Interview mit IWC-Designchef Christian Knoop

Bei IWC ist Redesign ein ständig wiederkehrendes Thema

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 10. Februar 2014

Bei IWC ist Redesign ein ständig wiederkehrendes Thema. Alle paar Jahre erfährt jede der sechs Produktlinien Aquatimer, Ingenieur, Da Vinci, Portofino, Portugieser sowie die Fliegeruhren-Familie ein Facelift. Was geändert werden und was bleiben muss, sagt Design-Chef Christian Knoop (Artikel aus Chronos Special Design 2013/2014).

IWC-Creative-Director Christian Knoop
IWC-Creative-Director Christian Knoop

 
Es gibt bei IWC insgesamt sechs Produktlinien, und jede erhält alle paar Jahre ein Facelift. Wie gehen Sie an dieses Thema heran?

Bei der Entwicklung von neuen Uhren verfolgen wir einen eher evolutionären Ansatz. Die sechs Produktlinien sind alle tief in der Historie von IWC Schaffhausen verwurzelt. Wir haben ihre jeweiligen Designmerkmale strukturiert und möchten diesen stets treu bleiben. Gleichzeitig wollen wir das jeweilige Produkt in einem gewissen Zyklus weiterentwickeln und erneuern, ohne dabei dessen Geschichte und Tradition aus den Augen zu verlieren. Nicht zuletzt geht es darum, den Kunden zu überraschen. Die Balance zu finden zwischen der Konsistenz im Design und diesem Überraschungseffekt, das ist die große Herausforderung für uns; das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns als Gestalter bewegen. Wenn wir an eine Uhrenkollektion herangehen, ist es für uns zentral, dass sich die typische Formensprache, die Designcodes wiederfinden. Teilweise ergibt sich über neue Materialien oder neue Uhrwerke die Situation, dass wir ein neues Design schaffen müssen. Die ersten Fliegeruhren aus den vierziger Jahren waren mit Handaufzugswerken ausgestattet und besaßen in der Regel drei Zeiger. Betrachtet man die Fliegeruhrenlinie heute, dann besteht sie aus Automatikuhren und Chronographen. In diesen Fällen muss das Design allein der Funktion wegen anders interpretiert und aufgrund verschiedener Faktoren wie der Dimension, zusätzlichen Drückern oder Anzeigen auf dem Zifferblatt geändert werden. Das war auch 2013 die Herausforderung für die Überarbeitung der Ingenieur-Linie: Neben dem klassischen Automaten gibt es hier nun Chronographen, Tourbillons, digitale ewige Kalender. Und die müssen in die Formensprache der Ingenieur von IWC übersetzt werden.

 
Bleiben wir bei der Ingenieur: Welche historischen Modelle nehmen Sie sich bei dieser Linie als Vorbilder? Die erste Ingenieur von 1955 war eine relativ normale Drei-Zeiger-Uhr. 1976 folgte aber der berühmte Entwurf von Gérald Genta mit den fünf typischen Bohrungen auf der Lünette.

Die erste Ingenieur von 1955 war technisch gesehen ein echter Meilenstein für uns, denn sie war die erste Automatikuhr von IWC. Darüber hinaus war sie die erste Nicht-Fliegeruhr mit einem Weicheisen-Innenkäfig zum Schutz gegen Magnetismus. Das Design hingegen war im typischen Fünfziger-Jahre-Stil gehalten: sehr schlicht, rund, drei Zeiger. Und damit eigentlich wenig originell, denn sie sah aus, wie damals alle Uhren aussahen.

 IWC Ingenieur (1955)  IWC Ingenieur (1976)
 Schon die erste Ingenieur von 1955 (links) verfügte über einen Weicheisen-Innenkäfig zwecks Magnetfeldschutz. Zum Design-Vorbild für heutige Modelle avancierte aber erst die 1967 von Gérald Genta gezeichnete Ingenieur SL

 
Damals haben die Uhrenproduzenten versucht, jedem Kunden etwas zu bieten, wie ein Bauchladen. Daher sahen Uhren ähnlich aus, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammten. Man dachte noch nicht an so etwas wie Wiedererkennbarkeit.

Dieser Aspekt der Identität ist hochinteressant und für mich das Wichtigste beim Design. Denn Design ist nicht willkürlich, sondern stiftet eine Identität für ein Produkt und eine Marke. Und das hat Gérald Genta 1976 geschafft: dem Produkt ein Gesicht und einen Charakter zu geben. Das ist eine besondere Leistung. Gerade heute, wo immer mehr Marken in den Markt drängen, nimmt der Aspekt des Charakters an Wichtigkeit zu. Deshalb ist das Design, auf das wir uns heute beziehen, das von Gérald Genta und nicht das aus den Fünfzigern. Dementsprechend haben wir als Guideline für unser Redesign bestimmte Elemente von Genta aufgenommen, etwa die grundsätzliche Gehäuseform, bei der sich die runde Lünette in das eckige Gehäuse einfügt. Wir haben auch das Band-Design in den Grundzügen übernommen; es ist heute nur ein bisschen technischer als damals.

 

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