Kontra Apple Watch

Viel Neues gab es heute von Apple bei der Präsentation über die gehypte Smartwatch nicht zu hören. Zwar will der Elektronikkonzern die Oberflächen der Uhren etwas kratzfester bauen, aber es bleibt dabei: Die Uhr kann außer der Pulsmessung nichts, was das iPhone nicht auch alleine könnte. Und ohne iPhone kann sie fast nichts.

Apple: Apple Watch
Apple: Apple Watch Edition (Gold, 16.000 Euro)

Was Apple noch verkündete, wird manchen ins Grübeln versetzt haben: die Preise. Sie starten bei 450 Euro für die Herrenversion. Das Gehäuse besteht dann aus Aluminium, das Armband aus Plastik. Wer ein Lederband möchte, muss zur Edelstahlversion mit Saphirglas greifen und zahlt mindestens 800 Euro. Für das Geld bekommt man auch schon eine mechanische Uhr mit Saphirglas. Für die Version aus 18-karätigem Gold mit Lederband verlangt Apple 16.000 Euro! Das ist weit mehr als man für eine Rolex Cellini in Gold bezahlen muss. Zumindest mit den Preisen macht Apple also den etablierten Uhrenherstellern Konkurrenz. Aber wer sich jedes Jahr oder zumindest jedes zweite Jahr ein neues iPhone kauft, der will sicher auch auf die neueste Apple Watch upgraden, die schon aus technischen Gründen ebenfalls in dieser Zeitspanne erneuert wird. Das ist mir als Lebenserwartung für eine teure und durch Saphirglas geschützte Uhr eindeutig zu kurz.

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Apple Watch Sport (449 Euro)
Apple Watch Sport (449 Euro)

Als weiteren Nachteil hat Apple auch noch einmal die schon angedeutete schwache Akkuleistung konkretisiert: nach nur 18 Stunden muss die Apple Watch wieder an die Steckdose. Man wird also häufiger Leute sehen, die hilflos auf den toten Bildschirm ihrer Watch schauen, um dann doch das iPhone heraus zu kramen. Zum Joggen könnte ich mir die Apple-Uhr dagegen durchaus vorstellen, allerdings ist sie nicht einmal richtig wasserdicht und zum Schwimmen nicht geeignet.

Die grundsätzliche Frage ist aber: Wem überlasse ich mein Handgelenk? Der Uhrmacherkunst? Der mechanischen Tradition? Der Flieger- oder Taucheruhr, bei der so viele Emotionen seit den Pioniertagen der Armbanduhr mitschwingen? Oder dem Handy fürs Handgelenk, das mir die Bedienung meines iPhones erleichtert, mich noch häufiger an Meetings erinnert und mir erlaubt, meine Emails nun auch beim Autofahren zu lesen?

Ich habe mich entschieden. Für alle anderen gibt es die Apple Watch ab 24. April.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es ist völlig egal welcher Meinung man über die Apple Watch ist, eines ist wohl klar: Es wir wieder über Uhren gesprochen, auch und vor allem von jungen Leuten, die ja zum Grossteil Uhrenverweigerer sind. Jetzt sind die arrivierten Uhrenmarken gefordert neue Uhren zu bringen, die auch von Jugendlichen gewollt und gekauft werden, die Uhren wieder zum Must Have machen. Und nicht wieder eine neue Komplikation die keiner braucht. Da muss schnell reagiert werden, denn eines ist gesichert- Apple lernt schnell!

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  2. Ich sehe das ganz entspannt. Die Apple-Watch wird ihre Käufer finden wie alle Dinge die dieser Hersteller hervorgebracht hat. Auch hier wird die Konkurrenz nicht schlafen und durchstarten, so dass sich der Markt für diese Multitalente entwickeln wird.
    Die mechanische Uhr dagegen wird meiner Einschätzung nach unangefochten sein. Sie hat sich wieder neben der (eigentlich billigeren und besseren) Quarzuhr durchgesetzt und stelllt für mich einen schönen handwerklichen Gegenentwurf zu den durchelektronisierten Gimmicks dar. Jeder darf nach seiner Fasson glücklich werden. Mich macht eine schöne, gute und nachhaltige mechanische Uhr glücklich, die mich nicht mit Informationen und Reizen überflutet.

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  3. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten! Die Apple-Watch ist dabei nur ein weiterer Schritt. Sie ist zweifellos gut gelungen und das Befestigungssystem für die Armbänder finde ich schon sehr interessant. Das könnte auch Einzug in den klassischen Uhrenbau finden. Die Uhr wird ihre Käufer finden. Ich halte es aber für fatal zu glauben, die Uhrenhersteller müssten jetzt in einen Wettlauf mit diesen “Zeitmaschinen” treten. Den werden sie verlieren, wie sie schon einmal einen Wettlauf beinahe verloren hätten. Schuster bleib bei Deinem Leisten. Die mechanische Uhr ist der Gegenentwurf zur totalen Digitalisierung unseres Lebens. Die mechanische Uhr ist noch begreifbar und ihr ticken bleibt eine ewige Faszination. Die Uhrenhersteller sollten sich aber wirklich besinnen und den sinnlosen Wettlauf mit immer neue Komplikationen aufgeben, die die Preise in unerschwingliche Höhen treiben. Ich meine, dass darin eine größere Bedrohung der mechanischen Uhr liegt. Gott sei Dank gibt es auch Hersteller, die auf dem Boden bleiben und höchst moderne Uhren zu verträglichen Preisen anbieten, die auch von einer jungen Käuferschicht stark nachgefragt werden. Beispielhaft sei NOMOS Glashütte genannt. Diese Hersteller müssen die Apple-Watch nicht fürchten!

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