Omega Speedmaster – auf den Spuren der Moonwatch

Wo sind die Omega-Uhren gelandet, die auf dem Mond spazieren waren?

Boris Pjanic
von Boris Pjanic
am 4. November 2016

Die Omega Speedmaster, ist unter den Schweizer Armbanduhren eine Ikone, zahlreiche Modelle sind aus ihrer Familie bereits hervorgegangen. Mit dem Chronograph Speedmaster CK2998 im 39,7 Millimeter großen Gehäuse aus Edelstahl erhielt sie 2016 eine Neuauflage mit besonderem historischem Bezug. Das Ursprungsmodell kam 1959 auf den Markt und zeichnete sich durch seine Lancette-Zeiger und die dunkle Lünette aus. Das Besondere am Uhrwerk der Neuauflage, dem Kaliber Omega 1861 (Handaufzug), ist, dass es bereits in der allerersten Moonwatch zum Einsatz kam.

Omega: Speedmaster CK2998
Omega: Speedmaster CK2998

Schon das aktuelle Beispiel zeigt: Dieser Chronograph von Omega besitzt eine reiche Geschichte, die mit der Einführung der Referenz 2915 im Jahr 1957 beginnt. Diese erste Omega Speedmaster ist auch als “Broad Arrow” bekannt, da ihre Zeiger in der Form eines breiten Pfeils enden. Sie wurde später noch einmal neu aufgelegt, ein weiterer Beleg dafür, dass Retrotrends sich nicht nur im Automobilbau finden.

Welche Varianten folgten seither auf die Ur-Speedmaster von 1957? Die Weiterentwicklung der Uhr zeigt der Download “High Moon – Die Omega-Speedmaster-Story”. Hier können Sie den Artikel für 1,90 Euro herunterladen.

Omega: Speedmaster Professional Referenz 105.012
Omega: Speedmaster Professional Referenz 105.012
[Foto: © Bert Buijsrogge | All Rights Reserved]

Als ein Leser von Watchtime.net Kontakt zu mir aufnahm, tauschten wir uns eine Zeit lang darüber aus, was wohl mit den Uhren geschehen ist, die tatsächlich auf dem Mond “spazieren” waren. Er glaubte sich daran zu erinnern, dass eine der echten Raumfahrt-Uhren vor einigen Jahren für sehr viel Geld versteigert worden war. Die genaue Information dazu konnte mein Gesprächspartner aber nicht mehr finden. Ich stand vor dem gleichen Problem; weil ich kürzlich ein Event von Omega besuchen konnte, weiß ich mittlerweile aber mehr zu diesem Thema. Von allen Omega-Speedmaster-Uhren, die auf dem Mond waren, weiß man heute, wo sie sind, und man kann sie sogar besichtigen – mit einer Ausnahme. Doch dazu gleich mehr. Auf einer Auktion angeboten wurde tatsächlich noch nie eine echte Moonwatch.

Zifferblattdetail der Omega Speedmaster, Referenz 105.012
Zifferblattdetail der Omega Speedmaster, Referenz 105.012
[Foto: © Bert Buijsrogge | All Rights Reserved]

Es ist bekannt, dass Astronauten der Missionen Apollo 11, 12, 14, 15, 16 und 17 der NASA eine Omega Speedmaster trugen. Insgesamt elf Speedmaster-Modelle können sich demnach Moonwatch nennen, weil sie ihre Träger tatsächlich zum Spaziergang auf dem Erdtrabanten begleitet haben. Zehn davon befinden sich heute im Besitz der amerikanischen Forschungs- und Bildungseinrichtung Smithsonian Institute, und Vertreter von Omega haben sie bereits ausführlich untersucht: Findet sich Mondstaub auf den Uhren? Welche Referenzen tragen sie? Und welche Kaliber ticken in ihnen? Über diese Erkenntnisse hinaus sind nun auch die Seriennummern bekannt, es existieren zahlreiche Dokumente der NASA zu diesen Uhren.

Doch der Reihe nach. Es gab zwei Referenzen, die nachweislich auf dem Mond waren: die Referenz 105.012 und die Referenz 145.012. Beide Referenzen tragen das auf Lemania basierende Handaufzugswerk Omega 321. Die Seriennummern sind leider noch nicht veröffentlicht; ich denke aber, dass sich das bald ändern wird.

Omega Speedmaster Professional X33: Dieser Prototyp war in den 1990er-Jahren im Weltall.
Omega Speedmaster Professional X33: Dieser Prototyp war in den 1990er-Jahren im Weltall.

Michael Collins, Edwin “Buzz” Aldrin und Neil Armstrong waren die Besatzung der Mission Apollo 11, Collins blieb bekanntlich während der Mondlandung an Bord des Raumschiffs. So wurden Armstrong und Aldrin die ersten Menschen, die jemals einen Fuß auf den Mond gesetzt hatten. Später ging die Omega Speedmaster von Buzz Aldrin auf dem Versandweg verloren. Ihr Verbleib ist bis heute unbekannt. Gerüchte, dass ein Sammler die Uhr hat und verkaufen will, ließen sich nicht bestätigen – schon allein, weil es hieß, dass diese Omega Speedmaster mit dem Kaliber 861 arbeiten sollte: Omega hat dieses Werk erst Jahre nach der ersten bemannten Mondmission eingeführt. So ist dieser Chronograph bis heute nicht mehr aufgetaucht, und niemand weiß, wo er sich befindet und ob er überhaupt noch existiert.

Doch auch wenn die Uhr wieder auftauchen sollte, ist sie – als von der NASA für einen Flug zum Mond bewilligtes Ausstattungsstück – auch heute noch Eigentum der Vereinigten Staaten. Das bedeutet, dass sie nicht einfach versteigert werden kann. Im Gegenteil: Kürzlich konnte ich mit Jim Ragan sprechen, dem Mann, der die Uhren damals getestet und bewilligt hat. Er sagte mir, dass die USA jemanden, der die echte Buzz-Aldrin-Uhr versteigern oder verkaufen würde, sehr streng verfolgen wird.

Doch ich denke, dass wir bald mehr über die Uhren erfahren werden, die auf dem Mond waren. Omega setzt sich stark dafür ein, mehr über die Geschichte der Speedmaster herauszufinden. Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse die Nachforschungen noch zutage bringen.

Flagge der Mission Apollo 10, die im Mai 1969 auf dem Mond war
Flagge der Mission Apollo 10, die im Mai 1969 auf dem Mond war

Durch die Informationen, die ich heute mit Ihnen teile, ist ein großer Teil meiner eigenen Neugierde gestillt worden. Doch ich möchte bald das Omega-Museum in Biel besuchen, um noch mehr herauszufinden.

Flagge der Mission Apollo 16, die im April 1972 auf dem Mond war
Flagge der Mission Apollo 16, die im April 1972 auf dem Mond war

Leider habe ich keine Fotos der Speedmaster-Uhren, die tatsächlich auf dem Mond waren. Ich kann lediglich das Foto einer Omega Speedmaster Professional X33 mit Ihnen teilen, die durch den Weltraum geflogen ist. Und das Bild einer Omega Speedmaster Referenz 105.012, die ich selbst lange Zeit besessen habe. Zum Abschluss sehen Sie zwei Papierdokumente der Mission Apollo 16, die ich während des Omega-Events fotografieren durfte.

Sollte ich an weitere Informationen zu diesem Thema kommen, lesen Sie wieder von mir.

Der Contributor Boris Pjanic ist Uhrensammler und Händler. Er arbeitete lange Jahre in den USA und entdeckte dort seine Leidenschaft für Vintage-Uhren aus den Jahren 1940-1980, insbesondere von Rolex und Omega. Pjanic gründete 2008 den Uhrenblog Watchesandart.com und ist Autor diverser Uhrenbeiträge für Internetseiten sowie internationale Magazine.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im Oktober 2014.

Fotos: Boris Pjanic

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