Swatch Group: Nicolas G. Hayek tot

Rüdiger Bucher
von Rüdiger Bucher
am 28. Juni 2010
nicolas_g_hayek

Am Vormittag des 28. Juni ist der Verwaltungsratspräsident der Swatch Group, Nicolas G. Hayek, im Alter von 82 Jahren gestorben – „völlig unerwartet während der Arbeit in seiner geliebten Swatch Group an einem Herzversagen”, wie die Swatch Group am Montag miteilte.

Die Schweizer Uhrenindustrie verliert damit ihre prägendste Gestalt. Hayek, 1928 in Beirut geboren, war in den achtziger Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass die Schweizer Uhrenindustrie wieder auf die Füße kam. Im Folge der „Quarzkrise” der Siebziger, als preiswerte japanische Quarzuhren massenhaft den Weltmarkt eroberten, mussten viele Schweizer Uhrenhersteller aufgeben; es gingen massenhaft Arbeitsplätze verloren. Hayek, der damals mit seiner Firma Hayek Engineering als Berater agierte, machte sich für einen Zusammenschluss der Not leidenden Uhrengruppen ASUAG (u.a. Longines, Rado, Certina, Eterna) und SSIH (u.a. Omega, Tissot) stark und sah als entscheidendes Mittel zum Überleben die neu entwickelte Plastikuhr Swatch. Hayek überzeugte die Banken letztlich mit dem Argument, notfalls würde er den benötigten Betrag selbst bereitstellen. 1983 kam es zur Fusion. Die Swatch wurde ein Riesenerfolg und half dabei, durch ihre hohen Stückzahlen die industrielle Kapazität der Schweizer Uhrenindustrie aufrechtzuerhalten. Hayek führte nun die neue Uhrengruppe namens SMH (ab 1998 „Swatch Group”), an der er selbst auch beteiligt war, in eine erfolgreiche Zeit, die Ende der Achtziger durch die Renaissance der mechanischen Armbanduhr zusätzlichen Schwung erhielt.

Die Swatch Group wurde zu einer großen Erfolgsgeschichte: Sie zählt heute über 150 Betriebe, darunter 19 Uhrenmarken, und machte 2009 einen Bruttoumsatz von 5,4 Milliarden Franken. nicolas_g_hayek3
2003 übergab Hayek die operative Führung der Swatch Group an seinen Sohn Nick Hayek jr., blieb aber weiterhin, bis zuletzt, im Tagesgeschäft engagiert; zudem blieb er Vorsitzender des Verwaltungsrats (in der Schweiz vergleichbar mit dem deutschen Aufsichtsrat). Sein Engagement galt außerdem der 1999 übernommenen Marke Breguet, die er persönlich führte.
Hayek war ein Vollblutunternehmer. Er war streitbar, innerhalb der Swatch Group durchaus geliebt, außerhalb gefürchtet.

Erst vor wenigen Monaten hatte er für Aufsehen gesorgt mit der Äußerung, die Swatch Group habe die Absicht, künftig für Dritte nichts mehr zu produzieren und nichts mehr zuzuliefern. Da die Swatch Group mit der Eta über den wichtigsten Hersteller mechanischer Uhrwerke und mit der Nivarox über den bedeutendsten Produzenten von Unruhhemmungen und Spiralen verfügt, wirkten solche Worte auf den Rest der Branche wie ein Donnerhall. Der von vielen gefürchtete Hayek war aber auch ein Mensch, der zu großen Gefühlen fähig war. Er konnte poltern, aber auch verzeihen. Er war ein Workaholic, der auch nachts arbeitete, ein Mann von ungeheurer Intelligenz und von visionärer Kraft, ein Mann, bei dem auch hohe Politiker, nicht nur aus der Schweiz, Rat suchten.

Mit Breguet unterstützte er verschiedene kulturelle Projekte; er finanzierte unter anderem die Renovierung des Petit Trianon in Versailles und half bei der Restaurierung des Louis-XIV-Flügels im Louvre. Dass dieser umtriebige Uhrenboss sich einmal in den Ruhestand zurückziehen könnte, war für viele, die ihn persönlich kannten, unvorstellbar. Nun hat ihn der Tod mitten aus der Arbeit, mitten aus dem Leben gerissen.

Text: Rüdiger Bucher/ Bilder: Swatch Group

Bestellen Sie unseren Newsletter

Was gibt's Neues auf Watchtime.net?

Damit Sie stets rund um das Thema mechanische Uhr informiert sind, gibt Ihnen der Watchtime.net-Newsletter mehrmals wöchentlich den Überblick.

Zusätzlich und nur für kurze Zeit:
Ihr 5-EUR-Gutschein!*

Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiert.**
*Mindestbestellwert 20 Euro
**Pflichtfeld
Schweizer Geheimtipps Feature-Box 2018

Uhren-Datenbank

In der weltweit größten Datenbank finden Sie aktuell 33793 Modelle von 802 Herstellern.

Datenbank-Suche