Interview mit Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin – Baselworld 2014

Der CEO von Bulgari spricht über seine aktuelle Strategie und die neuen Uhren

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 31. März 2014
Jean-Christophe Babin, CEO von Bulgari
Jean-Christophe Babin, CEO von Bulgari

Auf der Baselworld 2014 hatte ich Gelegenheit, mit Jean-Christophe Babin zu sprechen. Er ist seit 2013 CEO von Bulgari, aber vor einem Jahr hatte ich ihn noch als Chef von TAG Heuer interviewt. Ich wollte wissen, was er für die nächsten Monate plant.

 

Herr Babin, Sie sind seit vergangenem Jahr CEO von Bulgari. Was war das erste Problem, das Sie angehen mussten?

Bulgari ist eine Marke, die keine Probleme hat, dafür aber ein unglaubliches Potenzial. Als ich kam, gab es zum Beispiel keine Bicoloruhren. Jetzt haben wir Edelstahl und Gold in den Linien Octo, Bulgari-Bulgari und bei der Serpenti, unserer schlangenförmigen Damenuhr. Es gab zuvor auch kein Mainstream-Damenmodell. Das haben wir nun geändert mit der neuen Linie Lucea. Bei ihr spielt Stahl/Gold eine beherrschende Rolle.

Wie sieht Ihre Produktestrategie aus?
Wir haben fünf Säulen. Zunächst die Bulgari-Bulgari-Herrenuhren und die Bulgari-Bulgari-Damenuhren. Das ist eine Nische, aber eine Nische, die Bulgari immer beherrscht hat und die wir weiter entwickeln wollen. Drittens Octo: Das war bisher ein einziges Modell, das wir nun zu einer ganzen Linie ausbauen. Es wird mehrere Gehäusegrößen geben, unterschiedliche Materialien, auch Chronographen. Gekrönt wird das Ganze von unserem neuen Tourbillon Octo Finissimo, dem flachsten Tourbillon der Welt. Ein fliegendes Tourbillon, in einem Keramikkugellager gelagert. Die Uhr kostet in Platin 120.000 Euro. Für die Damen bieten wir zum einen die Serpenti, zum anderen starten wir nun mit Lucea. Das wird eine wichtige Kollektion für uns sein.

Wollen Sie die Manufakturwerke weiter ausbauen?
Man muss unterscheiden zwischen dem industriell hergestellten Bulgari-Manufakturkaliber, das wir letztes Jahr unter der Bezeichnung 191 präsentiert haben, und den hochkomplizierten Werken wie Daniel Roth und Gérald Genta. Zu letzteren gehören aber auch neue Kaliber, die wir bei Bulgari herstellen. Das Kaliber 191 nennen wir jetzt Tempo. Wir verwenden es in der Octo-Linie. Wir produzieren es komplett in-house, mit Ausnahme der Hemmungsteile, die wir von Atokalpa und Concepto beziehen. Der Großteil der Komponenten entsteht bei uns in La Chaux-de-Fonds, zusammengebaut werden die Werke bei Bulgari Horlogerie Le Sentier, in einem halbautomatisierten Fertigungsverfahren. Die Haute-Horlogerie-Abteilung mit Produkten wie der ultraflachen Finissimo oder der Ammiraglio del tempo, unserer neue Minutenrepetition mit Westmisterschlag, befindet sich auch in Le Sentier, in einem anderen Gebäude. Die hochkomplizierten Uhren werden von ein und demselben Uhrmacher von A bis Z gefertigt; das schließt auch die Anfertigung von Einzelteilen mit ein.

Und für den unteren Preisbereich nutzen Sie Werke von Eta oder Sellita?
Genau. Bei Modellen wie Bulgari-Bulgari verwenden wir zum Beispiel das Eta 2892, für den Diagono-Chronographen das Eta 2894. Darüber hinaus setzen wir auch Sellita-Kaliber ein. Und im Octo-Chronographen tickt das El Primero von Zenith.

Wie viele Manufakturwerke produzieren Sie pro Jahr?
2014 werden es 10.000 sein. Dies ist eigentlich unser erstes Jahr, denn die Fertigung des Kalibers 191 (Tempo) begann erst im Juli 2013. Von den hochkomplizierten Werken bauen wir nur einige hundert Stück pro Jahr.

Wie sieht es mit den beiden ultraflachen Uhren aus, die Sie gerade vorgestellt haben?
Das Octo Finissimo Tourbillon ist eine Limited Edition von 100 Stück; die Octo Finissimo mit kleiner Sekunde wird nicht begrenzt. Interessant sind beim ersteren drei Dinge: Es ist nicht nur das flachste Tourbillon überhaupt, es ist auch flacher als die Dreizeigeruhr. Und es ist die erste ultraflache Uhr in einem quasi rechteckigen Gehäuse, auch wenn das Werk selbst rund ist.

buc

5,2 mm flach: Bulgari Octo Finissimo
5,2 mm flach: Bulgari Octo Finissimo
 Das flachste Tourbillon der Welt: Bulgari Octo Finissimo Tourbillon (1,95 mm hoch)
Das flachste Tourbillon der Welt: Bulgari Octo Finissimo Tourbillon (1,95 mm hoch)
Neue Damenuhrenlinie: Bulgari Lucea
Neue Damenuhrenlinie: Bulgari Lucea
[Foto: Antonio Barrella]
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