Neue Technik für das Genfer Siegel

Grégory Bruttin, Chefentwickler bei Roger Dubuis, über die Nanostruktur-Markierung

Gwendolyn Benda
am 24. September 2014

Die Universität von Genf und MaNEP, ein Schweizer Kompetenzzentrum für Physik, haben in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Phasis, Spezialist u. a. für Nanotechnologie, Metallurgie und neue Materialien, eine neue Technik zum Aufbringen des Genfer Siegels entwickelt.

Genfer Siegel auf Genfer Streifen: Die Nanostruktur-Markierung lässt sich auch auf sehr kleinen Uhrwerksteilen aufbringen.
Genfer Siegel auf Genfer Streifen: Die Nanostruktur-Markierung lässt sich auch auf sehr kleinen Uhrwerksteilen aufbringen.

Diese sogenannten Nanostruktur-Markierung verändert die Oberfläche des Trägermetalls auf mikroskopischer Ebene, wodurch sie auch auf sehr kleinen Einzelteilen des mechanischen Uhrwerks angewendet kann. Mit ihr soll das Genfer Siegel einerseits optisch klarer dargestellt werden, andererseits soll dabei das Material unbeeinträchtigt bleiben, das das Siegel unmittelbar umgibt. Wir haben Grégory Bruttin, Chefentwickler bei Roger Dubuis, zu der neuen Methode befragt.

Das neue Genfer Siegel: schonender, deutlicher, sicherer

Das Genfer Siegel wird auch Genfer Punze genannt und ist ein Gütesiegel für die Herkunft und Qualität des Kalibers. Wie der Name erahnen lässt, wird es bisher in das Metall des Uhrwerks eingepunzt, also mit einem Schlagstempel eingestempelt. “Bei den Uhrwerksbrücken verursacht die herkömmliche Methode manchmal zu starke Verformungen und dadurch eine höhere Ausfallrate”, berichtet Grégory Bruttin, Chefentwickler von Roger Dubuis und er fügt hinzu: “Deshalb sind wir sehr an der neuen Nanostruktur-Markierung interessiert. Wir testen die neue Methode bereits auf einem Brückentyp, und das Ergebnis ist bisher positiv: Es gibt keine Verformungen und das Genfer Siegel ist optisch klarer.”

Schlagstempel: Das Genfer Siegel wird herkömmlicherweise in das Metall eingepunzt.
Schlagstempel: Das Genfer Siegel wird herkömmlicherweise in das Metall eingepunzt.

Die Nanostruktur-Markierung biete per se zudem einen höheren Schutz vor Fälschungen und Produktpiraterie, erklärt Grégory Bruttin: “Diese Methode involviert einen komplexen chemischen Prozess und eine patentierte Maschine, damit ist sie viel weiter als das herkömmliche Stanzen und sogar sicherer als das Finger-Print-Verfahren.”

Welche Uhrwerke tragen das Genfer Siegel?

Um als Träger des Genfer Siegels in Frage zu kommen, muss ein Uhrwerk im Kanton Genf montiert und reguliert worden sein. Um das Genfer Siegel dann auch zu erhalten, muss das Kaliber zwölf Kriterien hinsichtlich Entwicklung, Herstellungsqualität, Endbearbeitung und sonstiger Uhrwerksmerkmale erfüllen. Die Genehmigung und Anerkennung der Kaliber obliegt acht vereidigten Mitgliedern des staatlichen Prüfungssausschusses von Genf. Zur Prüfung zugelassen werden nur mechanische Werke. Derzeit stellen Cartier, Chopard und Vacheron Constantin Kaliber mit Genfer Siegel her. Roger Dubuis produziert als einziger Hersteller ausschließlich Uhrwerke, die die Genfer Punze tragen. Laut Grégory Bruttin wird die Manufaktur nun nach und nach auf die Nanostruktur-Markierung umstellen: “Wir werden das neue Verfahren im Haus durchführen können, da wir es in den Produktionsprozess integrieren.” gb

Grégory Bruttin, Chefentwickler bei Roger Dubuis
Grégory Bruttin, Chefentwickler bei Roger Dubuis
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