Matthias Stotz, Junghans-Geschäftsführer zur Apple Watch

Chef der bekanntesten deutschen Uhrenmarke kommentiert die Auswirkung der Smartwatch auf den Uhrenmarkt

Melanie Feist
von Melanie Feist
am 13. September 2014
Matthias Stotz: Geschäftsführer von Junghans
Matthias Stotz: Geschäftsführer von Junghans

Junghans, die bekannteste deutsche Uhrenmarke, stellt neben mechanischen Uhren auch Solar- und Funkuhren her. Dabei übernahm der Uhrenhersteller aus Schramberg auch eine Vorreiterrolle: Die Mega 1 war die erste Funkarmbanduhr der Welt. Watchtime.net befragt Matthias Stotz, den Geschäftsführer von Junghans, zur kürzlich vorgestellten Apple Watch.

Watchtime.net: Herr Stotz, welche Bedeutung hat die Apple Watch für Junghans beziehungsweise für die Uhrenindustrie?

Matthias Stotz: Sicherlich werden alle Uhrenfirmen die Präsentation der neuen Apple Watch extrem aufmerksam verfolgt haben und das eine oder andere Unternehmen wird sich auch ernsthaft Sorgen machen. Der größte Unterschied derzeit zwischen einer Smartwatch und einer klassischen Uhr ist die Generierung des Zeitsignals. Im Falle einer mechanischen Uhr oder einer Quarzuhr ist das völlig unabhängig von externen Schnittstellen. Die Funkuhr kommt der Smartwatch sicherlich schon näher, allerdings erhält sie die Zeitinformation nicht von einem Unternehmen, sondern von einem neutralen Institut, wie unserem Fall vom Zeitzeichensender DCF 77,5 bei Frankfurt am Main, der mit der Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig verbunden ist. Somit stellt die Smartwatch nur ein zusätzliches Anzeigegerät eines Smartphones dar. Die Vision von Junghans war schon vor fast 25 Jahren, Funktionalität in einer unabhängigen Armbanduhr zu platzieren. Viele Schritte, wie zum Beispiel die Keyless-Funktion oder die Nutzung als bargeldloses Zahlungsmittel, konnten von Junghans bereits vor 15 Jahren erfolgreich lanciert werden, jedoch nicht in dem heute möglichen Umfang, die die Smartphone-Technologie bietet. Die finanzielle und technologische Kraft für diese Entwicklung liegt heute bei großen Konzernen – und dies sind weniger die Uhrenhersteller als die Elektronikkonzerne. Selbstverständlich müssen auch wir aufmerksam sein, jedoch hat die klassische Armbanduhr heute neben der Zeitanzeige andere Funktionen übernommen. Zum einen ist die Armbanduhr bei einer Markenvielfalt von mehreren 100 Marken im Handel, ausgeprägtes Merkmal von Identität, Neigung, Schmuck oder auch Prestige. Die Armbanduhr gibt dem Träger somit einen hohen Identitätsgrad mit der Möglichkeit zur Individualität. Betrachtet man die kurzlebigen Produktlebenszyklen der Smartwatches und die schnelle Marktdurchdringung, ist deren Stärke sicherlich nicht Individualität, sondern das “Up-to-date-sein”. Neben der Sorge schwingt aber mindestens ebenso große Hoffnung bei uns als Traditionshersteller mit, dass die Smartwatch beziehungsweise die Apple Watch den Weg für eine klassische Uhr an das Handgelenk des jugendlichen Trägers ebnet. Sicherlich ist die Apple Watch eine ernst zu nehmende Bereicherung für den Uhrenmarkt, es gilt abzuwarten, in welche Preisbereiche sie vorstoßen wird. Ich persönlich gehe davon aus, dass der Fashion- und Trendeffekt deutlich im Vordergrund steht und sich hier das größte Marktvolumen abbilden wird. Der heute schon klassische Uhrenträger wird sich seine Individualität bewahren und weiterhin die Werte traditionsreicher Uhrenmarken zu schätzen wissen.

Watchtime.net: Vielen Dank für Ihren Kommentar.

Matthias Stotz, Junghans-Geschäftsführer zur Apple Watch

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