VW-Käfer 1953 Klassensieger bei der Rallye Algier-Kapstadt. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich bereits mit Zeitmessinstrumenten für den Motorsport, insbesondere mit Rallye-Autoborduhren.

Nach Kriegsende gründete Helmut Sinn zunächst einen Uhrengroßhandel, bevor er 1961 eine eigene Uhrenmarke unter seinem Namen ins Leben rief. Er entwickelte zahlreiche technische Neuheiten für seine selbstgebauten mechanischen Armbanduhren, die er für damalige Verhältnisse ausgesprochen innovativ im Direktvertrieb an die Endkunden brachte. Eine entscheidende Entwicklung vor allem für Borduhren war gegen Ende der 1950er-Jahre das eigene Kaliber HS 58 mit zentralem Minutenzähler. Dieses Kaliber wurde seit 1957 flächendeckend in Lufthansa-Maschinen, in einigen Junkers und bis vor einigen Jahren noch in vielen Flugzeugen der Bundeswehr verwendet. Sinn-Uhren schafften es selbst bis ins Weltall. 1985 trug der deutsche Physiker und Astronaut Reinhard Furrer während der Spacelab-Mission D1 die 140 S am Handgelenk. Damit bewies er, dass eine mechanische Sinn-Uhr mit Automatikwerk auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Während der Mir-92-Mission 1992 flog der Astronaut Klaus-Dietrich Flade mit der 142 S von Sinn durchs All und 1993 war die Sinn 142 bei der Mission D2 an Bord der Columbia dabei. In Fachkreisen gilt Helmut Sinn als einer der Wegbereiter von Fliegeruhren. Seine Zeitmesser wiesen hohe Funktionalität und eine ganz typische Formensprache mit hohem Wiedererkennungswert auf.

Helmut Sinn, rechts, mit seinem Nachfolger Dipl.-Ing. Mathias Klüh, dem heutigen Geschäftsführer von Guinand.
Helmut Sinn, rechts, mit seinem Nachfolger Dipl.-Ing. Mathias Klüh, dem heutigen Geschäftsführer von Guinand.

1994 entschied der nun immerhin schon 78-Jährige, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Er verkaufte das Unternehmen “Helmut Sinn Spezialuhren” an seinen Nachfolger Dipl.-Ing. Lothar Schmidt, der von der IWC kam und bereits im Unternehmen arbeitete. Helmut Sinn hoffte, in dem nun als Sinn Spezialuhren GmbH firmierenden Unternehmen weiter mitarbeiten zu können. Aber es gab Streit. Helmut Sinn zog vor Gericht und verlor. Manchmal ist er noch heute darüber verbittert.

Lange hielt es der umtriebige Erfinder und Unternehmer im Ruhestand allerdings nicht aus. 1995 übernahm er die Aktien der Guinand SA von der Familie Guinand und gründete im Folgejahr die Firma “Jubilar Uhren Inh. Helmut Sinn” in Frankfurt am Main. Die Verbindung zu Guinand reichte bis in die Gründerjahre seines ersten Unternehmens zurück. Seit 1960 bis in die 1990er-Jahre hinein fertigte der Schweizer Hersteller einen Großteil der Uhren für Sinn.

Guinand-Geschäftsführer aus drei Generationen
Guinand-Geschäftsführer aus drei Generationen

Durch das Unternehmen “Jubilar Uhren Inh. Helmut Sinn” wurden anfangs zwei bei Guinand in der Schweiz gefertigt Modellreihen angeboten: Jubilar für Taschenuhren und Chronosport für klassische Fliegeruhren und Fliegerchronographen. In den Folgejahren kam die Produktion der Eigenlinien Guinand, Chronosport und Jubilar dann nach Deutschland. Aus “Jubilar Uhren Inh. Helmut Sinn” wurde schließlich die Firma Guinand Uhren Helmut Sinn GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Helmut Sinn entwickelt in dieser Zeit eine signifikante Weltzeituhr mit Handaufzug, die neben der lokalen Uhrzeit vier weitere Zeitzonen anzeigte – völlig unabhängig voneinander, aber angetrieben von nur einem Uhrwerk. Auf diese Entwicklung ist der Senior heute noch besonders stolz. Bis 2014 war Helmut Sinn Eigentümer des Unternehmens, seit dem Jahreswechsel auf 2015 ist es nun Dipl.-Ing. Matthias Klüh. Der gebürtige Frankfurter wird die Uhrenfertigung in der Tradition von Guinand fortsetzen, und “das Sortiment wird weiterhin die Handschrift des Uhrenpioniers Helmut Sinn tragen”, versichert er, “ebenso wie sein Direktvertrieb bestehen bleiben wird”. Bei Guinand ist Helmut Sinn ein gern gesehener Gast.

Guinand: HS100
Guinand: HS100

Zu seinem 100. Geburtstag lanciert Guinand den Chronographen HS100 in einer auf 100 Exemplare limitierten Auflage. Dabei handelt es sich als Hommage an den passionierten Piloten um eine Fliegeruhr. Sie basiert auf einem Modell aus den 1960er-/1970er-Jahren, als die Zusammenarbeit zwischen Helmut Sinn und Guinand ihren Anfang nahm. Auf dem Zifferblatt heben sich von schwarzem Grund weiße Totalisatoren ab. Zwei rote Zeiger und die schwarz-rot-weiße Optik der Skalen nehmen Bezug auf Frankfurt am Main, den heutigen Standort der ehemals in der Schweiz ansässigen Marke Guinand. So trägt das Zifferblatt auch den Zusatz “Frankfurt am Main” unterhalb des Guinand-Logos. Die HS100 bietet neben der Chronographen-Funktionen, die aus einem Automatikkaliber Eta-Valjoux 7750 herrührt, auch eine in beide Richtungen drehbare Fliegerlünette aus Leichtmetall für Kurzzeitmessungen. Das 40,6 Millimeter große und bis 20 Bar druckfeste Gehäuse aus Edelstahl trägt Saphirglas über dem Zifferblatt und im Boden. Die Chronographendrücker sind wie die verschraubbare Krone mit doppelten O-Ringen abgedichtet. Die Limitierungsnummer sowie die Modellbezeichnung sind zwischen den Bandanstößen eingraviert. So kostet die Guinand HS100 1.499 Euro. MaRi

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