Interview: Karl-Friedrich Scheufele über die erste Minutenrepetition von Chopard

Der Co-Präsident von Chopard erklärt die neue L.U.C Full Strike

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 10. November 2016

Vor 20 Jahren gründete Karl-Friedrich Scheufele die Chopard-Manufaktur. Jetzt stellt er, nach sechs Jahren Entwicklungszeit, seine erste Minutenrepetition vor: die L.U.C Full Strike. Im Gespräch mit Chronos-Chefredakteur Rüdiger Bucher erklärt Scheufele, was die Uhr so besonders macht.

Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard
Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard

Herr Scheufele, mit der L.U.C Full Strike haben Sie Ihre erste Minutenrepetition vorgestellt. Wie unterscheidet sich diese Minutenrepetition von anderen? Da gibt es gleich mehrere Features: zuerst die Tonfedern aus Saphirglas, die mit dem Deckglas direkt verbunden sind. Dann besitzt die Uhr zwei Federhäuser: eines für das Gehwerk und eines für die Repetition. Das bringt verschiedene Vorteile: zum einen kommt die Uhr so auf eine Gangreserve von 60 Stunden. Zum anderen kann man die Repetition selbst bei der maximal möglichen Zahl der Schläge, also um 12.59 Uhr, zwölfmal in Folge abspielen lassen, bevor man die Repetition wieder neu aufziehen muss. Das Aufziehen beider Mechanismen erledigt eine einzige Krone: Je nachdem, in welche Richtung man sie dreht, zieht man entweder die Uhr oder die Repetition auf. Damit man die Mechanik nicht unbeabsichtigt schädigen kann, haben wir etliche Sicherungsmechanismen eingebaut. Schließlich ist die Full Strike ein vollwertiger Chronometer, zertifiziert von der COSC.

Warum haben Sie sich zum Auslösen der Repetition für einen Drücker anstelle eines Schiebers entschieden? Es ging uns darum, die Full Strike möglichst wasserdicht zu bekommen, was mit einem Schieber nicht möglich gewesen wäre. Die Uhr besitzt verschiedene Dichtungen: am Gehäuse, an der Krone, am Glas. Sie ist zwar nicht offiziell bis 30 Meter wasserdicht, aber gut gegen Spritzwasser und Feuchtigkeit geschützt. Man kann sie also sorglos tragen.

Die erste Minutenrepetition von Chopard: L.U.C Full Strike
Die erste Minutenrepetition von Chopard: L.U.C Full Strike

Auf welches Detail der Uhr sind Sie besonders stolz? Wir haben das Zifferblatt geöffnet, um von außen einen schönen Blick ins Werk zu bekommen. Die Hauptkomponenten des Schlagwerks, wie die Hämmer, liegen auf einer Ebene mit dem Zifferblatt. Diese Art von Einblick schätze ich sehr. Wenn man eine schöne Mechanik hat, kann man sie auch zeigen.

Vor 20 Jahren haben Sie die Chopard-Manufaktur begründet. Was waren die wichtigsten Meilensteine? Zunächst einmal das erste Uhrwerk, L.U.C 1.96. Es war auch emotional ein bewegender Moment für mich, als es zum ersten Mal „tick-tack“ machte. Aber bald danach wurde mir bewusst, was wir alles noch vor uns hatten. Denn es ist eine Sache, ein Uhrwerk vorzustellen. Es zu produzieren, ist noch einmal etwas anderes. In Sachen Produktion haben wir anschließend viel gelernt. Als wir zehn Jahre später Jubiläum feierten, hatten wir eine Manufaktur, in der sich alle Abteilungen integriert unter einem Dach befanden – von der Feinmechanik bis hin zur Dekoration. Auch das war ein Meilenstein.

Zum zehnten Geburtstag kam auch ihr eigenes Chronographenwerk. Das war eine besondere Herausforderung. Wir hatten zwar zu dem Zeitpunkt bereits unseren ewigen Kalender und unser Tourbillon, aber der Chronograph stellte noch einmal eine Steigerung dar. Anspruchsvoll war dann auch die Etablierung einer industriellen Fertigung mit Fleurier Ebauches. Und die Minutenrepetition bildet nun den jüngsten Meilenstein.

Konnten Sie von den Erfahrungen mit Ihrer Werkefabrik Fleurier Ebauches auch für die Chopard Manufaktur profitieren? Das eine hat immer das andere befruchtet. Bei Fleurier Ebauches haben wir gelernt, rationeller und mit mehr Voraussicht zu arbeiten, sich schon bei der Konstruktion unmittelbar mit dem Thema Produktion zu beschäftigen.

Sie verwenden unter anderem „fair“ gefördertes Gold. In welchen Uhren kommt das zum Einsatz? Alle Komplikationen von L.U.C haben ein Gehäuse aus „fair-mined gold“. Mit der Zeit wollen wir es auf die gesamte L.U.C-Kollektion ausweiten.

Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard, präsentiert die L.U.C Full Strike
Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident von Chopard, präsentiert die L.U.C Full Strike

Wie geht es weiter mit dem Gütesiegel Qualité Fleurier? Wir werden 2017 eine neue Uhr mit Qualité Fleurier bringen. Die Organisation ist derzeit viel beschäftigt mit Testreihen für verschiedene Hersteller, auch solche, die nicht in Fleurier ansässig sind. Diese bieten aber keine Uhren an, die offiziell mit dem Siegel geschmückt sind. Das ist vor allem für die Hersteller interessant, die wie wir in Fleurier selbst produzieren. Wir selbst haben auch schon viele Teile von Uhren geprüft, die als Ganzes nicht das Siegel tragen.

Wie laufen generell die Geschäfte in dem aktuell schwierigen Markt? 2016 ist ein schwieriges Jahr für die Uhren, da machen wir keine Ausnahme. Wir liegen etwas besser als der durchschnittliche Trend, haben aber den Vorteil, dass wir durch unsere Schmucksparte kompensieren konnten. In den letzten Monaten hat sich der Rückgang bei den Exporten aber verringert, insofern wird die Talsohle bald durchschritten sein.

Sehen Sie den Rückgang der teilweise extremen Nachfrage aus Hongkong und durch chinesische Touristen als eine Art Normalisierung? Ja. Ich rechne nicht damit, dass bald wieder enorme Absatzsteigerungen einsetzen. Ich glaube, es wird sich auf einem neuen Niveau einpendeln. Nach den extremen Steigerungen der letzten Jahre und dem dann folgenden Einbruch muss die Branche jetzt mit den Überkapazitäten zurechtkommen. Ich denke aber auch, dass beispielsweise die europäische Kundschaft ihr Interesse an Uhren nach wie vor nicht verloren hat. Wichtig ist, dass man Uhren zu einem annehmbaren Preis anbietet. Wir sind bereits Schritte in diese Richtung gegangen: zum einen mit unserer Jubiläumsuhr L.U.C 1860 in Stahl, zum anderen mit dem ewigen Kalender, ebenfalls in Stahl.

Wie ist das Verhältnis von L.U.C zu den anderen Uhren von Chopard? Wir sind derzeit bei 4000 L.U.C-Uhren im Jahr. L.U.C wird weiterhin exklusiv bleiben, das ideale Level an Stückzahlen sehe ich bei etwa 8000 Exemplaren pro Jahr. buc

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