IWC Aquatimer: Was Sie über das Modell wissen sollten

Die Entwicklung der Taucheruhr IWC Aquatimer

Thomas Gronenthal
von Thomas Gronenthal
am 27. Oktober 2016

Traditionell ist die IWC für ihre Fliegeruhren bekannt. Bereits 1936 präsentierten die Schaffhauser ihre erste speziell für Piloten konzipierte Armbanduhr. Seither wurde die Fliegeruhren-Kollektion erfolgreich ausgebaut und in diesem Jahr komplett überarbeitet.
Doch die Schaffhauser Manufaktur wollte es nicht bei der Eroberung der Lüfte belassen, sondern sich auch die Weltmeere vornehmen. Die Lage am Rhein und unweit der gewaltigen Wasserfälle diente als Inspirationsquelle für die Entwicklung einer Taucheruhr. Und auch mancher Uhrenträger möchte lieber abtauchen als abheben. Dementsprechend kam in den 1960er-Jahren in Schaffhausen der Wunsch nach einer wasserdichten Kollektion auf. Auf Ende 1966 datieren Konstruktionszeichnungen für die Aquatimer, die auch unter Wasser die präzise Zeit angeben soll. Auf der Basler Uhrenmesse 1967 wurde die erste IWC Aquatimer vorgestellt. Im Vergleich zum Wettbewerb besaß die Aquatimer jedoch eine Besonderheit: Die Wasserdichte war geeignet für Tiefen bis 200 Meter, doch ein entscheidender Baustein war anders.

IWC: Aquatimer, 1967

Die erste IWC Aquatimer von 1967. Damals stellte IWC das Modell mit der innen liegenden Drehlünette auf der Basler Messe vor.

Markenzeichen der IWC Aquatimer: Die Anzeige der Tauchzeit

Statt einer klassischen Außenlünette verfügt die IWC Aquatimer Referenz 812AD über eine unter dem Glas liegende Innenlünette, die über eine zweite Krone bewegt werden kann. Diese ungewöhnliche Lösung für die Anzeige der Tauchzeit überrascht: Sie hat den Vorteil, dass sie die Wasserdichte nicht beeinträchtigt. Eine zweite Krone ist jedoch auch ein potenzieller Schwachpunkt, über den Wasser eindringen kann. Diese Technik wurde ebenfalls durch IWC patentiert, wie die verschiedenen Referenzen belegen, deren Gehäuseboden Brevet-Gravuren tragen. Das Gehäuse der ersten IWC Aquatimer misst 37 Millimeter im Durchmesser, das schwarze Zifferblatt erlaubt mit üppigen Leuchtziffern auch unter schlechten Lichtbedingungen eine sehr gute Ablesbarkeit. Noch wesentlich seltener als die schwarze Variante ist eine Version der Uhr mit silbernem oder weißem Zifferblatt. Die Datumsscheibe passt sich an die Zifferblattfarbe an. Das gewölbte Plexiglas ist druckfest, das Gehäuse besteht aus Edelstahl, ebenso der Boden, der sich ausschließlich mit einem Spezialwerkzeug öffnen lässt. Auch das Armband ist in Stahl mit Faltschließe ausgeführt, wahlweise steht auch ein schwarzes Kunststoffarmband zur Verfügung, das sogenannte Tropic-Band. Als Antrieb kommt das IWC-Kaliber 8541 zum Einsatz. Experten zählen es heute noch zu einem der besten Schweizer Uhrwerke, das jemals in Armbanduhren verbaut wurde. Der effiziente automatische Aufzug folgt der Entwicklung von Albert Pellaton und arbeitet über ein Klinkensystem in beide Richtungen. Bis heute verwendet IWC dieses Aufzugssystem.

IWC: Aquatimer, Kaliber 8541

Werk der Ur-Aquatimer: das Kaliber 8541 verfügt über einen Pellaton-Aufzug, anders als sein Nachfolger 8541B jedoch nicht über eine Schnellverstellung für das Datum. Nichtsdestotrotz gilt es bis heute als eines der besten Schweizer Armbanduhrenwerke. Zusammen mit dem Kaliber 8541B wird es mehr als 160.000-fach gefertigt.

Die IWC Aquatimer und der Pellaton-Aufzug

Pellaton arbeitete von 1944 bis 1966 als technischer Direktor, 1957 holte er einen weiteren Wegbereiter der modernen Schaffhauser Manufaktur ins Unternehmen: Kurt Klaus. Er entwickelte unter anderem den Mechanismus des ewigen Kalenders für die Uhren von IWC sowie das moderne Kaliber 5000, das auch den von Pellaton entwickelten Aufzug nutzt. Bereits 1946 meldete Pellaton ein Patent für seinen Mechanismus an, der im Kern über eine Nocke auf der Rotorachse und eine so betätigte Wippe arbeitet. Federnd gelagerte Klinken greifen in ein Übertragungsrad und sorgen über eine Zugbewegung durch die Klinken in die Radverzahnung für den Aufzug. Das wenig anfällige System zählt zu den wirkungsvollsten und wird weltweit nachgebaut, selbst Manufakturen wie Patek Philippe übernahmen die Technik. Auch in Japan, bei mechanischen Seiko-Uhren, kommt ein vereinfachtes System zum Einsatz.

IWC: Albert Pellaton

IWC Aquatimer: Albert Pellaton entwickelt den automatischen Aufzug über ein Klinkensystem, der auch im Kaliber 8541 der ersten Aquatimer zum Einsatz kommt.
IWC: Aquatimer, das Pellaton-System

Das Pellaton-System wird 1946 zum Patent angemeldet. Der bidirektional wirkende Aufzug wird in der ganzen Branche, beispielsweise durch Patek Philippe oder Seiko, adaptiert.

Eine Schnellverstellung für das Datum konnte das Kaliber 8541 noch nicht vorweisen, das Einstellen erforderte Handarbeit durch Vor- und Zurückdrehen über den Datumssprung. Einen Sekundenstopp erhielt das Werk erst mit der zweiten Variante, dem Kaliber 8541B. Das vernickelte Kaliber misst 28 Millimeter im Durchmesser, die Höhe beträgt 5,88 Millimeter. Für den reibungsarmen Lauf kamen zunächst 21 Rubinlagersteine zum Einsatz, in der weiteren Geschichte des Kalibers wurden daraus 23 und 25 Stück. Die Unruh schwingt mit 19.800 Halbschwingungen pro Stunde, die Spirale ist bester Uhrmachertradition folgend als Breguet-Spirale geformt. Von den beiden Varianten, Kaliber 8541 und 8541B, wurden fast 160.000 Werke gebaut – eine vergleichsweise hohe Zahl für ein wertiges Werk.

Das Ur-Modell der IWC Aquatimer erzielt Preise bis zu 10.000 Euro

Nicht nur das Werk hat seinen Wert, auch die Uhren, die damit ausgestattet wurden. So liegen die Preise für Erstzeit-Aquatimer deutlich höher als die Preise für die damaligen Wettbewerber. Zwischen 6.000 und 10.000 Euro kann eine solche Uhr auf dem Gebrauchtmarkt kosten, das Angebot ist dabei spärlich – nur wenige Uhren kommen im Jahr auf den Markt. Schwarze Zifferblätter sind teuer, doch Weiß oder Silber liegen aufgrund der Seltenheit noch weit höher in der Sammlergunst. Wie bei allen Vintage-Uhren sollte eine Revision eingeplant werden. IWC ist hier auch für schwere Fälle der richtige Ansprechpartner, Ersatzteile sind zahlreich verfügbar. Eine Revision im Werk mit Stammbuchauszug wirkt auf die Uhr wie ein Jungbrunnen und sollte stets erwogen werden. Wie bei allen Uhren, insbesondere aber Taucheruhren, können auch bei der Aquatimer Schäden durch Feuchtigkeit vorliegen: Ein Blick ins Werk offenbart möglichen Rost. Aufgequollene Leuchtmasse auf Zifferblatt und Zeigern kann ein optischer Hinweis auf den Feuchteeintritt sein. Das Uhrwerk selbst kennt wenige Schwachstellen. Nur selten brechen die Rubinrollen der Wippe, die für den reibungslosen und geräuschlosen Lauf der Rotornocke sorgen, bei mangelhafter Pflege muss auch die Rotorlagerung ersetzt werden. Schleifspuren auf der Beschichtung des Uhrwerkes zeigen dies im Ernstfall deutlich an.

1968 verändert IWC das Design der Aquatimer

Bereits im Jahr 1968 entschloss sich IWC zum Bruch mit dem Design der ersten Aquatimer und brachte die neue Referenz 816AD in kissenförmigem Gehäuse auf den Markt – die 1970er-Jahre lassen grüßen. 1974 wurde die Uhr in Referenz 1816 umgetauft, das Design veränderte sich kaum. Die Zifferblätter wurden mit einem Farbverlauf versehen, von der Mitte aus geht die Grundfarbe Rot oder Blau zu Schwarz am Rande des Blattes über, für professionelle Taucheinsätze war weiterhin ein komplett schwarzes Zifferblatt erhältlich.

IWC Aquatimer in den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren erhält die IWC Aquatimer Zifferblätter, die von Rot oder Blau in Schwarz übergehen. Für professionelle taucheinsätze gibt es weiterhin schwarze Blätter.

Der innen liegende Tauchring wurde im Gegensatz zum Plexiglas vom Vorgängermodell übernommen, die Wasserdichte steigt auf 30 Bar. Auch diese Uhren kommen selten in die Angebote von Verkaufsplattformen wie Chrono24 vor, auch in den Katalogen der Auktionshäuser finden sich ebenfalls nur wenige Angebote. Die Preise liegen bei gut der Hälfte der Ur-Referenz und sind noch stärker vom Zustand abhängig. Allerdings kann eine Revision hier auch schnell vierstellige Euro-Beträge in Anspruch nehmen. Als Werk kommt weiter das 8541B mit nun 23 Lagersteinen zum Einsatz. Über zehn Jahre baute IWC die Referenz 1816, während die Schweizer Quarzkrise auch bei der Schaffhausener Marke für Einbrüche im Absatz von Mechanikuhren sorgte. Doch IWC hielt an der mechanischen Aquatimer fest, 1979 wurde auf der Basler Messe die neue Referenz 1822 vorgestellt. Im Kern entspricht das Design dem vorigen Modell, das Gehäuse erfuhr nur wenige Änderungen. Weiterhin wasserdicht bis 300 Meter birgt es das Kaliber 8541 mit 25 Lagersteinen.

IWC setzt als erste Marke übergreifend den neuen Werkstoff Titan ein

Nach dem Verkauf der IWC an die deutsche VDO-Gruppe begann eine neue Ära, die Geschichte der Aquatimer fand mit Hilfe der Bundeswehr ihre Fortsetzung. Gemeinsam mit Porsche Design entwickelte IWC unter dem Geschäftsführer Günter Blümlein die Ocean 2000 – sie ist wasserdicht bis 2.000 Meter Tiefe und aus Titan gefertigt. IWC war die erste Marke, die übergreifend diesen neuartigen und besonders resistenten Werkstoff einsetzt. Ende der 90er-Jahre endete die Kooperation mit Porsche.

Ferdinand A. Porsche, führt Titan als Werkstoff für Uhren ein

Der Designer Ferdinand A. Porsche führte Titan als Werkstoff für Uhren ein. Gemeinsam mit IWC entwickelte er die Aquatimer Ocean 2000.
IWC: Ocean 2000, mit Titangehäuse

Die Ocean 2000 stammt aus der Zusammenarbeit von IWC mit Porsche Design. Das Modell zeichnete ein Titangehäuse aus und entstand nach der Vorgabe der Bundeswehr für Kampftaucher und Marine.

1997: IWC stellt erstmals eine Aquatimer mit außenliegender Drehlünette vor

Daraufhin stellte IWC eine gänzlich neue Linie vor: die GST-Modelle, wobei das Kürzel für Gold, Stahl und Titan steht. 1997 präsentierte die Marke damit auch eine neue Aquatimer, die nun erstmals einen drehbaren Tauchring um das Uhrglas trug.

IWC: Aquatimer, Modell der Linie GST (Gold, Stahl, Titan)

Ein Aquatimer-Modell der Linie GST - Abkürzung für die Materialien Gold, Stahl, Titan - mit außenliegender Drehlünette erscheint erstmals 1997, Es ist bis 2.000 Meter wasserdicht.

Mit 42 Millimetern Durchmesser trotzt ihr Gehäuse auch Wassertiefen bis 2.000 Meter, in seinem Inneren tickt jedoch ein durch die IWC veredeltes ETA 2892-A2. Das Design der Uhr mit integriertem Ansatzband ist leicht und edel, die Reduktion auf die Funktion wird viel gelobt. Das einfach zu bedienende Bandkürzsystem kann schlicht mit Büroklammern betätigt werden. Zwischen 2.500 und 7.000 Euro liegen die Preise dafür auf dem Gebrauchtmarkt, je seltener, desto teurer. Besonders selten ist die 1999 vorgestellte 3527, genannt »Deep One«. Diese Uhr ist nur bis 100 Meter wasserdicht (mehr sollten Taucher ohne besondere Ausstattung auch nicht anstreben), und verfügt über einen integrierten Tiefenmesser bis 45 Meter. Die Aquatimer-Familie wuchs beständig, auch Chronographen waren nun zu haben. Pünktlich zum Genfer Salon im Jahr 2008 kam die drehbare Lünette wieder unter das Glas – die Vintage-Kollektion erschien. Die IWC Aquatimer lehnte sich nun wieder an ihre Ur-Version an und zitierte damit die klare Formsprache der 1960er-Jahre. Auch in diesen Varianten gehört die Aquatimer zu den sogenannten »Keepern« – zu den Uhren, die von Sammlern gerne behalten werden und selten im Angebot sind.

2014: IWC überarbeitet die Aquatimer-Kollektion

Zu Beginn des Jahres 2014 – pünktlich zum Genfer Uhrensalon SIHH – präsentierte IWC die neueste Kollektion der Aquatimer. Von der Automatic (wasserdicht bis 30 Bar) über die Deep Three, die wie die Deep One und später auch die Deep Two mit einem Tiefenmesser ausgestattet ist, bis hin zu einer Aquatimer mit ewigem Kalender – für jeden Geschmack und jeden Grad der sportlichen Herausforderung ist etwas dabei.

IWC: Aquatimer Automatic 2000, 2014

IWC: Aquatimer Automatic 2000, 2014

Bei der bis 2.000 Meter wasserdichten Uhr findet sich auch heute die drehbare Lünette unter dem Glas. Im Inneren zählt die Tradition, denn das Manufakturuhrwerk 80110 der Referenz IW358002 ist mit dem automatischen Aufzug nach Albert Pellaton ausgestattet. Der Durchmesser ist auf 46 Millimeter gewachsen. Doch zeigt die Aquatimer eine Konstanz seit ihrer Lancierung 1967 und das Interesse für diese Uhr bleibt ungebrochen. Die neuen Aquatimer-Modelle zählen zu den interessantesten Neuvorstellungen des Jahres und sind gleichzeitig ein Klassiker der Taucheruhren.

Das IWC-Safe-Dive-System schützt vor Verstellen der Tauchzeit

Die jüngste Generation der Aquatimer verfügt über einen Außen-Innen-Drehring, der ein versehentliches Verstellen der Tauchzeit verhindert. So lässt sich der Innendrehring mit der Tauchzeitskala nur gegen den Uhrzeigersinn bewegen. Dies gewährleistet, dass bei einem Verstellen des Außendrehrings die Nullzeit – die Zeit, in der man gefahrlos ohne Dekompressionsstopp zur Oberfläche aufsteigen kann – nicht überschritten werden kann. Wie das Safe-Dive-System der IWC funktioniert, zeigt das offizielle Video oben.

IWC Aquatimer Automatic 2000: Das jüngste Mitglied der Familie

Seit Ende letzten Jahres gibt es die Aquatimer Automatic 2000 nun auch in einer sehr sportlichen schwarz-gelben Zifferblattvariante.

IWC: Aquatimer Automatic 2000, 2015

IWC: Aquatimer Automatic 2000, 2015

Dabei leuchten nicht nur die Zeiger und die Indexe in Gelb, auch die ersten 15 Minuten der innenliegenden Tauchzeitskala gestaltet IWC in der Signalfarbe. Das 46 Millimeter große Titangehäuse hält Drücken bis zu 200 Bar stand und ist dabei noch korrosionsbeständig, leicht, antimagnetisch und antiallergen. Im Innern arbeitet das automatische Manufakturkaliber 80110. Neu kostet die Uhr 9.450 Euro.

Fotos: IWC, Porsche Design, Antiquorum

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt am November 2014.

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