Pro Apple Watch

Wie die Smartwatch von Apple der Schweizer Uhrenindustrie Beine macht

Thomas Wanka
von Thomas Wanka
am 9. März 2015

Mit Spannung erwartet, enthüllte heute Apple in einer Keynote im Yerba Buena Center in San Francisco um 10:00h Ortszeit weitere Details zu seinem Smart-Watch-Modell. Wie sehr die Apple Watch die Schweizer Uhrenindustrie unter Druck setzt, da gerade seitens der Uhrenkäufer besonders hohes Interesse besteht, habe ich letzte Woche schon einmal skizziert. Zeit für eine Bestandsaufnahme angesichts weiterer Fakten, welche heute verkündet wurden.

Tim Cook persönlich präsentiert die Details der Apple Watch in San Francisco.
Tim Cook persönlich präsentiert die Details der Apple Watch in San Francisco.

In seiner Präsentation widmete Apple-CEO Tim Cook der Apple Watch fast eine Stunde. Kein Wunder, denn sie sei “das persönlichste Produkt, welches Apple jemals hergestellt hat.” Die Apple Watch sei nicht mit einem, sie ist an einem. Die Modellvielfalt ist für Apple ungewöhnlich, zu den bereits bekannten Fakten kamen aber nun auch die deutschen Preise hinzu. Die Apple Sport Watch ist mit einem Aluminiumgehäuse ausgerüstet, welches aus eine spezielle Legierung unter Hinzugabe von Magnesiums und Zink besteht und aus dem Vollen gefräst und anschließend satiniert ist. Das Modell mit 41 Millimeter Größe beginnt bei 399 Euro, für die 44 Millimeter große Apple Watch sind 50 Euro mehr auszugeben. Sie ist in den Farben Silber oder Space-grau erhältlich. “Das fortgeschrittenste Zeitinstrument aller Zeiten” wie Apple-CEO Tim Cook sie unter Vermeidung jeder falschen Bescheidenheit nennt, ist auch als Apple Watch erhältlich. Ihr Edelstahlgehäuse wird ebenfalls aus dem Vollen gefräst und poliert. Eine schwarze Variante mit DLC-Beschichtung ist ebenfalls erhältlich. Zu ihr werden verschiedene Lederbandvarianten angeboten sowie ein Milanaise- und ein Edelstahlband, welches aus 140 unterschiedlichen Teilen besteht. Die Apple Watch kostet, je nach Bandausstattung, zwischen 649 und 1.249 Euro.

Relativ fassungslos vernahm das wie üblich enthusiasmierte Auditorium die Preise für die Apple-Watch-Edition-Modelle. Die Preise für das limitierte Modell beginnen bei 11.000 Euro. Das Gehäuse besteht aus 18K Gold, ebenso die Schließen der Uhr. Über die Stückzahl wurde nichts verraten, aber die Uhren sollen nur in ausgewählten Apple Stores erhältlich sein. Auf diesem Feld vermag die Uhrenindustrie vermutlich den Apple-Angriff am leichtesten zurück zu weisen. Ebenso bei ihrer ersten technischen Disziplin, der Präzision: Die Uhr ist exakt. Apple gibt fünf Millisekunden Abweichung zu UTC an.

Das Display ist nicht nur berührungs- sondern auch drucksensitiv. Die Anzeigen lassen sich beliebig variieren.
Das Display ist nicht nur berührungs- sondern auch drucksensitiv. Die Anzeigen lassen sich beliebig variieren.

Schwieriger wird es mit der Vielseitigkeit des Zifferblattdesign. Die Uhr ist nicht nur berührungs- sondern auch drucksensitiv, durch einen festen Druck wechselt man zwischen selbst zu konfigurierenden Zifferblättern. Von der analogen Dreizeigeransicht, zu den digitalen oder animierten Anzeigen. Alle Komplikationen lassen sich einrichten. Chronographen, Ortszeiten, Tag und Datum mögen auch von traditionellen Uhren her gewohnt sein, aber so genannte “Glances” erlauben Wetter-, Kalender- und Gesundheitsanzeigen auf dem kleinen Bildschirm. Das Entwickler-Werkzeug ist erst seit November erhältlich, aber die ersten Apps sind eindrucksvoll. So kann direkt vom Handgelenk aus telefoniert werden. Ebenso kann man Emails lesen und beantworten. Die Apple Watch überwacht auf Wunsch auch die Bewegung ihres Besitzer, animiert ihn nach einer Stunde zum Aufstehen, wenn er zu lange am Schreibtisch gesessen hat und erstellt einen Wochenbericht mit Verbesserungsvorschlägen. Quasi ein Trainer am Handgelenk. Aber nicht nur die Sprachkommunikation funktioniert über die Apple Watch, auch alle Benachrichtigungsfunktionen werden angezeigt, seien es Nachrichten, Twitter, Facebook oder Chat-Anfrage von Freunden. Termine lassen sich verwalten und koordinieren, ohne das iPhone aus der Tasche zu holen. Die Kommunikation funktioniert nicht nur über Bluetooth sondern auch innerhalb des gleichen Wifi-Netzes. Zu Hause muss ich also das iPhone nicht einmal in der Nähe haben. Aber auch als Hotelschlüssel, Bordkarte und digitale Kreditkarte zum direkten Bezahlen ohne Apple Pay lässt sich die Uhr verwenden. Jetzt höre ich schon die üblichen Kommentare: “Wer braucht das denn alles?” Ich kann mich noch gut an die Bemerkungen zum iPhone erinnern. Wer will überall seine Mails lesen können und wozu sollte man dauernd ins Internet gehen? Warum soll ich mit meinem Telefon fotografieren? Dennoch fehlen auch mir einige harte Fakten nach dieser Präsentation. Wie wasserdicht sind die Modelle und wie lange ist die Lebensdauer des verbauten Akkus? Kann dieser gegebenenfalls getauscht werden? Immerhin, mit der sogenannten “Ganztages-Batterie” konnte Apple die schlimmsten Befürchtungen ausräumen. Auf 18 Stunden am Tag Batterielaufzeit legte sich Tim Cook fest, danach muss man nach dem magnetischen Anschluss des Ladegerätes suchen, um sie über Nacht wieder aufzuladen. Auch über die Dauer des Ladevorganges schweigt sich Apple weiter aus.

Die Apple Watch mit Edelstahlgehäuse und passendem Band aus 140 Einzelteilen beginnt bei Euro.
Die Apple Watch mit Edelstahlgehäuse und passendem Band aus 140 Einzelteilen beginnt bei 649 Euro.

Aber mein Resümee lautet: Eine Uhr, welche die Zeitanzeige zur Nebensache macht, wird es der gesamten Uhrenindustrie schwer machen, lediglich zeitgebende Armaturen weiter an die Handgelenke der Konsumenten zu positionieren. Eine Uhr, welche die Zeitanzeige so zur Nebensache macht, wie das iPhone das Telefonieren, lässt für die traditionelle Uhrenindustrie die Lücke zur Nische schrumpfen. Wer seine Marke als Reminiszenz an die historische Uhrmacherei sauber gehalten hat, mag sich über entgangene Chancen in der Vergangenheit geärgert haben. Er darf aber zuversichtlicher in die Zukunft blicken, als die Markenverantwortlichen, welche lediglich ein trendiges Lifestyleprodukt mit zahlreichen bezahlten Markenbotschaftern zu einem exorbitanten Preis im Angebot haben.

Ab dem 10. April werden Bestellungen entgegen genommen, auch Deutschland gehört zu den ersten Ländern, die ab 24. April beliefert werden. Dann werde ich mein Auspack-Video ins Netz stellen.

Omega: Speedmaster Racing Master Chronometer | Baselworld 2017

Wenngleich die Speedmaster vor allem als Moonwatch mit dem Weltraum verbunden wird, führte Omega diesen Chronographen bewusst als Sportuhr ein. So gab es bereits in den 1960er-Jahren die Speedmaster mit Racing-Zifferblättern. Nun lanciert Omega zur Baselworld 2017 eine neue Speedmaster Racing Master Chronometer, die wie alle neu eingeführten … » weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Bestellen Sie unseren Newsletter

Was gibt's Neues auf Watchtime.net?

Damit Sie stets rund um das Thema mechanische Uhr informiert sind, gibt Ihnen der Watchtime.net-Newsletter mehrmals wöchentlich den Überblick.

Zusätzlich und nur für kurze Zeit:
Ihr 5-EUR-Gutschein!*

Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiert.**
*Mindestbestellwert 20 Euro
**Pflichtfeld
Schweizer Geheimtipps Feature-Box 2018

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 33793 Modelle von 802 Herstellern.

Datenbank-Suche