Serie Uhrengehäuse, Teil 3: Titan-Uhren

Herstellung und Eigenschaften des Gehäusematerials

 Redaktion
von Redaktion
am 31. Dezember 2014

Uhrengehäuse gibt es heutzutage in vielen verschiedenen Materialien, so kommt etwa Titan erst seit den 1980er-Jahren zum Einsatz. Doch der einstige Exot hat sich dank unnachahmlicher Eigenschaften einen Platz am Handgelenk erobert. Das UHREN-MAGAZIN Extra Wissen 2015 informiert über die Eigenschaften, die Herstellung und die Bearbeitung der wichtigsten Werkstoffe der Uhrenindustrie. In dieser Folge der Serie Uhrengehäuse: Titan-Uhren.

Eine besondere Titan-Uhr: Die Big Bang Sang Bleu von Hublot hat der Tattoo-Künstler Maxime Büchi designt.
Eine besondere Titan-Uhr: Die Big Bang Sang Bleu von Hublot hat der Tattoo-Künstler Maxime Büchi designt.

Wo andere Werkstoffe versagen, bietet Titan die Lösung: Wenn etwas belastbar, extrem widerstandsfähig und doch leicht sein soll, ist Titan die richtige Wahl. Ob in den Weiten des Weltraums, den Tiefen der Meere oder sogar im menschlichen Körper – Titan ist vielseitig und beweist auf vielen Gebieten seine Vorzüge. Sogar optisch: Das Metall besitzt einen dunklen, technisch wirkenden, grausilbernen Schimmer, der es leicht erkennbar macht und dem man immer häufiger begegnet. Denn Titan ist heute beliebtes Material für Schmuck und Uhren.

Bei Thyssen-Krupp in Unna wird ein Titanblock für die Weiterverarbeitung rotglühend erhitzt.
Bei Thyssen-Krupp in Unna wird ein Titanblock für die Weiterverarbeitung rotglühend erhitzt.
[Foto: © Manos Meisen]

Titan hat seinen Schmelzpunkt bei 1.677 Grad und kommt in der Natur in zahlreichen Mineralien – zum Beispiel ­Ilmenit und Rutil – und Gesteinen vor, ist aber meist nur in geringen Mengen enthalten. Große Lagerstätten von Ilmenit-haltigem Gestein existieren vor allem in Skandinavien, Südafrika und Kanada. In anderen ­Gebieten der Erde, zum Beispiel Florida, Indien, Brasilien, Argentinien und vor allem in Westaustralien, wird Ilmenit zusammen mit Rutil aus Mineralsanden gewonnen. Ob Gewinnung aus Erz oder Aufarbeitung von Sanden – die Erzeugung von Titan ist sehr energieaufwändig und damit teuer.

Das Gewinnen der Basis für Titan-Uhren ist mühsam

Am Ende dieses Prozesses steht ein Material, welches man grob in zwei Kategorien unterteilen kann: Reintitan und Titanlegierungen. Reintitan besteht aus rund 99 Prozent Titan. Titanlegierungen sind hingegen zwei bis 20 Prozent andere Elemente wie Aluminium, Zinn oder Chrom beigemischt, um bestimmte gewünschte Eigenschaften zu erhalten. Dem Metall Titan bescheren seine vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten eine rasante Karriere. Zwar wurde es schon vor mehr als 200 Jahren entdeckt, die Herstellung von reinem Titan gelang jedoch erst 1910. Im industriellen Maßstab wird Titan sogar erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs produziert. Als Werkstoff für Armbanduhren erregte es erstmals zu Beginn der 1980er-Jahre Aufsehen: 1981 präsentierte IWC – damals noch Lizenznehmer der Marke Porsche Design – den Titan-Chronographen Porsche Design mit Gehäuse, Drückern und Armband aus Titan.

Setzt die Tradition der Titan-Uhren bei Porsche Design fort: Chronograph Titanium Limited Edition
Setzt die Tradition der Titan-Uhren bei Porsche Design fort: Chronograph Titanium Limited Edition

Das Metall stellte das Schaffhauser Unternehmen damals allerdings auf eine schwere Probe. Denn Titan ist zäh und schwierig zu bearbeiten. Nach jedem Arbeitsgang muss es weichgeglüht oder abgekühlt werden. Bei der Verarbeitung von Titan entsteht zudem mehr Ausschuss als bei anderen Metallen. Auch das Polieren ist schwierig, da Titan sehr weich ist. Doch die Mühe lohnt: Der eigenständige Charakter des Metalls bringt auch heute frischen Wind in sportliche und maskuline Uhrenkollektionen.

Hier geht’s zum Teil 1 der Serie Uhrengehäuse: Edelstahl-Uhren.

Hier geht’s zum Teil 2 der Serie Uhrengehäuse: Keramik-Uhren.

Dieser Beitrag stammt aus dem UHREN-MAGAZIN Extra Wissen 2015,
das am 14. November 2014 erschienen ist.

Um zu wissen, wie viel eine Uhr kostet, genügt es, den Preis zu kennen. Um ihren Wert beurteilen zu können, braucht es profundes Wissen. Dieser Erkenntnis hat sich das UHREN-MAGAZIN Extra Wissen 2015 verschrieben. Die Sonderausgabe widmet sich allen Komponenten, die zur Fertigung einer Uhr hergestellt werden müssen.

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