Rolex-Uhren aus der DDR

Spuren eines Rolex-Verkaufsagenten im Grand Hotel Ostberlin

Walter Castillo
von Walter Castillo
am 25. April 2016

Rolex und die DDR – für die meisten Menschen passen diese Begriffe nicht wirklich zusammen, sie schließen sich eher noch gegenseitig aus. So ist es kaum vorstellbar, dass es an ausgewählten Orten im real existierenden Sozialismus tatsächlich die Möglichkeit gab, eine Luxusuhr der Marke Rolex zu erwerben. Über die Hintergründe dieser ungewöhnlichen „Agentengeschichte“ ist nur wenig bekannt. Von Rolex selbst gibt es keine offiziellen Informationen. Und doch existieren Rolex-Uhren aus der DDR.

Rolex-Garantie mit dem DDR-Ländercode 301
Rolex-Garantie mit dem DDR-Ländercode 301

Aufmerksam wurden Sammler, als erstmals Rolex-Uhren mit dem Stempel des Grand Hotels in der Osterberliner Friedrichstraße auftauchten. So erfuhr die Öffentlichkeit von einem bis dato unbekannten Rolex-Verkaufsagenten. Alle gefundenen Uhren sind mit dem Ländercode 301 versehen. In der Uhrenszene führte dies zunächst zu großer Verwirrung, gepaart mit dem üblichen Fälschungsverdacht. Doch der Ländercode 301 für die DDR hat wirklich existiert; es gibt inzwischen mehrere gesicherte Fundstücke, die das beweisen.

Rolex-Uhren als Mittel der Devisenbeschaffung

Die Spur führt in das erwähnte Berliner Grand Hotel – heute als Westin Grand bekannt. Bei allen dokumentierten Modellen ist in den Papieren der Stempel dieses Hotels gut zu erkennen. Der entsprechende Rolex-Verkaufsagent war im staatlichen Auftrag unterwegs und gehörte offiziell zu den 1965 gegründeten DDR-Interhotels. Dort wurden bevorzugt Gäste aus – wie es im DDR-Jargon hieß – „nicht sozialistischen Wirtschaftsgebieten“ untergebracht. Diese Hotels waren Bestandteil der für die DDR so wichtigen Devisenbeschaffung. Alle Leistungen mussten in harter Währung bezahlt werden. Am 1. August 1987, pünktlich zur 750-Jahr-Feier von Berlin, wurde das Grand Hotel nach zwei Jahren Bauzeit offiziell von Generalsekretär Erich Honecker eröffnet. Eine Suite kostete damals die gigantische Summe von 3.600 D-Mark pro Übernachtung. Der klassizistisch anmutende Hotelbau erinnert stark an die zuvor auf dem Gelände stehende Kaisergalerie. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt und in den 1950er-Jahren dann vollständig abgerissen.

Rolex-Papiere mit dem Stempel des Grand Hotels in Ostberlin
Rolex-Papiere mit dem Stempel des Grand Hotels in Ostberlin

Die Doppelrolle des Ostberliner Grand Hotels

Die DDR befand sich 1987 in einer prekären politischen und vor allem wirtschaftlichen Lage. Mit luxuriösen Häusern wie dem Grand Hotel versuchte man einerseits dem Westen zu zeigen, dass auch der Sozialismus Luxus erschaffen kann. Andererseits und vor allem hatte man es aber auf die begehrten Devisen der zahlungskräftigen Kunden abgesehen. Das erklärt auch die gigantischen Dimensionen: Allein der gastronomische Trakt des Grand Hotels konnte bei der Eröffnung 900 Gäste gleichzeitig bewirten. Da bot es sich förmlich an, auch hochwertige Accessoires wie Schmuck und Luxusuhren anzubieten. Eine Marke wie Rolex war der Inbegriff für westlichen Luxus und passte gut in das gehobene Repertoire des Hotels. Unter welchen Umständen dieser ungewöhnliche „Austausch“ von Devisen gegen Luxus stattfand und welche Preise aufgerufen wurden, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls fand er nicht an einer der sonst üblichen diskreten Orte wie der Glienicker Brücke statt, sondern mitten im Herzen von Ostberlin.

Hier geht es weiter mit der Geschichte der Rolex-Uhren aus der DDR

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